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Across the Top  (Cairns - Darwin)

QueenslandAustralien 2003 Northern Territory

Lesezeichen:

Teil 1: Darwin-Cairns-Almaden-Karumba-Escott Lodge-

Teil 2: Escott Lodge-Lawn Hill National Park-Hells Gate Roadhouse-Borroloola-Roper Bar-Katherine

Teil 3: Gunlom Camp (Kakadu NP)-Howard Springs (Darwin)
Trip Map (360KB) - zu den Einzelstrecken gibt es Detailkarten im Text.

 

 

10.6. Escott Lodge – Lawn Hill National Park  

Trevor fuhr morgens nach Burketown und ließ seinen Reifen flicken. Während er weg war, zogen Pferde und Jungrinder über den Campingplatz. Torsten, Evie und Claudia haben Pferde, Shetland Ponies und Rinder gefüttert. Eine junge Kuh wollte sich gar nicht mehr von Torsten trennen (ja ja, wer in Angeln aufwächst, kann halt gut mit Rindviechern!).  

Die Dirt Road zum Park war sehr gut, unterwegs haben wir noch den Grader bei der Arbeit gesehen. Nette Landschaft, es gab einige Tore zu öffnen und zu schließen – auch der Beifahrer muss sich ja mal bewegen und bekommt auf dieser Strecke reichlich Gelegenheit dazu!

In Gregory Downs machten wir einen Zwischenstopp zum Tanken und um im kleinen Shop einige Lebensmittel zu kaufen. Brot war leider aus, der Road Train sollte erst am folgenden Tag kommen. Wir hatten noch genug für zwei Tage und hofften bei der Abfahrt im Laden in Adel’s Grove (kurz vorm NP) Brot kaufen zu können.

Dafür gab’s für abends schöne Steaks und eine Rolle Angelschnur für Trevor, ‚Made in Germany‘!

In Lawn Hill hatten wir Zeit, gemütlich vor dem Ranger’s Office eine Zigarette zu rauchen, da sie über Mittag zu haben. Der Platz sieht sehr nett aus, saubere, aber einfache Waschräume mit WC und kalten Duschen. Man sollte allerdings genug Insektenschutzmittel einpacken, da die Mücken in der Gegend MVE (Murray Valley Encephalitis, eine Hirnhautentzündung) und das Ross River Fever (Fieber mit Gelenkschmerzen) übertragen können.

Wir checkten uns alle ein, da Trevor und Evie noch nicht da waren, und suchten einen netten Stellplatz aus. Die Landschaft im NP ist sehr schön, geradezu malerisch, der Lawn Hill Creek an beiden Seiten von Bäumen, Büschen und Pandanus Palmen gesäumt.  Es gibt sehr viele Vögel, wie z. B. Bowerbirds und Willy Wagtails. Die Vögel und Wallabies kamen um von den Rasensprengern zu trinken, an denen – obwohl ausgeschaltet – ständig etwas Wasser heruntertropfte.

 

 

11.6. Lawn Hill NP

 

Morgens machten wir uns auf zum Walking Track, der den Hügel hoch zum Lookout auf die Indarri Falls führt. Für die insgesamt 3,6 km brauchten wir eineinhalb Stunden. Wir starteten um 10 Uhr bei bereits um die 30 Grad. Zunächst führt der Weg am Lawn Hill Creek unter Bäumen entlang, biegt dann nach links ab und führt über ein baumloses Stück flaches Land zum Aufstieg. Ganz schön steil, aber der erste Ausblick auf den Creek und das Camp entschädigt dafür. Strahlend blauer Himmel, der grüne Lawn Hill Creek mit seinem dichten Baumgürtel links und rechts, Milane die über dem Camp kreisten. Und diese Ruhe! Ab und zu flogen Gelbhaubenkakadus vorbei. Nach ein paar weiteren Aussichtspunkten ging es weiter über das ‚Hochplateau‘ des Hügels durch die pralle Sonne ohne Schatten bis zum Indarri Falls Lookout. Die Fälle stürzen über einen natürlichen Absatz im Fluss, sie sind ca. zwei bis drei Meter hoch. Um die kleinen Wasserfälle herum wachsen Pandanus-Palmen. Das Wasser sieht von oben dunkelblau bis dunkelgrün aus. Nachmittags wollten wir sie uns vom Kanu aus genauer ansehen. Man kann im Lawn Hill Creek schwimmen, es gibt nur Freshies, von denen wir übrigens kein einziges gesehen haben.

