|
|
Trevor
fuhr morgens nach Burketown und ließ seinen Reifen flicken. Während er
weg war, zogen Pferde und Jungrinder über den Campingplatz.
Torsten, Evie
und Claudia haben Pferde, Shetland Ponies und Rinder
gefüttert. Eine
junge Kuh wollte sich gar nicht mehr von Torsten trennen (ja ja, wer in
Angeln aufwächst, kann halt gut mit Rindviechern!). Die Dirt
Road zum Park war sehr gut, unterwegs haben wir noch den Grader bei der
Arbeit gesehen. Nette Landschaft, es gab einige Tore zu öffnen und zu
schließen – auch der Beifahrer muss sich ja mal bewegen und bekommt auf
dieser Strecke reichlich Gelegenheit dazu! In
Gregory Downs machten wir einen Zwischenstopp zum Tanken und um im kleinen
Shop einige Lebensmittel zu kaufen. Brot war leider aus, der Road Train
sollte erst am folgenden Tag kommen. Wir hatten noch genug für zwei Tage
und hofften bei der Abfahrt im Laden in Adel’s Grove (kurz vorm NP) Brot
kaufen zu können. Dafür
gab’s für abends schöne Steaks und eine Rolle Angelschnur für Trevor,
‚Made in Germany‘! In Lawn
Hill hatten wir Zeit, gemütlich vor dem Ranger’s Office eine Zigarette
zu rauchen, da sie über Mittag zu haben. Der Platz sieht sehr nett aus,
saubere, aber einfache Waschräume mit WC und kalten Duschen. Man sollte
allerdings genug Insektenschutzmittel einpacken, da die Mücken in der
Gegend MVE (Murray Valley Encephalitis, eine Hirnhautentzündung) und das
Ross River Fever (Fieber mit Gelenkschmerzen) übertragen können. Wir
checkten uns alle ein, da Trevor und Evie noch nicht da waren, und suchten
einen netten Stellplatz aus. Die Landschaft im NP ist sehr schön,
geradezu malerisch, der Lawn Hill Creek an beiden Seiten von
Bäumen, Büschen
und Pandanus Palmen gesäumt. Es
gibt sehr viele Vögel, wie z. B. Bowerbirds und Willy Wagtails. Die Vögel
und Wallabies kamen um von den Rasensprengern zu trinken, an denen –
obwohl ausgeschaltet – ständig etwas Wasser heruntertropfte.
Morgens
machten wir uns auf zum Walking
Track, der den Hügel hoch zum Lookout auf
die Indarri Falls führt. Für die insgesamt 3,6 km brauchten wir
eineinhalb Stunden. Wir starteten um 10 Uhr bei bereits um die 30 Grad.
Zunächst führt der Weg am Lawn Hill Creek unter Bäumen entlang, biegt
dann nach links ab und führt über ein baumloses Stück flaches Land zum
Aufstieg. Ganz schön steil, aber der erste Ausblick auf den Creek und das
Camp entschädigt dafür. Strahlend blauer Himmel, der grüne Lawn Hill
Creek mit seinem dichten Baumgürtel links und rechts, Milane die über
dem Camp kreisten. Und diese Ruhe! Ab und zu flogen Gelbhaubenkakadus
vorbei. Nach ein paar weiteren Aussichtspunkten ging es weiter über das
‚Hochplateau‘ des Hügels durch die pralle Sonne ohne Schatten bis zum
Indarri Falls Lookout. Die Fälle stürzen über einen natürlichen Absatz
im Fluss, sie sind ca. zwei bis drei Meter hoch. Um die kleinen Wasserfälle
herum wachsen Pandanus-Palmen. Das Wasser sieht von oben dunkelblau bis
dunkelgrün aus. Nachmittags wollten wir sie uns vom Kanu aus genauer
ansehen. Man kann im Lawn Hill Creek schwimmen, es gibt nur Freshies, von
denen wir übrigens kein einziges gesehen haben. Nach
einer Mittagspause im Schatten und einer erfrischenden Dusche mieteten wir
