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Flug Brüssel-London-Singapore-Perth.
Nach der üblichen After-Flight-Zigarette fuhren wir im Taxi zum Hotel
Ibis. Torsten wollte übrigens mal wieder auf der Fahrerseite einsteigen.
Unser Taxifahrer, vor 23 Jahren aus Serbien eingewandert, nahm es locker.
Die ganze Fahrt über haben wir uns mit ihm unterhalten, seine Sätze
endeten alle mit " mate (Kumpel)". An der Hotelrezeption gab es zur
allgemeinen Erheiterung erst mal Uneinigkeit darüber, wer den Gutschein
hat. Torsten war es! Zum
Abendessen gab’s ein leckeres Steak in Bobby Dazzler’s Restaurant,
anschließend auf ein VB in den dazugehörigen Pub gleich nebenan.
Natürlich haben wir erst mal einen Pitcher (US) anstelle eines Jug (AUS)
bestellt und uns somit sofort als Ausländer identifiziert. Die
nächsten drei wurden richtig als Jugs bestellt, geliefert und geleert.
Für die schon recht große Wand-Kollektion von Banknoten hinterließen
wir einen signierten 200-BEF-Schein. Kann nie schaden, sicherer Beweis
dafür, da gewesen zu sein. Im Pub
lernten wir ein paar nette Leute kennen: 2 Engländer und 1 Schotten. Der
eine Engländer war Mitte 50, seit 4,5 Jahren Down Under. Der 2. Engländer
war auf Working Holiday Visa unterwegs. Der Schotte war inzwischen schon
Aussie geworden und sagte irgendwann ganz stolz: « I am Australian ! «
Darauf ein True Blue Aussie hinter ihm: « You better lose that
accent. » Schotte :
« You better lose that beer, or I’ll lose it for you! » Um halb
11 ging’s mit der nötigen Bettschwere zurück ins Hotel.
Der
Winter hält uns mit 21°C in seinem eiskalten Griff. Um 7 Uhr
wälzten wir uns aus dem Bett, nahmen ein full breakfast im Hotel-Frühstücksraum
zu uns. Der grimmigen Kälte trotzend, holten wir unseren Bushcamper ab.
Die Leute bei Britz waren wie gewohnt sehr nett, Paul bot uns sogar seinen
Job an, um dann für uns nach Darwin zu fahren. Nix da! Nach
einem Grosseinkauf bei Woolies besorgten wir noch eine Telstra Prepaid
Card (AUD 25) für unser mitgenommenes Handy. Leider haben wir damit
keinen internationalen Zugang, können aber theoretisch von überall auf
der Welt angerufen werden (aber wer will das schon im Urlaub???). Im
Bottle Shop kauften wir noch einen « slab » (24) Dosen Emu
Bitter und ein Fläschchen westaustralischen Rotwein, « Hazard Hill »,
welchen wir heute abend gleich getrunken haben. Lecker! Heute haben wir
auch noch das « Luxusleben » einer en-suite cabin mit TV im
Perth Holiday Park.. Den Rest
des Nachmittags haben wir faul vor unserer Cabin in der Sonne (21°C!)
abgehangen und nebenher Sittiche auf Film & Foto gebannt. Sie waren
anständig genug, uns nicht mit Fruchthülsen zu bewerfen, obwohl sie
eifrig am knabbern waren. Haben sogar Laughing Kookaburras gehört, aber
leider nicht gesehen. Wir wussten gar nicht, dass es die hier auch gibt. Der
Wecker ist bereits auf 5 Uhr gestellt – heute Abend ist spätestens um
22 Uhr Schicht! Wegen
der harten Winterbedingungen enthält die Cabin einen elektrischen
Heizstrahler und die Matratzenunterlage ist beheizbar. Zum Glück, wie
sonst sollte man hier überleben…..