Nach einer Mittagspause im Schatten und einer erfrischenden Dusche mieteten wir zwei Kanus und paddelten die Schlucht hinauf. Ruhiges Wasser, steile Felswände, dichte Vegetation am Rand. An den Fällen zogen wir die Kanus an Land, Trevor und Torsten trugen eines auf den ‚oberen‘ Teil des Creeks und paddelten noch den oberen Teil ein Stück flussaufwärts weiter. Sie fuhren durch ein kleines Inlet in einen kleinen Pool. Das Ufer erkundeten sie zu Fuß, wobei Trevor ein unfreiwilliges Bad im Lawn Hill Creek nahm, da er ausrutschte.

Evie und Claudia blieben an den Wasserfällen und sonnten sich ein bisschen. Vier junge Deutsche sind zu den Fällen geschwommen, kamen aber recht schnell zurück, weil unter dem einen Wasserfall mit „natürlichem Whirlpool“ (der Wasserfall stürzt in ein kleines natürliches Steinbecken) eine Schlange lag und sie nicht wussten, ob diese eventuell giftig war. Evie und Claudia wollten ja sowieso nicht schwimmen …. Auf dem Rückweg trafen wir wieder auf die Deutschen, die eine mitten im Fluss schwimmende Schlange umrundeten. Trevor identifizierte sie als ungefährliche Olive Python. Die arme Schlange rollte sich dauernd auf und war sicherlich froh, als wir alle endlich abhauten.

Abends ließ Trevor für ein paar Minuten den Motor seines Wagens laufen, um die Kühlschrank-Batterie wieder aufzuladen. Prompt beschwerte sich ein anderer Aussie bei uns. Trevor stellte den Motor aus, und wir konnten den Meckerer noch mindestens 10 Minuten lang hören, wie er sich lauthals bei anderen darüber ausließ, dass Trevors Aktion die Ruhe des Campingplatzes gestört habe.

Die zweite Runde im Bierdosen-Zerdrücken gewann Torsten mit einigem Vorsprung vor dem Titelverteidiger.

 

 

12.6. Lawn Hill NP – Hells Gate Roadhouse

Die Straße war zum Großteil gut, da der Grader gerade erst durchgefahren war. Hinter Doomadgee wurde es etwas rauer mit einigen Wellblech-Stellen. Es gab zwei kleine, nasse Creeks zu durchqueren, alle anderen Durchfahrten, inkl. des Nicholson River (mit langer Betonfurt), waren trocken. Der erste Teil der Straße führte über die Lawn Hill Station. Ein Wallaby, das vor uns durch einen der beiden wasserführenden Creeks hüpfte, blieb leider unfotografiert und ungefilmt. Schade, es wäre ein super Motiv gewesen! Auf dem Gelände der Station waren fünf oder sechs Gatter zu öffnen und wieder zu schließen. Links und rechts eines Gatters lagen und standen um die 100 Rinder, einige davon höchstens drei Meter vom Gatter entfernt. Sie beobachteten uns halbwegs gelangweilt. Während der Fahrt Richtung Doomadgee sollte man gut auf die kleinen Wegweiser zum King Fisher Camp (KFC) achten. Nach der Überquerung der langen Nicholson River Furt (der Fluss war fast trocken) muss man an einer unbeschilderten T-Kreuzung nach links abbiegen.

Hells Gate hat einen sehr netten Campsite auf einer großen Rasenfläche, mit genug schattenspendenden Bäumen. Die Waschräume waren anscheinend erst vor kurzem renoviert worden, klein (je zwei Duschen und Toiletten für die ‚Angels‘ (Frauen) und ‚Devils‘ (Männer)), aber pieksauber. Ebenso die Waschmaschine, die Claudia sofort in Beschlag nahm. Wir stellten unseren Wagen im Schatten ab, ließen unsere Wäsche in der Maschine vor sich hinwaschen und aßen erst einmal leckere Hamburger auf der Terrasse, während wir auf Trevor und Evie warteten.