zwei Kanus und paddelten die Schlucht hinauf. Ruhiges Wasser, steile
Felswände,
dichte Vegetation am Rand. An den Fällen zogen wir die Kanus an Land,
Trevor und Torsten trugen eines auf den ‚oberen‘ Teil des Creeks und
paddelten noch den oberen Teil ein Stück flussaufwärts weiter. Sie
fuhren durch ein kleines Inlet in einen kleinen Pool. Das Ufer erkundeten
sie zu Fuß, wobei Trevor ein unfreiwilliges Bad im Lawn Hill Creek nahm,
da er ausrutschte. Evie und
Claudia blieben an den Wasserfällen und sonnten sich ein bisschen. Vier
junge Deutsche sind zu den Fällen geschwommen, kamen aber recht schnell
zurück, weil unter dem einen Wasserfall mit „natürlichem Whirlpool“
(der Wasserfall stürzt in ein kleines natürliches Steinbecken) eine
Schlange lag und sie nicht wussten, ob diese eventuell giftig war. Evie
und Claudia wollten ja sowieso nicht schwimmen …. Auf dem Rückweg
trafen wir wieder auf die Deutschen, die eine mitten im Fluss schwimmende
Schlange umrundeten. Trevor identifizierte sie als ungefährliche Olive
Python. Die arme Schlange rollte sich dauernd auf und war sicherlich froh,
als wir alle endlich abhauten. Abends ließ Trevor für ein paar Minuten den Motor seines Wagens
laufen, um die
Kühlschrank-Batterie wieder aufzuladen. Prompt beschwerte sich ein
anderer Aussie bei uns. Trevor stellte den Motor aus, und wir konnten den
Meckerer noch mindestens 10 Minuten lang hören, wie er sich lauthals bei
anderen darüber ausließ, dass Trevors Aktion die Ruhe des Campingplatzes
gestört habe. Die
zweite Runde im Bierdosen-Zerdrücken gewann Torsten mit einigem Vorsprung
vor dem Titelverteidiger.
Die Straße
war zum Großteil gut, da der Grader gerade erst durchgefahren war. Hinter
Doomadgee wurde es etwas rauer mit einigen Wellblech-Stellen. Es gab zwei
kleine, nasse Creeks zu
durchqueren, alle anderen Durchfahrten, inkl. des
Nicholson River (mit langer Betonfurt), waren trocken. Der erste Teil der
Straße führte über die Lawn Hill Station. Ein Wallaby, das vor uns
durch einen der beiden wasserführenden Creeks hüpfte, blieb leider
unfotografiert und ungefilmt. Schade, es wäre ein super Motiv gewesen!
Auf dem Gelände der Station waren fünf oder sechs Gatter zu öffnen und
wieder zu schließen. Links und rechts eines Gatters lagen und standen um
die 100 Rinder, einige davon höchstens drei Meter vom Gatter entfernt.
Sie beobachteten uns halbwegs gelangweilt. Während der Fahrt Richtung
Doomadgee sollte man gut auf die kleinen Wegweiser zum King Fisher Camp (KFC)
achten. Nach der Überquerung der langen Nicholson River Furt (der Fluss
war fast trocken) muss man an einer unbeschilderten T-Kreuzung nach links
abbiegen. Hells
Gate hat einen sehr netten Campsite auf einer großen Rasenfläche, mit
genug schattenspendenden Bäumen. Die Waschräume waren anscheinend erst
vor kurzem renoviert worden, klein (je zwei Duschen und Toiletten für die
‚Angels‘ (Frauen) und ‚Devils‘ (Männer)), aber pieksauber. Ebenso
die Waschmaschine, die Claudia sofort in Beschlag nahm. Wir stellten
unseren Wagen im Schatten ab, ließen unsere Wäsche in der Maschine vor
sich hinwaschen und aßen erst einmal leckere Hamburger auf der Terrasse,
während wir auf Trevor und Evie warteten.