Nach
einer kalten Dusche (kein Warmwasser in der Cabin und zu faul, um zu den
Duschblocks zu laufen) ging’s los – über 700 km gen Norden. Zunächst
noch durch die hügelige Landschaft des Swan
Valley, recht schön mit grünen Hügeln und Weinbau, um 7h00 noch in
morgendlichen Nebelschwaden. Später wurde die Landschaft dann ein wenig
flacher und trockener. Typische Buschlandschaft mit roter Erde und flachem
Gestrüpp und kleinen Eukalyptusbäumen. Etwa 20 Kängurus hatten den
ungleichen Kampf gegen das
Auto aufgenommen und verloren. Der Verlierer wird zum Fraß für
Krähen und Keilschwanzadler, von denen wir einige beim Mahl am
Straßenrand beobachtet haben. Drei Ziegen hatten mehr Glück, sie hatten
unseren Bremsweg richtig eingeschätzt (übrigens: nicht wir haben die
Roos erwischt!). Der Highway 95 von Perth nach Norden ist voll in der Hand
der unzähligen Road-Train-Fahrer, die Getreide und Bodenschätze (auch
Gold!) sowie Chemikalien transportieren. Nach gut 400 km gönnten wir uns
einen Bacon & Egg Burger am Payne’s Find Roadhouse. Auf der Terrasse
desselben steht folgendes Schild :
Hm?????? Mount
Magnet entpuppte sich als 1600, Meekatharra als 1200 Seelen-Dorf (oder war
das umgekehrt?). In Meekatharra suchten wir vergeblich nach einer
Gaslampe, die wir ärgerlicherweise in Perth vergessen haben zu kaufen.
Hier bekommt man so etwas für 63 (!) AUD, ohne gleichzeitig eine Stelle
zum Goldschürfen! Da es keine Gaskartuschen gab, haben wir nur innerhalb
des Wagens Licht. Zum Glück steht unser Bushcamper vor der Waschküche
– mit Außenbeleuchtung – so dass wir wenigstens sehen, was wir auf
dem Teller haben. Emu Bitter schmeckt übrigens auch bei
Schummerbeleuchtung. Nachdem
wir abgesprochen hatten, morgen früh die Campingplatzbesitzer nach der
Abzweigung Richtung Mount Augustus zu fragen, entdeckten wir von unserem
Stellplatz aus das Schild, gleich neben dem Caravan Park. Erspart uns eine
Peinlichkeit…
Die
Fahrt war unsere erste ausschließlich auf Schotter. Straßenzustand gut,
nach 200 km teilweise leichtes Waschbrett, einige ausgetrocknete Flussläufe.
Nach 3 Stunden Fahrzeit und 164 km kam der erste Gegenverkehr (insgesamt
5). Am Anfang kamen wir wegen vieler Fotostopps sehr langsam voran, vor
allem wegen des Wildlife: Kängurus, Zebrafinken, Wedgies und das Tier des
Tages: der Emu! Sozusagen Emus satt! Irgendwann hörten wir auf zu zählen,
aber so 30-40 waren es auf jeden Fall. Einer der Emus hatte wohl genug vom
Leben, sprintete nur 5 m vor uns über die Straße (hervorragende
Beschleunigung!), aber Claudia hat seine Selbstmordgelüste durch gute
Reaktion vereitelt. Diverse
Kängurus (schätzungsweise 10-15) haben unsere Film- und Fotoarbeit durch
aktive Teilnahme unterstützt und auch ein großer Schwarm Zebrafinken
sowie Galahs haben fürs Fotoalbum posiert. Um 12 Uhr mittags rasteten wir
neben einem Wasserloch, wo wir die meisten Emus sowie die Zebrafinken
sahen, fotografierten und filmten. Als wir gerade weiterfahren wollten,
kreuzten 8 oder 9 Emus im Gänsemarsch die Strasse, nachdem der erste brav
nach rechts und links geschaut und uns als ungefährlich befunden hatte,
da wir noch standen. Natürlich
sahen wir auch Schafe und Rinder. Die
Bezeichnung “Tourist Resort” ist für den Campingplatz auf der Mount
Augustus Station noch eine bisschen übertrieben, aber wir stehen gut, es
ist nicht viel los…. Übrigens haben wir immer noch kein Licht und die
Lampe an unserem Stellplatz ist auch noch kaputt. Anscheinend will uns
keiner sehen, und wir sind die einzigen, die trotz der angenehmen
Temperaturen im Wagen sitzen. Hoffentlich
finden wir in Tom Price eine Lampe! Info:
Mount Augustus ist der größte Monolith der Erde, doppelt so groß wie
Uluru.
