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W.A. Off-Road -Von Perth nach Darwin

Western AustraliaAustralien 2001Northern Territory

Lesezeichen:

Teil 1: Perth, W.A. - Meekatharra - Mt Augustus - Tom Price - Karijini N.P.  - Hamersley Gorge, Millstream N.P. - South Hedland - Broome - Cape Leveque Derby - Windjana Gorge

Teil 2:Mt Barnett RoadhouseJack's Waterhole (Durack River Station) - Kununurra - Purnululu N.P. (Bungle Bungles)Katherine, N.T. - Darwin - Litchfield N.P. 

 

18.6. Ankunft Perth

  G’Day Australia ! Hello Perth !

Flug Brüssel-London-Singapore-Perth. Nach der üblichen After-Flight-Zigarette fuhren wir im Taxi zum Hotel Ibis. Torsten wollte übrigens mal wieder auf der Fahrerseite einsteigen. Unser Taxifahrer, vor 23 Jahren aus Serbien eingewandert, nahm es locker. Die ganze Fahrt über haben wir uns mit ihm unterhalten, seine Sätze endeten alle mit " mate (Kumpel)". An der Hotelrezeption gab es zur allgemeinen Erheiterung erst mal Uneinigkeit darüber, wer den Gutschein hat. Torsten war es!

Zum Abendessen gab’s ein leckeres Steak in Bobby Dazzler’s Restaurant, anschließend auf ein VB in den dazugehörigen Pub gleich nebenan. Natürlich haben wir erst mal einen Pitcher (US) anstelle eines Jug (AUS) bestellt und uns somit sofort als Ausländer identifiziert. Die nächsten drei wurden richtig als Jugs bestellt, geliefert und geleert. Für die schon recht große Wand-Kollektion von Banknoten hinterließen wir einen signierten 200-BEF-Schein. Kann nie schaden, sicherer Beweis dafür, da gewesen zu sein.

Im Pub lernten wir ein paar nette Leute kennen: 2 Engländer und 1 Schotten. Der eine Engländer war Mitte 50, seit 4,5 Jahren Down Under. Der 2. Engländer war auf Working Holiday Visa unterwegs. Der Schotte war inzwischen schon Aussie geworden und sagte irgendwann ganz stolz: « I am Australian ! «  Darauf ein True Blue Aussie hinter ihm: « You better lose that accent. » Schotte : « You better lose that beer, or I’ll lose it for you! »

Um halb 11 ging’s mit der nötigen Bettschwere zurück ins Hotel.

 

 

19.6. Perth

 

Der Winter hält uns mit 21°C in seinem eiskalten Griff.

Um 7 Uhr wälzten wir uns aus dem Bett, nahmen ein full breakfast im Hotel-Frühstücksraum zu uns. Der grimmigen Kälte trotzend, holten wir unseren Bushcamper ab. Die Leute bei Britz waren wie gewohnt sehr nett, Paul bot uns sogar seinen Job an, um dann für uns nach Darwin zu fahren. Nix da!

Nach einem Grosseinkauf bei Woolies besorgten wir noch eine Telstra Prepaid Card (AUD 25) für unser mitgenommenes Handy. Leider haben wir damit keinen internationalen Zugang, können aber theoretisch von überall auf der Welt angerufen werden (aber wer will das schon im Urlaub???). Im Bottle Shop kauften wir noch einen « slab » (24) Dosen Emu Bitter und ein Fläschchen westaustralischen Rotwein, « Hazard Hill », welchen wir heute abend gleich getrunken haben. Lecker! Heute haben wir auch noch das « Luxusleben » einer en-suite cabin mit TV im Perth Holiday Park..

Den Rest des Nachmittags haben wir faul vor unserer Cabin in der Sonne (21°C!) abgehangen und nebenher Sittiche auf Film & Foto gebannt. Sie waren anständig genug, uns nicht mit Fruchthülsen zu bewerfen, obwohl sie eifrig am knabbern waren. Haben sogar Laughing Kookaburras gehört, aber leider nicht gesehen. Wir wussten gar nicht, dass es die hier auch gibt.

Der Wecker ist bereits auf 5 Uhr gestellt – heute Abend ist spätestens um 22 Uhr Schicht!