 

 

13.6. Hells Gate – Borroloola

Die Fun-Strecke des Urlaubs! Sechzehn nasse Creek und River Crossings, darunter der Calvert River mit sehr holprigem Bett und der Robinson River (tief aber leicht zu fahren). Heute verließen wir Queensland und fuhren stilgerecht in eine rote Staubwolke gehüllt im Northern Territory ein. Hinter Wollogorang (NT) gab es viel Wellblech, stellenweise hinterlistig unter Bulldust versteckt. Allerdings konnte man entgegen der Aussage eines belgischen Touristen, den wir in Hells Gate getroffen hatten, selbstverständlich schneller als 10-15 km/h fahren….. In trockenen Flussbetten gab es zum Teil starke Auswaschungen. Stellenweise erinnerte die Landschaft an die Kimberleys: hügelig, Gesteinsbrocken und lichter Wald.

Unterwegs hielten wir an einem liegengebliebenen, uralten Landcruiser an, der mit drei Aboriginals besetzt war. Da wir ihnen technisch nicht helfen konnten, ließen wir ihnen Brot, Käse und einen 20 Liter-Kanister Wasser da und nahmen eine Nachricht für die Polizei in Borroloola mit.

Am Calvert angekommen, wurde dieser erst mal genauer inspiziert. Die alte Furt verläuft ein Stück flussaufwärts vom neuen. Die neue allerdings wurde in der letzten Regenzeit zum Großteil weggespült. Dort ist das Bett des Calvert ungleichmäßig tief, mit großen und kleinen Felsbrocken und Resten der Furt auf der anderen Seite (von Hells Gate kommend). Daher marschierten Torsten und Trevor in Badehosen und Badeschlappen bzw. Turnschuhen durch den Calvert durch, um den besten Weg auszuloten. An der tiefsten zu durchfahrenden Stelle war der Fluss gemessene 66 cm tief. Die Durchfahrt war zwar holprig, aber dennoch problemlos. Wir fuhren zuerst und filmten dann Trevors und Evies Durchfahrt. Als wir uns diese später ansehen, waren wir doch einigermaßen beeindruckt vom Geschaukel des Wagens, aber auch von der Leistungskraft des Landcruisers.

Die Durchfahrt des Robinson River war im Vergleich dazu lächerlich einfach, aber er war immerhin auch achstief. Am jenseitigen Ufer hatte sich ein  Ehepaar mittleren Alters mit Geländewagen und Hänger zum Picknick niedergelassen. Entweder das, oder sie warteten einfach nur darauf, ob irgendjemand Probleme beim Durchfahren hatte. Das wäre ziemlich öde bei der extrem lichten Verkehrsdichte auf dem Track!

In Borroloola fuhren wir zuerst zur Polizei. Anscheinend waren die drei nicht zum ersten Mal liegen geblieben. Als Torsten die Nachricht aushändigte, sagte der Polizist „Thanks mate, you’ve done a good job.“ – „Danke, Kumpel, hast Du gut gemacht.“

Der Campground in Borroloola hat schöne Stellplätze mit Gras und Bäumen rundherum.

Abends konnte Claudia endlich in der Damentoilette ein Beweisfoto von einem Frosch in der Kloschüssel machen. Wer außerhalb Australiens glaubt das denn sonst….

 

 