Heute
morgen gab es keine heiße, keine kalte, nein – gar keine Dusche. Im
Mount Augustus Resort wird nachts bis morgens um 7h00h das Wasser
abgestellt. Also nur schnell die Zähne geputzt und los. Nach 10
km Irrfahrt in die falsche Richtung, Rückfahrt zu und Nachfrage an Mount
Augustus Station, verließen wir das ‘Resort’ durch die Hintertür
Richtung Dooley Downs (natürlich
auf einer ungeteerten Strasse). Zwischen den zwei Gattern, die es bei Ein-
und Ausfahrt von Dooley Downs zu öffnen und zu schließen galt, lagen
schlappe 144 km. Die Fahrstrecke
war leicht bis mittelschwer mit einigen Senken und Steigungen. Danach
befuhren wir das Gebiet der Pingandy Downs Station, mittelschwere Dirt
Road, sehr kurvig, viele Steigungen. Dann die Ashburton Downs Road
über das Gebiet der gleichnamigen Station. Die Strecke war leicht mit
einigen Strecken Sand oder Bulldust. Das Tier des Tages war eindeutig das
Känguru, von dem wir so viele sahen, dass es am Ende fast langweilig
wurde. Höhepunkte waren die Sichtungen von Scrub Turkeys und einem Dingo,
den wir kurz bei seinem Mittagessen störten. Wir fuhren auch schnell
weiter, damit er ungestört sein Mahl fortsetzen konnte. Wie
immer gab es viele Rinder, die uns neugierig beäugten. Eine Überraschung
gab es dann aber doch: von einem namentlich unbekannten Bach, ca. 30-45
Minuten Fahrzeit vor der Homestead von Ashburton Downs, war noch eine etwa
4x10 m große Pfütze übriggeblieben. Wir also frohen Mutes rein ins
Wasser und – steckengeblieben! Stecken blieb uns auch das Lachen im
Hals, als uns klar wurde, dass wir die Pfütze hätten umfahren können.
Wir standen achstief im Wasser auf schlammigem Grund. Die Idee, große
Steine vor die Reifen zu legen, wurde dann auch schnell umgesetzt – wer
hat schon Lust, die Nacht in einem Wasserloch zu verbringen, aus dem die
Rinder saufen. Wir kamen dann auch mit einem entschlossen durchgeführten
Manöver frei – zum Glück kein Wasser in der Kupplung, sonst hätten
wir einen größeren Teil des Urlaubs ungeplant am Wasser verbracht.
Glück im Unglück: als wir schweißgebadet und mit schlammigen Stiefeln
weiterfuhren, kamen uns aus der Gegenrichtung gleich 2 Autos entgegen, die
uns hätten rausziehen können. Übrigens nach 287 km Fahrt der erste und
einzige weitere Verkehr auf der Strecke. Diese Strecke ist definitiv
nichts für Partygirls…. Langsam
ging die Landschaft in die grandiose Szenerie der Pilbara über. Nach 347
km erreichten wir den geteerten Highway nach Tom
Price. Selbst unser Wagen
bockte, es bedurfte guten Zuredens und kurzem Vor- und Zurückfahren,
bevor Torsten von 4WD wieder auf 2WD umschalten konnte. Nach 32 km bogen
wir allerdings nicht nach rechts ab, um über Paraburdoo und auf Asphalt
nach T.P. zu fahren, sondern fuhren geradeaus weiter, was uns weitere 69
km auf einer gravel road (wenn auch eine primary road, also Straße erster
Ordnung) bescherte, die in hervorragendem Zustand war. Wie geteert, aber
eben Schotter. Kurz vor
T.P. trafen wir im ansonsten trockenen Bett des Hardey River erneut auf
eine große Pfütze mit trüb-rotem Wasser. Aus Schaden klug geworden,
checkten wir sie aus: ca. 40 cm tief, Boden schlammig. Kennen wir, den
Trick! Es gab
aber eine sehr schmale Möglichkeit, rechts daran vorbeizufahren. Mit
Schwung, erstem Gang Untersetzung und exakter Steuerung kriegten wir die
Sache hin. Ein hinter uns fahrender PKW schaffte es auch – sie sind zwar
mehr gerutscht als gefahren, sind zweimal aufgesessen, aber sie schafften
es. Sie hatten uns den Vortritt gelassen, wir warteten am anderen Ufer,
bis sie auch drüben waren. Die noch
in T.P. erstandene Öllampe hat bereits die Grätsche gemacht…. morgen
gibt es dann endlich eine Gaslampe !! Dafür war das Steak supergut;
der Tom Price Caravan Park ist sehr schön und extrem leise.