Wegen der harten Winterbedingungen enthält die Cabin einen elektrischen Heizstrahler und die Matratzenunterlage ist beheizbar. Zum Glück, wie sonst sollte man hier überleben…..

 

 

20.6. Perth – Meekatharra

743 km Asphalt

 

Nach einer kalten Dusche (kein Warmwasser in der Cabin und zu faul, um zu den Duschblocks zu laufen) ging’s los – über 700 km gen Norden. Zunächst noch durch die hügelige Landschaft des Swan Valley, recht schön mit grünen Hügeln und Weinbau, um 7h00 noch in morgendlichen Nebelschwaden. Später wurde die Landschaft dann ein wenig flacher und trockener. Typische Buschlandschaft mit roter Erde und flachem Gestrüpp und kleinen Eukalyptusbäumen. Etwa 20 Kängurus hatten den ungleichen Kampf gegen das Auto aufgenommen und verloren. Der Verlierer wird zum Fraß für Krähen und Keilschwanzadler, von denen wir einige beim Mahl am Straßenrand beobachtet haben. Drei Ziegen hatten mehr Glück, sie hatten unseren Bremsweg richtig eingeschätzt (übrigens: nicht wir haben die Roos erwischt!). Der Highway 95 von Perth nach Norden ist voll in der Hand der unzähligen Road-Train-Fahrer, die Getreide und Bodenschätze (auch Gold!) sowie Chemikalien transportieren. Nach gut 400 km gönnten wir uns einen Bacon & Egg Burger am Payne’s Find Roadhouse. Auf der Terrasse desselben steht folgendes Schild :

 

CEMETERY

BUDGET

ACCOM

X-RATES

 

Hm?????? Unterkunft auf dem Friedhof besonders günstig???

 

Mount Magnet entpuppte sich als 1600, Meekatharra als 1200 Seelen-Dorf (oder war das umgekehrt?). In Meekatharra suchten wir vergeblich nach einer Gaslampe, die wir ärgerlicherweise in Perth vergessen haben zu kaufen. Hier bekommt man so etwas für 63 (!) AUD, ohne gleichzeitig eine Stelle zum Goldschürfen! Da es keine Gaskartuschen gab, haben wir nur innerhalb des Wagens Licht. Zum Glück steht unser Bushcamper vor der Waschküche – mit Außenbeleuchtung – so dass wir wenigstens sehen, was wir auf dem Teller haben. Emu Bitter schmeckt übrigens auch bei Schummerbeleuchtung.

Nachdem wir abgesprochen hatten, morgen früh die Campingplatzbesitzer nach der Abzweigung Richtung Mount Augustus zu fragen, entdeckten wir von unserem Stellplatz aus das Schild, gleich neben dem Caravan Park. Erspart uns eine Peinlichkeit…

 

 

21.6. Meekatharra – Mount Augustus

334 km ungeteert

 

Die Fahrt war unsere erste ausschließlich auf Schotter. Straßenzustand gut, nach 200 km teilweise leichtes Waschbrett, einige ausgetrocknete Flussläufe. Nach 3 Stunden Fahrzeit und 164 km kam der erste Gegenverkehr (insgesamt 5). Am Anfang kamen wir wegen vieler Fotostopps sehr langsam voran, vor allem wegen des Wildlife: Kängurus, Zebrafinken, Wedgies und das Tier des Tages: der Emu! Sozusagen Emus satt! Irgendwann hörten wir auf zu zählen, aber so 30-40 waren es auf jeden Fall. Einer der Emus hatte wohl genug vom Leben, sprintete nur 5 m vor uns über die Straße (hervorragende Beschleunigung!), aber Claudia hat seine Selbstmordgelüste durch gute Reaktion vereitelt.

Diverse Kängurus (schätzungsweise 10-15) haben unsere Film- und Fotoarbeit durch aktive Teilnahme unterstützt und auch ein großer Schwarm Zebrafinken sowie Galahs haben fürs Fotoalbum posiert. Um 12 Uhr mittags rasteten wir neben einem Wasserloch, wo wir die meisten Emus sowie die Zebrafinken sahen, fotografierten und filmten. Als wir gerade weiterfahren wollten, kreuzten 8 oder 9 Emus im Gänsemarsch die Strasse, nachdem der erste brav nach rechts und links geschaut und uns als ungefährlich befunden hatte, da wir noch standen.