14.6. Borroloola – Limmen Bight Fishing Camp – Roper Bar

Unsere heutige Fahrstrecke war landschaftlich sehr schön und führte uns durch insgesamt 21 nasse Creeks. Bis zur Abzweigung zur Nathan River Station war die Straße in sehr gutem Zustand. Danach wurde es etwas rauer mit Wellblech und einigen ausgewaschenen Flussüberquerungen. Wir kamen an mehreren Billabongs vorbei, die mit Wasserlilien übersät waren. Brolgas und Enten gaben sich ein Stelldichein. Der Cox River sah recht wüst aus, da noch allerhand Treibholz von der letzten Wet im Fluss und an den Flussufern lag. Die Durchfahrt ist allerdings durch eine Betonfurt (trocken) entschärft. Auf der anderen Seite warteten wir auf Trevor und Evie, und fuhren dann gemeinsam nach rechts Richtung Limmen Bight Fishing Camp ab (25 km einfache Strecke). Der Track war einspurig, ausgewaschen, hügelig und sandig und machte den Männern so richtig Spaß zu fahren. Das Camp ist sehr ‚basic‘, aber immerhin mit warmen Duschen. Da man dort aber nichts machen kann außer zu fischen, und dazu vorzugsweise ein Boot braucht, machten wir nur eine Mittagspause, nutzen die Örtlichkeiten und fuhren wieder zurück.

Wir kamen als erste in Roper Bar an, fuhren die paar hundert Meter zum Camp, lasen dort das Schild, man solle im 2 km weiter die Straße runter gelegenen Store einchecken (vielleicht wäre es besser, das Schild schon an der Abzweigung aufzustellen?), fuhren zurück und warteten an der Abzweigung auf Trevor und Evie. Die hatten zwischen Limmen Bight und Roper Bar fast ein Hinterrad verloren, da sich zwei Radmuttern klammheimlich verabschiedet hatten. So musste Trevor erst mal das Hinterrad wechseln.  Im Roper Bar Store hatten sie leider keine Radmuttern, also wird das wohl bis Katherine warten müssen.

Trevor legte noch ein Netz aus, um Cheribim (Flusskrebse) zu fangen. Leider ohne Erfolg. Tröstlich war, dass die anderen Camper auch noch nichts gefangen hatten.

Zur Krönung saßen wir dann abends im Mondschein (zum Glück war Vollmond), da die Glasschirme beider Glaslampen zerbrochen waren. Schlechtes Timing. Es war aber trotzdem ganz lustig. Im Camp gibt es warme Duschen und Toiletten mit Wasserspülung, die allerdings unbeleuchtet sind, so dass man eine Taschenlampe mitnehmen sollte. Das Wasser wird aus dem Roper River hochgepumpt und sollte vor dem Verzehr abgekocht werden. Am besten bringt man sich so wie wir genug Trinkwasser mit.

 

 

15.6. Roper Bar

 

Der heutige Tag war dem Faulenzen gewidmet. Wir fuhren kurz zum Roper Bar Store und tätigten einige Einkäufe, dann zur Roper Bar selber, sahen uns die Ruinen einer alten Homestead an und das Monument, das an Ludwig Leichhardts Überquerung der Roper Bar erinnert.  Wir überquerten die Roper Bar, aber hielten uns am jenseitigen Ufer nur lange genug auf um Fotos zu machen, da dort das Arnhem Land beginnt und man zum Befahren einen Permit braucht.

Wir machten noch einen kurzen Abstecher mit dem Auto auf einen kleinen, schmalen und sehr holprigen Seitentrack, der direkt am Fluss entlang führte. An einer zugänglichen Stelle stiegen wir aus und gingen zum Fluss hinunter. Das Ufer war an der Stelle recht hoch. Nach ein paar Minuten wurden wir durch ein lautes Klatschen aus unserer verträumten Stimmung gerissen, und sahen gerade noch ein Freshie im Wasser verschwinden. Es hatte unbemerkt nur ein paar Meter von uns entfernt am Ufer in der Sonne gelegen.

Hinterher machten Trevor und Torsten noch einen Spaziergang am Fluss entlang, sahen aber kein Krokodil mehr, während Evie und Claudia weiter in ihren Büchern schmökerten.

Abends kam Tooley vorbei, ein anderer Camper, und brachte seinen Hund Jarra mit, eine rote Blue Heeler Hündin. Er war so nett, uns seine Gaslampe für den Abend zu leihen.