Was für
ein schöner Start heute morgen! Die heiße Dusche nach der gestrigen
Pleite tat gut. Nach Kauf einer Gaslampe (AUD 86 für Lampe &
Kartusche bei Coles) ging es gegen 9h30 in den Karijini NP, den wir nach
ca. 50 km erreichten. AUD 9 Eintrittsgebühr, zu deponieren in einer 1
Box, ein Abschnitt ist als Quittung aufs Armaturenbrett zu legen. Erste
Station: Fortescue Falls
– sieht einfach traumhaft aus! Ein schmaler, schilfbewachsener Fluss,
Pools mit türkisgrünem Wasser, ein Wasserfall, der in eine Schlucht aus
senkrechten roten Wänden stürzt. Der Weg dorthin führt 500 m relativ
steil ab- und natürlich hinterher wieder aufwärts *keuch*. Vorher
waren wir im Visitor Center zwecks Info-Aufnahme und Postkartenkauf. Zweite
Station: Weano Gorge. Atemberaubend ist der Oxer
Lookout, von dem aus man
wer weiß wie tief hinabblickt auf 5 Schluchten. Unbeschreiblich! Claudia
ging allerdings ob der Höhe nicht bis an den Rand der Aussichtsplattform. Die
Landschaft ist atemberaubend schön: rote, schroffe Felsen, Spinifex,
Eukalyptus (Bäume und Büsche), und so weiter…. dazu Sonne, 22° und
knallblauer Himmel ! Wieder
zurück auf dem asphaltierten Highway kreuzte ein Wallaby, ohne Vorankündigung,
aber wenigstens mit ausreichendem Abstand, die Strasse. Licht
verändert doch die Welt, der frühe Einbruch der Dunkelheit verliert
damit seinen Einfluss auf unseren Tagesablauf, denn heute Abend konnten
wir zum ersten Mal schön bei Lampenschein (!) bis halb 10 draußen
sitzen, herrlich ! Ja, und Staub – Staub gehört zu unserem Leben
wie das Atmen. Er ist überall, sogar auf dem Geschirr in den Schränken
– bloody bulldust!