Die
Fun-Strecke des Urlaubs! Sechzehn nasse Creek und River Crossings,
darunter der Calvert River mit sehr holprigem Bett und der Robinson River
(tief aber leicht zu fahren). Heute verließen wir Queensland und fuhren
stilgerecht in eine rote Staubwolke gehüllt im Northern Territory ein.
Hinter Wollogorang (NT) gab es viel Wellblech, stellenweise hinterlistig
unter Bulldust versteckt. Allerdings konnte man entgegen der Aussage eines
belgischen Touristen, den wir in Hells Gate getroffen hatten, selbstverständlich
schneller als 10-15 km/h fahren….. In trockenen Flussbetten gab es zum
Teil starke Auswaschungen. Stellenweise erinnerte die Landschaft an die
Kimberleys: hügelig, Gesteinsbrocken und lichter Wald. Unterwegs
hielten wir an einem liegengebliebenen, uralten Landcruiser an, der mit
drei Aboriginals besetzt war. Da wir ihnen technisch nicht helfen konnten,
ließen wir ihnen Brot, Käse und einen 20 Liter-Kanister Wasser da und
nahmen eine Nachricht für die Polizei in Borroloola mit. Am
Calvert angekommen, wurde dieser erst mal genauer inspiziert. Die alte
Furt verläuft ein Stück flussaufwärts vom neuen. Die neue
allerdings wurde in der letzten Regenzeit zum Großteil weggespült. Dort ist
das Bett des Calvert ungleichmäßig tief, mit großen und kleinen
Felsbrocken und Resten der Furt auf der anderen Seite (von Hells Gate
kommend). Daher marschierten Torsten und Trevor in Badehosen und
Badeschlappen bzw. Turnschuhen durch den Calvert durch, um den besten Weg
auszuloten. An der tiefsten zu durchfahrenden Stelle war der Fluss
gemessene 66 cm tief. Die Durchfahrt war zwar holprig, aber dennoch
problemlos. Wir fuhren zuerst und filmten dann Trevors und Evies
Durchfahrt. Als wir uns diese später ansehen, waren wir doch einigermaßen beeindruckt vom Geschaukel des
Wagens, aber auch von der
Leistungskraft des Landcruisers. Die
Durchfahrt des Robinson River war im Vergleich dazu lächerlich
einfach,
aber er war immerhin auch achstief. Am jenseitigen Ufer hatte sich ein Ehepaar
mittleren Alters mit Geländewagen und Hänger zum Picknick
niedergelassen. Entweder das, oder sie warteten einfach nur darauf, ob
irgendjemand Probleme beim Durchfahren hatte. Das wäre ziemlich öde bei
der extrem lichten Verkehrsdichte auf dem Track! In
Borroloola fuhren wir zuerst zur Polizei. Anscheinend waren die drei nicht
zum ersten Mal liegen geblieben. Als Torsten die Nachricht aushändigte,
sagte der Polizist „Thanks mate, you’ve done a good job.“ –
„Danke, Kumpel, hast Du gut gemacht.“ Der
Campground in Borroloola hat schöne Stellplätze mit Gras und Bäumen
rundherum. Abends
konnte Claudia endlich in der Damentoilette ein Beweisfoto von einem
Frosch in der Kloschüssel machen. Wer außerhalb Australiens glaubt das
denn sonst….