 

 

16.6. Roper Bar – Mataranka – Katherine

Der Tag begann ziemlich kühl und zwischendurch nieselte es sogar einmal leicht. Trevor und Evie fuhren als erste, wegen der fehlenden Radmuttern, und falls sie Hilfe brauchen sollten. Nach ein paar Kilometern sahen wir, dass sie angehalten hatten, um mit ein paar Aboriginals zu sprechen, die auf der Straße standen. Dann ließen sie einen von ihnen einsteigen. Trevor sagte, die Jungs wären mit ihrem Auto liegengeblieben, er würde mal sehen, ob er ihnen helfen könne und sie seien gleich wieder da. Dann verschwanden sie in einer Seitenstraße. Wir blieben an der Kreuzung stehen, drehten die Scheiben herunter und harrten der Dinge die da noch kommen sollten. Von den vier Männern, die noch übrig waren und ebenfalls warteten, hatten wir zwei am Vortag im Roper Bar Store gesehen. Der vierte war ein alter Mann, der nach ein paar Minuten zu uns herüberkam und sich mit uns unterhielt. Er hieß George und musste zu einem Treffen des Arnhem Land Council. Die jungen Männer sollten ihn bis Katherine bringen, aber das Auto war liegengeblieben. Ob wir ihn mitnehmen könnten? Wir bedauerten, da wir nur zwei Sitzplätze im Wagen hatten und der hintere Teil mit unserem Gepäck beladen war. Ob wir dann unseren Freund fragen könnten, wenn er zurückkäme und dass andere Auto nicht wieder flott gekriegt hätte? Wir versicherten ihm, er brauche keine Angst zu haben, ihn selber zu fragen. Torsten gab ihm Zigaretten für alle und einen 20 Liter-Container mit Trinkwasser, da sie keins hatten. Nach einer Weile brachte Torsten ihnen dann noch Brot und ein paar Konserven, die wir als Notvorrat dabei hatten, aber nun in Aussicht eines Supermarkts in Katherine nicht mehr zwingend benötigten. Torsten und George fingen an sich zu unterhalten und hockten schließlich nebeneinander im Staub der Straße, während Georges Freunde etwas abseits standen (es stellte sich dann heraus, dass er der Stammesälteste des East Arnhem Land District ist) und Claudia im Auto wartete. Eigentlich wäre das ein Foto wert gewesen, wie auch Trevor feststellte als sie schließlich zurückkamen – aber Claudia wollte dann doch nicht einfach so fotografieren, wohl wissend, dass viele Einheimische (egal in welchem Land!) das nicht so gerne haben.

Trevor konnte dem Auto des jungen Mannes zwar Starthilfe geben, aber dieser traute sich dann doch nicht, mit der maroden Karre noch bis Mataranka zu fahren. Am Ende nahmen Trevor und Evie George bis Mataranka mit. Es gab noch eine kleine dramatische Szene, als knapp vor Trevor und Evie ein paar Pferde im Galopp die Straße überquerten, aber Trevor hatte sie rechtzeitig gesehen und angehalten.

Am Ortseingang von Mataranka sprachen wir ab, dass wir gleich zu den Thermalquellen weiterfahren und Trevor und Evie erst einmal George bei einem Telefon absetzen würden. An den Thermalquellen gönnten wir uns zunächst einen warmen Snack, mit Gemüse und Fleisch gefüllte ‚Pasties‘ (Teigtaschen, sehr lecker) und eiskalte Cola. Trevor und Evie hatten schlussendlich für George beim Land Council angerufen, die dann organisierten, dass ihn jemand in Mataranka abholte; sie kauften ihm ein Sandwich und gaben ihm noch ein paar Dollar, da in seinem Portemonnaie Ebbe herrschte, Brot und Konserven. George ist bereits weit über 80 Jahre alt. Falls Trevor mal einen Permit für das Arnhem Land bräuchte, solle er sich vertrauensvoll an ihn wenden.