Zunächst
eine Anmerkung zum Tier des Tages: die Tiere waren uns gegenüber
zurückhaltend, bis auf den einen oder anderen Adler beim Genuss von
Kängurusteak und der flüchtigen Sichtung eines Dingos ist nichts zu
vermelden. Allerdings gab es ein Auto des Tages, den Toyota Landcruiser in
Polizeiausführung. Uns sind insgesamt vier begegnet – soviel haben wir
« auf dem Lande » in unseren drei vorherigen Urlauben zusammen
nicht gesehen! Die Straße
war im allgemeinen gut befahrbar, stellenweise steinig und auch
stellenweise eng und kurvig. Nach dem
Frühstück begannen wir unsere Tagestour auf der ungeteerten „136“
Richtung Norden. Das Wasserloch von vorgestern wurde lässig und
routiniert umfahren. Erster
Abstecher war die Hamersley
Gorge. Wir kraxelten runter zum Wasserfall,
genossen die Schönheit der Schlucht, bestaunten die roten Wände,
kletterten über die Felsen und beglückwünschten uns zu dem Entschluss,
hier vorbeizufahren. Dann
weiter in Richtung Millstream. Wir hatten uns noch gestern erkundigt, ob
der Fortescue River trocken sei, Antwort: ja – stimmte auch. Die
Strasse schlängelt sich zunächst durch die beeindruckende, schroffe Schönheit
der Pilbara. Nähe Millstream wurde die Landschaft dann flacher, mit
Ranges und kleinen Tafelbergen im Hintergrund. Im
Millstream machten wir ein Picknick am
Python Pool am Fuße des Chichester Escarpment. Wunderschön! Wir
durften eine Gruppe Jugendlicher mit ausgedörrten Gehirnwindungen dabei
beobachten, wie sie ohne Ausrüstung aber mit Kind die mit Geröll
übersäte Steilwand erklommen. Runtergekommen sind sie erst nach unserer
Abfahrt, hoffentlich heil. Ja, bei unserem Anblick kann man die Wände
hochgehen… Nach
Abfahrt vom Pool wurde die Landschaft immer platter, das Auge wurde nur
noch durch einige Tafelberge und weidende Rinder erfreut. Das Ohr erfreute
sich an Aussie-Musik: TOFOG und zum krönenden Abschluss zum x-ten Mal
« Down Under » von Men At Work. Nach 346
km ungeteerter Strasse erreichten wir zu unserem großen Bedauern den
North West Coastal Highway, den wir in Richtung South Hedland
weiterfuhren. Am Whim Creek Pub machten wir, wie vor 2 Jahren, einen
kurzen Pit Stop. Witziges
Detail: auf dem South Hedland Caravan Park stehen wir auf dem gleichen
Stellplatz wie anno 1999! Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier! Und
dann war da noch die Gaslampe, die uns gestern so erfreute: Glühstrumpf
kaputt, Ersatz hat sich in Luft aufgelöst und das Lampenglas ist auch
geplatzt. Sind mal wieder wie die Kellerkinder im Dunkeln. Unser Camper
ist inzwischen auch innen voll Bulldust. Im Gegensatz zu Sand knirscht der
aber nicht zwischen den Zähnen…
Merkwürdig
genug, aber seit 1999 hat sich die Landschaft auf dieser Etappe nicht
dahingehend verändert, dass sie interessanter geworden wäre. Irgendwie
sieht man einfach zu, dass man durchkommt. Sollte man besser sagen öde
Weite oder weite Öde? Wie dem auch sei, aus Kenntnis der Strecke hatten
wir ja wohlweislich Kassetten mitgenommen zwecks musikalischer Untermalung
und Bekämpfung des Sekundenschlafs am Steuer. Nur drei
Wedgies, die sich cholesterinbewusst von Kängurufleisch ernährten,
sorgten kurzfristig für Action. Außerdem sahen wir insgesamt drei
Radfahrer (zwei Richtung Broome, einer Richtung South Hedland), die sich
trauten, den Elementen und der schlafmittelähnlichen Wirkung der
Landschaft zu trotzen. Respekt, hier zu radeln ist nicht das, wofür wir
auch nur einen Cent geben würden. Um 10h30
gönnten wir uns am Sandfire Roadhouse wie schon 1999 einen Hamburger The
Lot. Diesmal versuchten weder Pfauen noch andere Vögel, Mundraub zu
begehen (s. Bericht 1999). Ein paar
km vor Broome fuhren wie an einem Buschfeuer vorbei. Nach
kleinen Einkäufen kehrten wir auf den Broome Caravan Park vier Kilometer
vor der Stadt zurück, den wir noch von 1999 in bester Erinnerung hatten. Heute Abend
hatten wir auch wieder was von unserer Gaslampe!
Die
gestrige Frage in der Touristeninfo ergab, dass die Straße nach Cape L.
problemlos sei, nur ein wenig waschbrettartig. Man brauche ca. drei
Stunden (wir brauchten 3,5 Stunden bei teilweise halsbrecherischem Tempo,
allerdings max. 80 km/h. Nur Einheimische flogen schneller). Na gut, wir
also los und dann sahen wir bald, dass die Aussies eine etwas andere
Auffassung von problemloser Straße haben als wir. Es war eine Sandpiste
(teilweise 30 cm tiefer Sand). Betoniert wäre sie z. T. eine Freude für
Skateboardfahrer, sie hatte die Form eine Halfpipe.