Unsere
heutige Fahrstrecke war landschaftlich sehr schön und führte uns durch
insgesamt 21 nasse Creeks. Bis zur Abzweigung zur Nathan River Station war
die Straße in sehr gutem Zustand. Danach wurde es etwas rauer mit
Wellblech und einigen ausgewaschenen Flussüberquerungen. Wir kamen an
mehreren Billabongs vorbei, die mit Wasserlilien übersät waren. Brolgas
und Enten gaben sich ein Stelldichein. Der Cox River sah recht wüst aus,
da noch allerhand Treibholz von der letzten Wet im Fluss und an den
Flussufern lag. Die Durchfahrt ist allerdings durch eine Betonfurt
(trocken) entschärft. Auf der anderen Seite warteten wir auf Trevor und
Evie, und fuhren dann gemeinsam nach rechts Richtung Limmen Bight Fishing
Camp ab (25 km einfache Strecke). Der Track war
einspurig, ausgewaschen, hügelig
und sandig und machte den Männern so richtig Spaß zu fahren. Das Camp
ist sehr ‚basic‘, aber immerhin mit warmen Duschen. Da man dort aber
nichts machen kann außer zu fischen, und dazu vorzugsweise ein Boot
braucht, machten wir nur eine Mittagspause, nutzen die Örtlichkeiten und
fuhren wieder zurück. Wir
kamen als erste in Roper Bar an, fuhren die paar hundert Meter zum Camp,
lasen dort das Schild, man solle im 2 km weiter die Straße runter
gelegenen Store einchecken (vielleicht wäre es besser, das Schild schon
an der Abzweigung aufzustellen?), fuhren zurück und warteten an der
Abzweigung auf Trevor und Evie. Die hatten zwischen Limmen Bight und Roper
Bar fast ein Hinterrad verloren, da sich zwei Radmuttern klammheimlich
verabschiedet hatten. So musste Trevor erst mal das Hinterrad wechseln.
Im Roper Bar Store hatten sie leider keine
Radmuttern, also wird
das wohl bis Katherine warten müssen. Trevor
legte noch ein Netz aus, um Cheribim (Flusskrebse) zu fangen. Leider ohne
Erfolg. Tröstlich war, dass die anderen Camper auch noch nichts gefangen
hatten. Zur Krönung
saßen wir dann abends im Mondschein (zum Glück war Vollmond), da die
Glasschirme beider Glaslampen zerbrochen waren. Schlechtes Timing. Es war
aber trotzdem ganz lustig. Im Camp gibt es warme Duschen und Toiletten mit
Wasserspülung, die allerdings unbeleuchtet sind, so dass man eine
Taschenlampe mitnehmen sollte. Das Wasser wird aus dem Roper River
hochgepumpt und sollte vor dem Verzehr abgekocht werden. Am besten bringt
man sich so wie wir genug Trinkwasser mit.
Der
heutige Tag war dem Faulenzen gewidmet. Wir fuhren kurz zum Roper Bar
Store und tätigten einige Einkäufe, dann zur Roper Bar selber, sahen uns
die Ruinen einer alten Homestead an und das Monument, das an Ludwig
Leichhardts Überquerung der Roper Bar erinnert.
Wir überquerten die Roper
Bar, aber hielten uns am jenseitigen
Ufer nur lange genug auf um Fotos zu machen, da dort das Arnhem Land
beginnt und man zum Befahren einen Permit braucht. Wir
machten noch einen kurzen Abstecher mit dem Auto auf einen kleinen,
schmalen und sehr holprigen Seitentrack, der direkt am Fluss
entlang führte.
An einer zugänglichen Stelle stiegen wir aus und gingen zum Fluss
hinunter. Das Ufer war an der Stelle recht hoch. Nach ein paar Minuten
wurden wir durch ein lautes Klatschen aus unserer verträumten Stimmung
gerissen, und sahen gerade noch ein Freshie im Wasser verschwinden. Es
hatte unbemerkt nur ein paar Meter von uns entfernt am Ufer in der Sonne
gelegen. Hinterher
machten Trevor und Torsten noch einen Spaziergang am Fluss
entlang, sahen
aber kein Krokodil mehr, während Evie und Claudia weiter in ihren Büchern
schmökerten. Abends
kam Tooley vorbei, ein anderer Camper, und brachte seinen Hund Jarra mit,
eine rote Blue Heeler Hündin. Er war so nett, uns seine Gaslampe für den
Abend zu leihen.
Der Tag
begann ziemlich kühl und zwischendurch nieselte es sogar einmal leicht.