Natürlich sahen wir auch Schafe und Rinder.

Die Bezeichnung “Tourist Resort” ist für den Campingplatz auf der Mount Augustus Station noch eine bisschen übertrieben, aber wir stehen gut, es ist nicht viel los…. Übrigens haben wir immer noch kein Licht und die Lampe an unserem Stellplatz ist auch noch kaputt. Anscheinend will uns keiner sehen, und wir sind die einzigen, die trotz der angenehmen Temperaturen im Wagen sitzen.

Hoffentlich finden wir in Tom Price eine Lampe!

Info: Mount Augustus ist der größte Monolith der Erde, doppelt so groß wie Uluru.

 

 

22.6. Mount Augustus – Tom Price

455 km gesamt, davon 423 ungeteert

 

Heute morgen gab es keine heiße, keine kalte, nein – gar keine Dusche. Im Mount Augustus Resort wird nachts bis morgens um 7h00h das Wasser abgestellt. Also nur schnell die Zähne geputzt und los.

Nach 10 km Irrfahrt in die falsche Richtung, Rückfahrt zu und Nachfrage an Mount Augustus Station, verließen wir das ‘Resort’ durch die Hintertür Richtung Dooley Downs (natürlich auf einer ungeteerten Strasse). Zwischen den zwei Gattern, die es bei Ein- und Ausfahrt von Dooley Downs zu öffnen und zu schließen galt, lagen schlappe 144 km. Die Fahrstrecke war leicht bis mittelschwer mit einigen Senken und Steigungen. Danach befuhren wir das Gebiet der Pingandy Downs Station, mittelschwere Dirt Road, sehr kurvig, viele Steigungen. Dann die Ashburton Downs Road über das Gebiet der gleichnamigen Station. Die Strecke war leicht mit einigen Strecken Sand oder Bulldust. Das Tier des Tages war eindeutig das Känguru, von dem wir so viele sahen, dass es am Ende fast langweilig wurde. Höhepunkte waren die Sichtungen von Scrub Turkeys und einem Dingo, den wir kurz bei seinem Mittagessen störten. Wir fuhren auch schnell weiter, damit er ungestört sein Mahl fortsetzen konnte.

Wie immer gab es viele Rinder, die uns neugierig beäugten. Eine Überraschung gab es dann aber doch: von einem namentlich unbekannten Bach, ca. 30-45 Minuten Fahrzeit vor der Homestead von Ashburton Downs, war noch eine etwa 4x10 m große Pfütze übriggeblieben. Wir also frohen Mutes rein ins Wasser und – steckengeblieben! Stecken blieb uns auch das Lachen im Hals, als uns klar wurde, dass wir die Pfütze hätten umfahren können. Wir standen achstief im Wasser auf schlammigem Grund. Die Idee, große Steine vor die Reifen zu legen, wurde dann auch schnell umgesetzt – wer hat schon Lust, die Nacht in einem Wasserloch zu verbringen, aus dem die Rinder saufen. Wir kamen dann auch mit einem entschlossen durchgeführten Manöver frei – zum Glück kein Wasser in der Kupplung, sonst hätten wir einen größeren Teil des Urlaubs ungeplant am Wasser verbracht. Glück im Unglück: als wir schweißgebadet und mit schlammigen Stiefeln weiterfuhren, kamen uns aus der Gegenrichtung gleich 2 Autos entgegen, die uns hätten rausziehen können. Übrigens nach 287 km Fahrt der erste und einzige weitere Verkehr auf der Strecke. Diese Strecke ist definitiv nichts für Partygirls….

Langsam ging die Landschaft in die grandiose Szenerie der Pilbara über.

Nach 347 km erreichten wir den geteerten Highway nach Tom Price. Selbst unser Wagen bockte, es bedurfte guten Zuredens und kurzem Vor- und Zurückfahren, bevor Torsten von 4WD wieder auf 2WD umschalten konnte. Nach 32 km bogen wir allerdings nicht nach rechts ab, um über Paraburdoo und auf Asphalt nach T.P. zu fahren, sondern fuhren geradeaus weiter, was uns weitere 69 km auf einer gravel road (wenn auch eine primary road, also Straße erster Ordnung) bescherte, die in hervorragendem Zustand war. Wie geteert, aber eben Schotter.