Jedenfalls war sie bestimmt von Toyota als Teststrecke konzipiert – wir
sagen nur: Wellblech kennen und hassen. Streckenweise war es auch nur ein
einspuriger Track. Es war recht reger Verkehr und einheimische Fahrer
schienen Qantas-Piloten zu sein, sie fuhren nicht, sie flogen. Genug
zur Piste: Cape Leveque ist uneingeschränkt sehenswert, mit einem wunderschönen,
menschenleeren, ewig langen weißen Strand an türkisfarbenem Meer, an dem
wir uns erst mal in die allgegenwärtige Sonne setzten. Am Cape gibt es
einen Airstrip, einen kleinen Campingplatz, ein paar Cabins, Beach
Shelters (so eine Art Unterstand) und ein Restaurant/Shop. Vorausbuchung für
Übernachtungen ist obligatorisch. Nach dem
Sonnenbad stärkten wir uns mit Fishburger, Coke und Eis. Nach insgesamt
1,5 Stunden Rast machten wir uns auf den « Heimweg ». Einmal
überholte uns ein Schrumpfhirn mit minimalem Seitenabstand, 2x kamen uns
an sehr engen Stellen Fahrzeuge entgegen, ebenfalls haarscharf! Die
Strasse ist nur « 4WD recommended ».
Nun ja, wer seinen 2WD Wagen nicht liebt, der fahre los….. Wir haben
ausschließlich 4WDs gesehen, ca. zwanzig. Außerdem haben wir
ausgerechnet, dass die Fahrzeit der Strecke Brüssel-Paris und zurück
entspricht. Allerdings kämen wir nie
auf die Idee, letztere für 1,5 Stunden Aufenthalt in Angriff zu nehmen.
Lieber Dreck, Schotter und Staub als dichter Verkehr!
Heute
morgen weckte uns ein vielstimmiger Vogelchor; wir drehten uns auf die
andere Seite und schliefen noch bis halb 7. Danach war ob der angenehmen
Temperaturen ein gemütliches Frühstück im Freien angesagt. Das wussten
auch die Fliegen sehr zu schätzen. Wir
waren 10 Minuten zu früh an der Post, warteten mit ein paar Aussies
geduldig vor der Tür, fielen anschließend bei Coles ein und stockten
unsere Vorräte auf. Essenstechnisch sind wir nun für die Gibb River Road
(GRR) gerüstet. Danach
war Spazieren gehen, Abhängen und Sunbaking am Cable Beach angesagt. Ganz
ohne Folgen blieb der Spaziergang nicht, wir waren letztendlich in der
inoffiziellen FKK-Sektion der entfernteren östlichen Partie des Strandes
gelandet und haben uns dort in den Sand gesetzt (Anm.: wir waren nicht die
einzigen Bekleideten!). Dort gab es, ca. fünf Meter entfernt, einen
Typen, der aussah wie eine auf dem Grill vergessene Bratwurst. Der war
offensichtlich mit einem IQ unterhalb dem eines Glühwürmchens
ausgestattet. Will sagen, der brächte es nicht einmal zum Trostpreis,
wenn er mit Glühwürmchen um die Wette leuchten müsste. Er hat nach
einigem Gemaule schließlich einen faustgroßen Stein in unsere Richtung
geworfen, und wir sind gegangen, anstatt ihm verdienterweise das Gebiss zu
richten. Ach ja,
und Torsten ist gegen einen unter Wasser liegenden Felsbrocken gestoßen
und hat damit sein Westaustralien-Bruchsoll erfüllt (siehe Bericht 1999).