Trevor und Evie fuhren als erste, wegen der fehlenden Radmuttern, und
falls sie Hilfe brauchen sollten. Nach ein paar Kilometern sahen wir, dass
sie angehalten hatten, um mit ein paar Aboriginals zu sprechen, die auf
der Straße standen. Dann ließen sie einen von ihnen einsteigen. Trevor
sagte, die
Jungs wären mit ihrem Auto liegengeblieben, er würde mal sehen, ob er
ihnen helfen könne und sie seien gleich wieder da. Dann verschwanden sie
in einer Seitenstraße. Wir blieben an der Kreuzung stehen, drehten die
Scheiben herunter und harrten der Dinge die da noch kommen sollten. Von
den vier Männern, die noch übrig waren und ebenfalls warteten, hatten
wir zwei am Vortag im Roper Bar Store gesehen. Der vierte war ein alter
Mann, der nach ein paar Minuten zu uns herüberkam und sich mit uns
unterhielt. Er hieß George und musste zu einem Treffen des Arnhem Land
Council. Die jungen Männer sollten ihn bis Katherine bringen, aber das
Auto war liegengeblieben. Ob wir ihn mitnehmen könnten? Wir bedauerten,
da wir nur zwei Sitzplätze im Wagen hatten und der hintere Teil mit
unserem Gepäck beladen war. Ob wir dann unseren Freund fragen könnten,
wenn er zurückkäme und dass andere Auto nicht wieder flott gekriegt
hätte?
Wir versicherten ihm, er brauche keine Angst zu haben, ihn selber zu
fragen. Torsten gab ihm Zigaretten für alle und einen 20 Liter-Container
mit Trinkwasser, da sie keins hatten. Nach einer Weile brachte Torsten
ihnen dann noch Brot und ein paar Konserven, die wir als Notvorrat dabei
hatten, aber nun in Aussicht eines Supermarkts in Katherine nicht mehr
zwingend benötigten. Torsten und George fingen an sich zu unterhalten und
hockten schließlich nebeneinander im Staub der Straße, während Georges
Freunde etwas abseits standen (es stellte sich dann heraus, dass er der
Stammesälteste des East Arnhem Land District ist) und Claudia im Auto
wartete. Eigentlich wäre das ein Foto wert gewesen, wie auch Trevor
feststellte als sie schließlich zurückkamen – aber Claudia wollte dann
doch nicht einfach so fotografieren, wohl wissend, dass viele Einheimische
(egal in welchem Land!) das nicht so gerne haben. Trevor
konnte dem Auto des jungen Mannes zwar Starthilfe geben, aber dieser
traute sich dann doch nicht, mit der maroden Karre noch bis Mataranka zu
fahren. Am Ende nahmen Trevor und Evie George bis Mataranka mit. Es gab
noch eine kleine dramatische Szene, als knapp vor Trevor und Evie ein paar
Pferde im Galopp die Straße überquerten, aber Trevor hatte sie
rechtzeitig gesehen und angehalten. Am
Ortseingang von Mataranka sprachen wir ab, dass wir gleich zu den
Thermalquellen weiterfahren und Trevor und Evie erst einmal George bei
einem Telefon absetzen würden. An den Thermalquellen gönnten wir uns zunächst
einen warmen Snack, mit Gemüse und Fleisch gefüllte ‚Pasties‘
(Teigtaschen, sehr lecker) und eiskalte Cola. Trevor und Evie hatten
schlussendlich für George beim Land Council angerufen, die dann
organisierten, dass ihn jemand in Mataranka abholte; sie kauften ihm ein
Sandwich und gaben ihm noch ein paar Dollar, da in seinem Portemonnaie
Ebbe herrschte, Brot und Konserven. George ist bereits weit über 80 Jahre
alt. Falls Trevor mal einen Permit für das Arnhem Land bräuchte, solle er
sich vertrauensvoll an ihn wenden. Nachdem
Trevor und Evie sich im Kiosk an den Quellen ebenfalls gestärkt hatten,
zogen wir uns um und gingen los. Um zu den Quellen zu gelangen, muss man
auf einem Boardwalk durch Mangroven hindurchgehen. Die Schäden der
letzten Wet waren noch deutlich zu sehen. Die Quellen selber waren so warm
und so gemütlich, dass es uns kalt vorkam, als wir sie wieder verließen.