Kurz vor T.P. trafen wir im ansonsten trockenen Bett des Hardey River erneut auf eine große Pfütze mit trüb-rotem Wasser. Aus Schaden klug geworden, checkten wir sie aus: ca. 40 cm tief, Boden schlammig. Kennen wir, den Trick!

Es gab aber eine sehr schmale Möglichkeit, rechts daran vorbeizufahren. Mit Schwung, erstem Gang Untersetzung und exakter Steuerung kriegten wir die Sache hin. Ein hinter uns fahrender PKW schaffte es auch – sie sind zwar mehr gerutscht als gefahren, sind zweimal aufgesessen, aber sie schafften es. Sie hatten uns den Vortritt gelassen, wir warteten am anderen Ufer, bis sie auch drüben waren.

Die noch in T.P. erstandene Öllampe hat bereits die Grätsche gemacht…. morgen gibt es dann endlich eine Gaslampe !! Dafür war das Steak supergut; der Tom Price Caravan Park ist sehr schön und extrem leise.

 

 

23.6. Tom Price – Karijini N.P. – Tom Price

264 km gesamt, davon 164 ungeteert

 

Was für ein schöner Start heute morgen! Die heiße Dusche nach der gestrigen Pleite tat gut. Nach Kauf einer Gaslampe (AUD 86 für Lampe & Kartusche bei Coles) ging es gegen 9h30 in den Karijini NP, den wir nach ca. 50 km erreichten. AUD 9 Eintrittsgebühr, zu deponieren in einer 1 Box, ein Abschnitt ist als Quittung aufs Armaturenbrett zu legen.

Erste Station: Fortescue Falls – sieht einfach traumhaft aus! Ein schmaler, schilfbewachsener Fluss, Pools mit türkisgrünem Wasser, ein Wasserfall, der in eine Schlucht aus senkrechten roten Wänden stürzt. Der Weg dorthin führt 500 m relativ steil ab- und natürlich hinterher wieder aufwärts *keuch*.

Vorher waren wir im Visitor Center zwecks Info-Aufnahme und Postkartenkauf.

Zweite Station: Weano Gorge. Atemberaubend ist der Oxer Lookout, von dem aus man wer weiß wie tief hinabblickt auf 5 Schluchten. Unbeschreiblich! Claudia ging allerdings ob der Höhe nicht bis an den Rand der Aussichtsplattform.

Die Landschaft ist atemberaubend schön: rote, schroffe Felsen, Spinifex, Eukalyptus (Bäume und Büsche), und so weiter…. dazu Sonne, 22° und knallblauer Himmel !

Wieder zurück auf dem asphaltierten Highway kreuzte ein Wallaby, ohne Vorankündigung, aber wenigstens mit ausreichendem Abstand, die Strasse.

Licht verändert doch die Welt, der frühe Einbruch der Dunkelheit verliert damit seinen Einfluss auf unseren Tagesablauf, denn heute Abend konnten wir zum ersten Mal schön bei Lampenschein (!) bis halb 10 draußen sitzen, herrlich ! Ja, und Staub – Staub gehört zu unserem Leben wie das Atmen. Er ist überall, sogar auf dem Geschirr in den Schränken – bloody bulldust!

 

 

24.6. Tom Price – South Hedland (über Hamersley Gorge & Millstream N.P.)

506 km gesamt, davon 346 ungeteert

 

Zunächst eine Anmerkung zum Tier des Tages: die Tiere waren uns gegenüber zurückhaltend, bis auf den einen oder anderen Adler beim Genuss von Kängurusteak und der flüchtigen Sichtung eines Dingos ist nichts zu vermelden. Allerdings gab es ein Auto des Tages, den Toyota Landcruiser in Polizeiausführung. Uns sind insgesamt vier begegnet – soviel haben wir « auf dem Lande » in unseren drei vorherigen Urlauben zusammen nicht gesehen!

Die Straße war im allgemeinen gut befahrbar, stellenweise steinig und auch stellenweise eng und kurvig.