Der dritte Zeh am rechten Fuß war gebrochen. Wir
gönnten uns noch mal die Feeding Tour in Malcolm Douglas’ Broome
Crocodile Park. Die Salties waren leider weder besonders hungrig noch
besonders bewegungsfreudig. Will (Tour Guide) erklärte, das läge am
kühlen Wetter – Sonne und 31°C. Na ja, Crocs haben eben keine
eingebaute Klimaanlage und so lagen sie faul in der Sonne rum. Kurzer
Abstecher zu Britz, weil unser Kühlschrank so komisch klickte, wenn er
nicht am Strom hing. Wir und der nette Britz-Bloke waren uns schnell
einig, dass Toyotas die zuverlässigsten Autos sind, vor allem der
Landcruiser. Auf dem
Campingplatz spulten wir unser Routine-Programm ab: faul rumsitzen,
Fleisch in die Pfanne hauen, essen, faul rumsitzen, zwischendurch kühles
Emu Bitter.
Die
Fahrt war ereignislos bis auf ein großes Buschfeuer in der Ferne und die
Überquerung des Fitzroy River auf einer einspurigen, 400m (1200 Fuss)
langen Brücke. Der Fitzroy floss an einer Seite in malerischem Grün, der
Rest des Flussbetts präsentierte sich in Tümpeln (teilweise recht tief)
und Treibholz, sprich teilweise beeindruckend großen, toten Baumstämmen. Sechs
Kilometer vor Derby statteten wir dem Prison Boab Tree wieder einen Besuch
ab. Inzwischen darf man nicht mehr hineinklettern, Grund: Respekt vor der
religiösen Bedeutung für die Aborigines, Schutz für den Baum (die Erde
rund um den Stamm wird sonst zu sehr festgetrampelt), und mögliche
Bewohner in Form von Schlangen. Boabs
sind die zweitkleinsten ihrer Familie (6 Arten in Afrika = Baobabs, 3 auf
Madagaskar); sie haben keine Wachstumsringe ; überleben Dürren
(speichern Wasser) und Feuer (schälen die äußerste Rindenschicht ab) ;
werfen in der Trockenzeit ihre Blätter ab ; die Früchte sehr
Vitamin-C-haltig; Boabs wurden vermutlich
als Früchte aus Madagaskar an Australiens Küsten gespült und vermutlich
ist « Boab » eine Verkürzung des Namens « Baobab ». Derby
ist ein sauberes, kleines Städtchen, hat aber nichts Besonderes zu
bieten. Der
Kimberley Entrance Campground ist eigentlich schön, mit vielen Bäumen,
aber die einzelnen Stellplätze sind viel zu klein, so dass man sich nicht
so recht wohlfühlen kann. Man muss ständig Angst haben, dass der Nachbar
einen beim Niesen naß macht. Außerdem ist unser Platz der reinste
Trampelpfad, jeder läuft darüber, um sich den Weg zur Toilette abzukürzen.
Das Personal an der Rezeption wirkt überdies unmotiviert und
unfreundlich.
Heute
ging es endlich auf die berühmt-berüchtigte Gibb River Road, die sich
zuerst geteert und dann als harmlose Schotterpiste präsentierte. Endlich
wieder auf Schotter – wenn auch « nur » 78 km weit. Eine
Abzweigung führt nach 20 km in den Windjana Gorge National
Park. Auch dieses Stück ist gute Schotterpiste mit nur einer ziemlich
rauen Flussbettquerung (trocken), bei der sich Claudia beim Filmen prompt
den Kopf an der Tür angeschlagen hat….. Außerdem holperten wir die
letzten Kilometer mit max. 60 km/h hinter einem Schleicher her, obwohl
wegen des Waschbretts 70-80 angesagt gewesen wären. Überholen ging nicht
wegen der dicken Staubfahne, die er hinter sich her zog. Das
Bushcamp ist sehr idyllisch, mit herrlichem Blick auf die 100 m hohen
Wände der Schlucht, die sich bei Sonnenuntergang rötlich verfärben. Auf
dem Platz gibt es Plumpsklosetts mit Wasserspülung – aber unbeleuchtet
– und kalte Duschen. Kosten : AUD 9/Person&Nacht. Wir
machten, da früh angekommen, einen Spaziergang in die Schlucht. Unbedingt