Wir dümpelten ungefähr eine Stunde in Wasser herum und machten uns dann
auf nach Katherine, wo wir Fleisch und Gemüse für ein
abendliches BBQ bei Coles einkauften und anschließend unsere
vorbestellten Plätze auf dem Low Level Caravan Park einnahmen. Ein
wirklich schöner Campingplatz, sauber und nett angelegt, sehr grün…
und doch: nach zwei Wochen im Busch störten uns einfach die vielen
Menschen, die (relativ gesehene) Enge, uns fehlten die Wallabies und die
Geräusche des Buschs bei Nacht und der ungetrübte Blick auf den
Sternenhimmel. Zur Entschädigung gab es abends ein leckeres BBQ auf einem
der bereitstehenden Grills. Witzig waren auch die Blicke der anderen
Camper, als wir mit unseren eingestaubten Wagen an ihren blitzblanken
Wohnmobilen und Wohnwagen vorbeifuhren.
In der Nähe
des Campingplatzes wurde der Busch kontrolliert abgebrannt. Das Resultat für
uns: Rauch und Ascheregen zum Frühstück. Trevor,
begleitet von Torsten, bekam bei einem Schrotthändler die dringend benötigten
Radmuttern. Evie und Claudia wuschen den roten Staub aus unseren
Klamotten. Nach dem Anbringen der Radmuttern stutzte Evie dann noch
Trevors Bart. Jeder Widerstand war zwecklos, er wurde ‚stadtfein‘
gemacht. Die Männer buchten für den folgenden Tag ein Kanu in der
Katherine Gorge und anschließend wurden unsere Lebensmittelvorräte
wieder aufgefüllt. Unsere ersten Filme hatten wir auch entwickeln lassen,
und sahen uns nachmittags die Fotos an. Unseren einen Platznachbarn nannten
wir den „Sergeant Major“ (Stabsfeldwebel). Seinem durch eine
Panzerglasbrille (so sieht sie jedenfalls aus) geschärften Blick entging
keine unserer Bewegungen. Die militärische Disziplin verbot ihm
allerdings, ein Wort an uns undisziplinierte Zivilisten zu richten. Unsere
verdreckten Autos machten ihn wahrscheinlich unruhig, ein Befehl zur
Reinigung blieb uns jedoch erspart. Stattdessen kehrte er auf seinem
eigenen Platz alle trockenen Blätter zusammen. Als wir uns gemütlich niederließen, um die Fotos
anzusehen, verrenkte er sich vergeblich den Hals, wir saßen einfach zu weit
weg.
Der
heutige Tag war streng geschlechtsspezifisch aufgeteilt: die Männern
trotzten den gefährlichen Gewässern, Krokodilen und Ausflugsbooten der
Katherine Gorge, die Frauen gingen einkaufen. Viel fanden Evie und Claudia
jedoch nicht, und trösteten sich mit Scones und Schlagsahne und einem
riesigen Milch-Shake. Ungefähr eine Stunde, bevor die Männer ihr Kanu
wieder abgeben mussten, waren Evie und Claudia schon wieder im National
Park und warteten in der Sonne – aber weit genug weg von den mit
Hunderten von Flughunden behängten Bäumen (Flughundkacke stinkt
erbärmlich)
– am Bootsanleger auf die tapferen Recken. Die kamen dann – frisch
gebräunt, gut gelaunt und leicht durchnässt wieder an. Sie hatten es bis
in die dritte Schlucht geschafft. Zwischen den Schluchten ist jeweils eine
felsige Stromschnelle mit niedrigem Wasserstand, an der die Boote von Hand
gezogen werden müssen. Stromabwärts haben sie die Schnellen –
verbotenerweise, aber wie viele andere auch – durchfahren und hatten
einen Riesenspaß dabei. Außerdem hatten sie ungefähr 20 Liter Wasser
genommen, und waren bei der untersten Schnelle fast gekentert. Wenn das
der Sergeant Major wüsste! Keiner sprach den bevorstehenden Abschied an, aber Evie brachte den Toast des Abends aus: Auf gute Freunde.
|