Nach dem Frühstück begannen wir unsere Tagestour auf der ungeteerten „136“ Richtung Norden. Das Wasserloch von vorgestern wurde lässig und routiniert umfahren.

Erster Abstecher war die Hamersley Gorge. Wir kraxelten runter zum Wasserfall, genossen die Schönheit der Schlucht, bestaunten die roten Wände, kletterten über die Felsen und beglückwünschten uns zu dem Entschluss, hier vorbeizufahren.

Dann weiter in Richtung Millstream. Wir hatten uns noch gestern erkundigt, ob der Fortescue River trocken sei, Antwort: ja – stimmte auch.

Die Strasse schlängelt sich zunächst durch die beeindruckende, schroffe Schönheit der Pilbara. Nähe Millstream wurde die Landschaft dann flacher, mit Ranges und kleinen Tafelbergen im Hintergrund.

Im Millstream machten wir ein Picknick  am Python Pool am Fuße des Chichester Escarpment. Wunderschön! Wir durften eine Gruppe Jugendlicher mit ausgedörrten Gehirnwindungen dabei beobachten, wie sie ohne Ausrüstung aber mit Kind die mit Geröll übersäte Steilwand erklommen. Runtergekommen sind sie erst nach unserer Abfahrt, hoffentlich heil. Ja, bei unserem Anblick kann man die Wände hochgehen…

Nach Abfahrt vom Pool wurde die Landschaft immer platter, das Auge wurde nur noch durch einige Tafelberge und weidende Rinder erfreut. Das Ohr erfreute sich an Aussie-Musik: TOFOG und zum krönenden Abschluss zum x-ten Mal « Down Under » von Men At Work.

Nach 346 km ungeteerter Strasse erreichten wir zu unserem großen Bedauern den North West Coastal Highway, den wir in Richtung South Hedland weiterfuhren. Am Whim Creek Pub machten wir, wie vor 2 Jahren, einen kurzen Pit Stop.

Witziges Detail: auf dem South Hedland Caravan Park stehen wir auf dem gleichen Stellplatz wie anno 1999! Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier! Und dann war da noch die Gaslampe, die uns gestern so erfreute: Glühstrumpf kaputt, Ersatz hat sich in Luft aufgelöst und das Lampenglas ist auch geplatzt. Sind mal wieder wie die Kellerkinder im Dunkeln. Unser Camper ist inzwischen auch innen voll Bulldust. Im Gegensatz zu Sand knirscht der aber nicht zwischen den Zähnen…

 

 

25.6. South Hedland – Broome

660 km Asphalt….

 

Merkwürdig genug, aber seit 1999 hat sich die Landschaft auf dieser Etappe nicht dahingehend verändert, dass sie interessanter geworden wäre. Irgendwie sieht man einfach zu, dass man durchkommt. Sollte man besser sagen öde Weite oder weite Öde? Wie dem auch sei, aus Kenntnis der Strecke hatten wir ja wohlweislich Kassetten mitgenommen zwecks musikalischer Untermalung und Bekämpfung des Sekundenschlafs am Steuer.

Nur drei Wedgies, die sich cholesterinbewusst von Kängurufleisch ernährten, sorgten kurzfristig für Action. Außerdem sahen wir insgesamt drei Radfahrer (zwei Richtung Broome, einer Richtung South Hedland), die sich trauten, den Elementen und der schlafmittelähnlichen Wirkung der Landschaft zu trotzen. Respekt, hier zu radeln ist nicht das, wofür wir auch nur einen Cent geben würden.

Um 10h30 gönnten wir uns am Sandfire Roadhouse wie schon 1999 einen Hamburger The Lot. Diesmal versuchten weder Pfauen noch andere Vögel, Mundraub zu begehen (s. Bericht 1999).

Ein paar km vor Broome fuhren wie an einem Buschfeuer vorbei.

Nach kleinen Einkäufen kehrten wir auf den Broome Caravan Park vier Kilometer vor der Stadt zurück, den wir noch von 1999 in bester Erinnerung hatten.

Heute Abend hatten wir auch wieder was von unserer Gaslampe!