empfehlenswert! Schroffe Felswände (Riff eines urzeitlichen Meeres), der
an tieferen Stellen grüne, wenn auch um diese Jahreszeit nicht sehr
beeindruckende Lennard River
und Freshies. Letztere sonnten sich am
jenseitigen Ufer. Ihretwegen wird vom Schwimmen abgeraten, da sie zwar
eigentlich für Menschen ungefährlich sind, aber doch beißen, wenn sie
sich bedrängt/bedroht fühlen. Übrigens,
Aussie-Jargon für Krokodil: „snapping log“, schnappender Ast. Wir
haben einer Gruppe Jackaroos und Jillaroos* dabei zugesehen, wie sie von
einem ca. 5 m hohen Felsen in den Fluss gesprungen sind. Einer
der beiden vor Ort stationierten Ranger fuhr am Nachmittag über den
Platz, um Feuerholz für die Gemeinschaftsfeuerstellen zu verteilen
(warten, bis er kommt! Nicht selber Holz sammeln – Feuergefahr!) und die
Gebühren zu kassieren (in bar). Wir saßen gerade beim Abendessen, er
entschuldigte sich mehrfach (no worries, mate!). * AUS für
Cowboys & Cowgirls
Die GRR
ist z. T. schon entschärft – zumindest auf diesem Stück ist sie an
schwierigen Stellen geteert. Schade irgendwie… Die
Landschaft ist wunderschön, mit rollenden, schroffen Hügeln, roter Erde,
Eukalyptus, Boabs… vier von den sechs unbefestigten Flussüberquerungen
waren auf dem Weg zur Bell Gorge (29 km ab GRR). Problemlos. Silent Grove
Bush Camp ist sehr schön (GRR + 19 km), ebenso die Stellplätze direkt am
Fluss. Der Weg ist sehr schmal und rau, zwei Fahrzeuge kommen aber
aneinander vorbei. Zur Schlucht selber läuft man vom Parkplatz aus ca. 20
Minuten. Teilweise heißt es ein bisschen über Geröll kraxeln, zweimal
muss man den Bell River überqueren. Der Weg lohnt sich, die Gorge mit
Wasserfall ist sehr schön. Zum Lower Pool, in dem man baden kann,
stiegen wir aber nicht ab. Der
Schreck bei der Rückfahrt: eine der Flussüberquerungen (die der GRR am
nächsten gelegene) war ziemlich tief (Trittbrett-/Stoßstangentiefes
Wasser). Wir frohen Mutes rein ins Wasser, hatte ja vorher schon gut
geklappt. Und dann – in der Mitte – blieb der Wagen stehen! Ein
kräftiger Schlag gegen den Untersetzungshebel löste aber das Problem.
Der war nämlich nicht richtig eingerastet. Nachdem kurzfristig unsere
Schweißtropfen die Windschutzscheibe besprenkelt hatten, war alles in
Ordnung. Die Gibb
ist zwar stellenweise recht rau, vor allem durch das widerliche
Waschbrett, alles in allem bis hier aber leicht zu fahren. Etwaige
Bachquerungen sind überwiegend trocken und betoniert und von daher
problemlos. Am Mt.
Barnett Roadhouse checkten wir fürs Bush Camp ein (AUD
5,50/Erwachsenen&Nacht ; VISA & Mastercard ok), und fuhren
die 7 km bis dorthin. Das Camp liegt am Manning
River, in dem man auch
schwimmen kann. In ca. 100 m Entfernung von den Badenden sonnte sich ein
Freshie. Am Fluss hatten wir eine nette Unterhaltung mit zwei Frauen, von
denen eine schon einiges im alten Europa gesehen hatte. Abends
gingen wir noch mal an den Fluss zum « Croc Spotting » -
unsere Taschenlampe war aber zu schwach. John & Skye, die wir dort
trafen, hatten eine sehr kräftige Taschenlampe und wir sahen tatsächlich
die reflektierenden Augen von einem Croc sowie mehrere Krebse, Welse und
andere kleine Tiere. Anschließend luden wir die zwei auf ein Bierchen an
unserem Camper ein und klönten noch ein bisschen. Das
Bushcamp hat Dunnys (die Plumpsklo-Variante), aber weder Duschen noch
Trinkwasser.
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