Nachdem Trevor und Evie sich im Kiosk an den Quellen ebenfalls gestärkt hatten, zogen wir uns um und gingen los. Um zu den Quellen zu gelangen, muss man auf einem Boardwalk durch Mangroven hindurchgehen. Die Schäden der letzten Wet waren noch deutlich zu sehen. Die Quellen selber waren so warm und so gemütlich, dass es uns kalt vorkam, als wir sie wieder verließen. Wir dümpelten ungefähr eine Stunde in Wasser herum und machten uns dann auf nach Katherine, wo wir Fleisch und Gemüse für ein abendliches BBQ bei Coles einkauften und anschließend unsere vorbestellten Plätze auf dem Low Level Caravan Park einnahmen. Ein wirklich schöner Campingplatz, sauber und nett angelegt, sehr grün… und doch: nach zwei Wochen im Busch störten uns einfach die vielen Menschen, die (relativ gesehene) Enge, uns fehlten die Wallabies und die Geräusche des Buschs bei Nacht und der ungetrübte Blick auf den Sternenhimmel. Zur Entschädigung gab es abends ein leckeres BBQ auf einem der bereitstehenden Grills. Witzig waren auch die Blicke der anderen Camper, als wir mit unseren eingestaubten Wagen an ihren blitzblanken Wohnmobilen und Wohnwagen vorbeifuhren.

 

 

17.6. Katherine

 

In der Nähe des Campingplatzes wurde der Busch kontrolliert abgebrannt. Das Resultat für uns: Rauch und Ascheregen zum Frühstück.

Trevor, begleitet von Torsten, bekam bei einem Schrotthändler die dringend benötigten Radmuttern. Evie und Claudia wuschen den roten Staub aus unseren Klamotten. Nach dem Anbringen der Radmuttern stutzte Evie dann noch Trevors Bart. Jeder Widerstand war zwecklos, er wurde ‚stadtfein‘ gemacht. Die Männer buchten für den folgenden Tag ein Kanu in der Katherine Gorge und anschließend wurden unsere Lebensmittelvorräte wieder aufgefüllt. Unsere ersten Filme hatten wir auch entwickeln lassen, und sahen uns nachmittags die Fotos an. Unseren einen Platznachbarn nannten wir den „Sergeant Major“ (Stabsfeldwebel). Seinem durch eine Panzerglasbrille (so sieht sie jedenfalls aus) geschärften Blick entging keine unserer Bewegungen. Die militärische Disziplin verbot ihm allerdings, ein Wort an uns undisziplinierte Zivilisten zu richten. Unsere verdreckten Autos machten ihn wahrscheinlich unruhig, ein Befehl zur Reinigung blieb uns jedoch erspart. Stattdessen kehrte er auf seinem eigenen Platz alle trockenen Blätter zusammen. Als wir uns gemütlich niederließen, um die Fotos anzusehen, verrenkte er sich vergeblich den Hals, wir saßen einfach zu weit weg.

 

 

18.6. Katherine

 

Der heutige Tag war streng geschlechtsspezifisch aufgeteilt: die Männern trotzten den gefährlichen Gewässern, Krokodilen und Ausflugsbooten der Katherine Gorge, die Frauen gingen einkaufen. Viel fanden Evie und Claudia jedoch nicht, und trösteten sich mit Scones und Schlagsahne und einem riesigen Milch-Shake. Ungefähr eine Stunde, bevor die Männer ihr Kanu wieder abgeben mussten, waren Evie und Claudia schon wieder im National Park und warteten in der Sonne – aber weit genug weg von den mit Hunderten von Flughunden behängten Bäumen (Flughundkacke stinkt erbärmlich) – am Bootsanleger auf die tapferen Recken. Die kamen dann – frisch gebräunt, gut gelaunt und leicht durchnässt wieder an. Sie hatten es bis in die dritte Schlucht geschafft. Zwischen den Schluchten ist jeweils eine felsige Stromschnelle mit niedrigem Wasserstand, an der die Boote von Hand gezogen werden müssen. Stromabwärts haben sie die Schnellen – verbotenerweise, aber wie viele andere auch – durchfahren und hatten einen Riesenspaß dabei. Außerdem hatten sie ungefähr 20 Liter Wasser genommen, und waren bei der untersten Schnelle fast gekentert. Wenn das der Sergeant Major wüsste!

Da dies unser letzter gemeinsamer Tag war, luden Evie und Trevor uns abends ins Bistro auf dem Campingplatz ein. Wir saßen sehr malerisch unter einer wunderschönen, uralten und großen Würgefeige, aßen Barramundi und tranken dazu ausnahmsweise einen australischen Rotwein. 

Keiner sprach den bevorstehenden Abschied an, aber Evie brachte den Toast des Abends aus: 

Auf gute Freunde.

  weiterlesen, Teil 3

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