 

 

26.6. Broome – Cape Leveque – Broome

407 km gesamt, davon 360 ungeteert

 

Die gestrige Frage in der Touristeninfo ergab, dass die Straße nach Cape L. problemlos sei, nur ein wenig waschbrettartig. Man brauche ca. drei Stunden (wir brauchten 3,5 Stunden bei teilweise halsbrecherischem Tempo, allerdings max. 80 km/h. Nur Einheimische flogen schneller). Na gut, wir also los und dann sahen wir bald, dass die Aussies eine etwas andere Auffassung von problemloser Straße haben als wir. Es war eine Sandpiste (teilweise 30 cm tiefer Sand). Betoniert wäre sie z. T. eine Freude für Skateboardfahrer, sie hatte die Form eine Halfpipe. Jedenfalls war sie bestimmt von Toyota als Teststrecke konzipiert – wir sagen nur: Wellblech kennen und hassen. Streckenweise war es auch nur ein einspuriger Track. Es war recht reger Verkehr und einheimische Fahrer schienen Qantas-Piloten zu sein, sie fuhren nicht, sie flogen.

Genug zur Piste: Cape Leveque ist uneingeschränkt sehenswert, mit einem wunderschönen, menschenleeren, ewig langen weißen Strand an türkisfarbenem Meer, an dem wir uns erst mal in die allgegenwärtige Sonne setzten. Am Cape gibt es einen Airstrip, einen kleinen Campingplatz, ein paar Cabins, Beach Shelters (so eine Art Unterstand) und ein Restaurant/Shop. Vorausbuchung für Übernachtungen ist obligatorisch.

Nach dem Sonnenbad stärkten wir uns mit Fishburger, Coke und Eis. Nach insgesamt 1,5 Stunden Rast machten wir uns auf den « Heimweg ». Einmal überholte uns ein Schrumpfhirn mit minimalem Seitenabstand, 2x kamen uns an sehr engen Stellen Fahrzeuge entgegen, ebenfalls haarscharf!

Die Strasse ist nur « 4WD recommended ». Nun ja, wer seinen 2WD Wagen nicht liebt, der fahre los….. Wir haben ausschließlich 4WDs gesehen, ca. zwanzig. Außerdem haben wir ausgerechnet, dass die Fahrzeit der Strecke Brüssel-Paris und zurück entspricht. Allerdings kämen wir nie auf die Idee, letztere für 1,5 Stunden Aufenthalt in Angriff zu nehmen. Lieber Dreck, Schotter und Staub als dichter Verkehr!

 

 

27.6. Broome

27 km Asphalt

 

Heute morgen weckte uns ein vielstimmiger Vogelchor; wir drehten uns auf die andere Seite und schliefen noch bis halb 7. Danach war ob der angenehmen Temperaturen ein gemütliches Frühstück im Freien angesagt. Das wussten auch die Fliegen sehr zu schätzen.

Wir waren 10 Minuten zu früh an der Post, warteten mit ein paar Aussies geduldig vor der Tür, fielen anschließend bei Coles ein und stockten unsere Vorräte auf. Essenstechnisch sind wir nun für die Gibb River Road (GRR) gerüstet.

Danach war Spazieren gehen, Abhängen und Sunbaking am Cable Beach angesagt. Ganz ohne Folgen blieb der Spaziergang nicht, wir waren letztendlich in der inoffiziellen FKK-Sektion der entfernteren östlichen Partie des Strandes gelandet und haben uns dort in den Sand gesetzt (Anm.: wir waren nicht die einzigen Bekleideten!). Dort gab es, ca. fünf Meter entfernt, einen Typen, der aussah wie eine auf dem Grill vergessene Bratwurst. Der war offensichtlich mit einem IQ unterhalb dem eines Glühwürmchens ausgestattet. Will sagen, der brächte es nicht einmal zum Trostpreis, wenn er mit Glühwürmchen um die Wette leuchten müsste. Er hat nach einigem Gemaule schließlich einen faustgroßen Stein in unsere Richtung geworfen, und wir sind gegangen, anstatt ihm verdienterweise das Gebiss zu richten.

Ach ja, und Torsten ist gegen einen unter Wasser liegenden Felsbrocken gestoßen und hat damit sein Westaustralien-Bruchsoll erfüllt (siehe Bericht 1999). Der dritte Zeh am rechten Fuß war gebrochen.

 

Wir gönnten uns noch mal die Feeding Tour in Malcolm Douglas’ Broome Crocodile Park. Die Salties waren leider weder besonders hungrig noch besonders bewegungsfreudig. Will (Tour Guide) erklärte, das läge am kühlen Wetter – Sonne und 31°C. Na ja, Crocs haben eben keine eingebaute Klimaanlage und so lagen sie faul in der Sonne rum.

Kurzer Abstecher zu Britz, weil unser Kühlschrank so komisch klickte, wenn er nicht am Strom hing. Wir und der nette Britz-Bloke waren uns schnell einig, dass Toyotas die zuverlässigsten Autos sind, vor allem der Landcruiser.

Auf dem Campingplatz spulten wir unser Routine-Programm ab: faul rumsitzen, Fleisch in die Pfanne hauen, essen, faul rumsitzen, zwischendurch kühles Emu Bitter.

 

 

28.6. Broome – Derby

218 km Asphalt

 

Die Fahrt war ereignislos bis auf ein großes Buschfeuer in der Ferne und die Überquerung des Fitzroy River auf einer einspurigen, 400m (1200 Fuss) langen Brücke. Der Fitzroy floss an einer Seite in malerischem Grün, der Rest des Flussbetts präsentierte sich in Tümpeln (teilweise recht tief) und Treibholz, sprich teilweise beeindruckend großen, toten Baumstämmen.

Sechs Kilometer vor Derby statteten wir dem Prison Boab Tree wieder einen Besuch ab. Inzwischen darf man nicht mehr hineinklettern, Grund: Respekt vor der religiösen Bedeutung für die Aborigines, Schutz für den Baum (die Erde rund um den Stamm wird sonst zu sehr festgetrampelt), und mögliche Bewohner in Form von Schlangen.

Boabs sind die zweitkleinsten ihrer Familie (6 Arten in Afrika = Baobabs, 3 auf Madagaskar); sie haben keine Wachstumsringe ; überleben Dürren (speichern Wasser) und Feuer (schälen die äußerste Rindenschicht ab) ; werfen in der Trockenzeit ihre Blätter ab ; die Früchte sehr Vitamin-C-haltig; Boabs wurden vermutlich als Früchte aus Madagaskar an Australiens Küsten gespült und vermutlich ist « Boab » eine Verkürzung des Namens « Baobab ».

Derby ist ein sauberes, kleines Städtchen, hat aber nichts Besonderes zu bieten.

Der Kimberley Entrance Campground ist eigentlich schön, mit vielen Bäumen, aber die einzelnen Stellplätze sind viel zu klein, so dass man sich nicht so recht wohlfühlen kann. Man muss ständig Angst haben, dass der Nachbar einen beim Niesen naß macht. Außerdem ist unser Platz der reinste Trampelpfad, jeder läuft darüber, um sich den Weg zur Toilette abzukürzen. Das Personal an der Rezeption wirkt überdies unmotiviert und unfreundlich.

 

 

29.6. Derby – Windjana Gorge N.P.

148 km gesamt, davon 78 ungeteert

 

Heute ging es endlich auf die berühmt-berüchtigte Gibb River Road, die sich zuerst geteert und dann als harmlose Schotterpiste präsentierte. Endlich wieder auf Schotter – wenn auch « nur » 78 km weit. Eine Abzweigung führt nach 20 km in den Windjana Gorge National Park. Auch dieses Stück ist gute Schotterpiste mit nur einer ziemlich rauen Flussbettquerung (trocken), bei der sich Claudia beim Filmen prompt den Kopf an der Tür angeschlagen hat….. Außerdem holperten wir die letzten Kilometer mit max. 60 km/h hinter einem Schleicher her, obwohl wegen des Waschbretts 70-80 angesagt gewesen wären. Überholen ging nicht wegen der dicken Staubfahne, die er hinter sich her zog.

Das Bushcamp ist sehr idyllisch, mit herrlichem Blick auf die 100 m hohen Wände der Schlucht, die sich bei Sonnenuntergang rötlich verfärben. Auf dem Platz gibt es Plumpsklosetts mit Wasserspülung – aber unbeleuchtet – und kalte Duschen. Kosten : AUD 9/Person&Nacht.

Wir machten, da früh angekommen, einen Spaziergang in die Schlucht. Unbedingt empfehlenswert! Schroffe Felswände (Riff eines urzeitlichen Meeres), der an tieferen Stellen grüne, wenn auch um diese Jahreszeit nicht sehr beeindruckende Lennard River und Freshies. Letztere sonnten sich am jenseitigen Ufer. Ihretwegen wird vom Schwimmen abgeraten, da sie zwar eigentlich für Menschen ungefährlich sind, aber doch beißen, wenn sie sich bedrängt/bedroht fühlen.

Übrigens, Aussie-Jargon für Krokodil: „snapping log“, schnappender Ast.

Wir haben einer Gruppe Jackaroos und Jillaroos* dabei zugesehen, wie sie von einem ca. 5 m hohen Felsen in den Fluss gesprungen sind.

Einer der beiden vor Ort stationierten Ranger fuhr am Nachmittag über den Platz, um Feuerholz für die Gemeinschaftsfeuerstellen zu verteilen (warten, bis er kommt! Nicht selber Holz sammeln – Feuergefahr!) und die Gebühren zu kassieren (in bar). Wir saßen gerade beim Abendessen, er entschuldigte sich mehrfach (no worries, mate!).

 

* AUS für Cowboys & Cowgirls

 

 

30.6. Windjana – Mt. Barnett Roadhouse

267 km ungeteert

Die GRR ist z. T. schon entschärft – zumindest auf diesem Stück ist sie an schwierigen Stellen geteert. Schade irgendwie…

Die Landschaft ist wunderschön, mit rollenden, schroffen Hügeln, roter Erde, Eukalyptus, Boabs… vier von den sechs unbefestigten Flussüberquerungen waren auf dem Weg zur Bell Gorge (29 km ab GRR). Problemlos. Silent Grove Bush Camp ist sehr schön (GRR + 19 km), ebenso die Stellplätze direkt am Fluss. Der Weg ist sehr schmal und rau, zwei Fahrzeuge kommen aber aneinander vorbei. Zur Schlucht selber läuft man vom Parkplatz aus ca. 20 Minuten. Teilweise heißt es ein bisschen über Geröll kraxeln, zweimal muss man den Bell River überqueren. Der Weg lohnt sich, die Gorge mit Wasserfall ist sehr schön. Zum Lower Pool, in dem man baden kann, stiegen wir aber nicht ab.

Der Schreck bei der Rückfahrt: eine der Flussüberquerungen (die der GRR am nächsten gelegene) war ziemlich tief (Trittbrett-/Stoßstangentiefes Wasser). Wir frohen Mutes rein ins Wasser, hatte ja vorher schon gut geklappt. Und dann – in der Mitte – blieb der Wagen stehen! Ein kräftiger Schlag gegen den Untersetzungshebel löste aber das Problem. Der war nämlich nicht richtig eingerastet. Nachdem kurzfristig unsere Schweißtropfen die Windschutzscheibe besprenkelt hatten, war alles in Ordnung.

Die Gibb ist zwar stellenweise recht rau, vor allem durch das widerliche Waschbrett, alles in allem bis hier aber leicht zu fahren. Etwaige Bachquerungen sind überwiegend trocken und betoniert und von daher problemlos.

Am Mt. Barnett Roadhouse checkten wir fürs Bush Camp ein (AUD 5,50/Erwachsenen&Nacht ; VISA & Mastercard ok), und fuhren die 7 km bis dorthin. Das Camp liegt am Manning River, in dem man auch schwimmen kann. In ca. 100 m Entfernung von den Badenden sonnte sich ein Freshie. Am Fluss hatten wir eine nette Unterhaltung mit zwei Frauen, von denen eine schon einiges im alten Europa gesehen hatte.

Abends gingen wir noch mal an den Fluss zum « Croc Spotting » - unsere Taschenlampe war aber zu schwach. John & Skye, die wir dort trafen, hatten eine sehr kräftige Taschenlampe und wir sahen tatsächlich die reflektierenden Augen von einem Croc sowie mehrere Krebse, Welse und andere kleine Tiere. Anschließend luden wir die zwei auf ein Bierchen an unserem Camper ein und klönten noch ein bisschen.

Das Bushcamp hat Dunnys (die Plumpsklo-Variante), aber weder Duschen noch Trinkwasser.

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