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Wir sind
nach dem langen Flug (insgesamt 30 Stunden Reisezeit von Tür zu Tür) gut
um vier Uhr morgens gelandet. Auf der Strecke London – Singapur blieb
der dritte Platz in unserer Reihe frei, so konnten wir uns etwas mehr
ausbreiten und sogar ein paar Stunden schlafen. In Darwin haben wir
anstelle eines Taxis den Shuttle Bus zum Hotel genommen (8 AU$ /Person),
was allerdings länger dauerte, da unser Hotel unglücklicherweise der
vorletzte Halt auf einer langen Liste war. So sahen wir dann mal Darwin
bei Nacht. Im Hotelzimmer haben wir uns erst einmal ein paar Stunden
hingelegt und danach einen gemütlichen Spaziergang durch die Smith Street
Mall gemacht. Dort kauften wir eine pre-paid Vodafone Card für unser
Handy. Nachmittags haben wir dann – wie versprochen – Trevor und Evie
angerufen. Wir hatten Glück: in Cairns war es bisher regnerisch, aber nun
schien die Sonne pünktlich zu unserer Ankunft. Traditionell gab es ein
Prime Rib Steak im Hog’s Breath Café zum Abendessen.
Um vier
Uhr morgens war die Nacht leider schon wieder vorbei, denn unser Flug nach
Cairns ging um sechs Uhr. Also nahmen wir um viertel vor fünf ein Taxi
zum Flughafen. Da wir im Hotel noch kein Frühstück bekommen konnten (der
Frühstücksraum macht erst um sechs Uhr auf und eigentlich haben wir um
die Uhrzeit auch noch keinen Hunger), hofften wir auf ein leckeres Frühstück
im Flieger. Unsere Hoffnungen wurden enttäuscht, Qantas gönnte uns nur
ein kleines Schüsselchen Müsli, ein winziges Rosinenbrötchen mit
Butter, einen Mini O-Saft, Kaffee und eine kleine Mandarine. In
Cairns nahmen uns Trevor und Evie so herzlich in Empfang, dass wir das Gefühl
hatten, nach Hause zu kommen. Als erstes ging es dann zu KEA, um unseren
Troopie (Landcruiser Troop Carrier) abzuholen. Trevor hatte uns am Tag
vorher erzählt, er habe sich unseren Wagen angesehen. Wir dachten, er sei
einfach mal so zu KEA gefahren, aber nun erlebten wir eine große Überraschung:
Rob, den wir mit seiner Frau Meg im letzten Jahr in Kununurra über Trevor
und Evie kennen gelernt hatten, arbeitet dort! Wir wussten zwar, dass Rob
und Meg inzwischen in Cairns wohnen, aber das kleine Detail hatten Trevor
und Evie uns doch nicht verraten. Auch Robs (deutscher) Chef, Michael, und
seine (deutsche) Kollegin Elke waren sehr nett. Wir bekamen einen quasi
nagelneuen Landcruiser Troopie (Troop Carrier) – erst zwei Monate alt
und nur 12.000 km gelaufen. Dieses Jahr hat KEA auch endlich bequeme
Campingstühle mit Armlehnen. Einen Notrufsender gab es auch noch, den wir
aber glücklicherweise nicht brauchten. Rob hatte unsere Tagebücher auf
unsere Website gelesen und uns einen kleinen „Survival Kit“ auf den
Beifahrersitz gelegt…. vier Dosen VB und eine große Rolle Duct-Tape.
Unser Troopie hat einen neuen Campingherd, kein Gas mehr, er läuft auf
Methylalkohol. Waren gespannt, wie gut er ist. Auf jeden Fall gewinnen wir
so ein Staufach dazu, da ja die Gasflasche entfällt. Der
kleine Bungalow, den Trevor und Evie gemietet hatten, war einfach, aber
sauber und groß genug für vier. Von Küche und Wohnraum hatte man einen
Blick auf Meer, Strand und Palmen. Ein
ausgedehnter Spaziergang am Strand
entlang tat unseren pflastermüden Großstadtfüßen wohl. Abends
kamen Meg und Rob noch zum Aussie BBQ vorbei. Wir haben uns alle prächtig
amüsiert.
Der
heutige Tag begann mit einem Frühstück mit Blick auf das Meer. Trevor
und Torsten gingen hinterher zum fast menschenleeren Strand und beobachteten
die Fisch-Trawler, die auf Meeresfrüchte aus waren. Anschließend machten
wir die notwendigen Einkäufe für die anstehende Fahrt, im wesentlichen
Lebensmittel bei Woolies und eine Gaslampe bei Mitre 10 . Einer der dort
Beschäftigten meinte zuerst, wir seien aus Sydney (war wohl einfach ins
Blaue geraten). Als Torsten daraufhin sagte, wir wohnten in Brüssel,
sprach einer seiner Kollegen Niederländisch mit ihm! Offensichtlich ein
Auswanderer. Wir kauften auch gleich genug Postkarten und Briefmarken, und
als Souvenir australischen Kaffee. Als wir
heute morgen losfuhren, war unser Wagen – im wesentlichen die rechte
Seite – mit einem Teppich grüner Baumameisen bedeckt, da er neben Büschen
gestanden hatte. Wir dachten zunächst, sie würden mit dem Fahrtwind
abfallen, aber die meisten verkrochen sich in irgendwelchen Ritzen der
Karosserie und kamen so sicher wieder zu Hause an. Dort fielen sie dann
einer massiven Aerogard Spray-Attacke von Torsten und Trevor zum Opfer. Abends
verwöhnte Evie uns mit einem köstlichen Lammbraten, Mischgemüse und
Bratkartoffeln. Yum! Die
ersten paar Kilometer bis nach Kuranda hinauf fuhren wir noch dicht
hintereinander, dann aber bogen wir zu den Barron River Falls
ab, die leider zu dieser Jahreszeit trocken sind. Bereits vorher
verabredeter Treffpunkt war der Ortseingang von Mareeba. Dann ging es
weiter nach Chillagoe, wo wir der geführten Tour durch die Royal
Arch Caves (Tropfsteinhöhlen) anschlossen. Die Höhlen befinden sich
in einem uralten Riff, das so aussieht wie das in der Windjana Gorge. In
unserer Gruppe waren noch fünf weitere Touristen, ausnahmslos Australier.
‚Unser‘ Ranger hieß Danny und verteilte erst einmal starke
Taschenlampen. Nur in zwei der zu besichtigenden Höhlen gibt es aufgrund
eingestürzter Decken Tageslicht. Die sehr interessante Führung dauert
gut zwei Stunden. Die Sandsteinhöhlen sind zum Teil stark beschädigt,
weil die Einwohner Chillagoes sie früher als Picknickplatz benutzten. Die
Stalagmiten und Stalaktiten und andere Formationen
sind beeindruckend. Einige von Ihnen sehen aus wie ein Elefant, Bergschaf,
Emu, Bär oder sogar wie ein Cowboy auf seinem Pferd. Danny erzählte,
dass er auf seinen ersten Tour eine Gruppe von 54 Personen hatte. Als er
wieder am Ausgang ankam – stolz, dass er ihn wiedergefunden hatte –
waren von seiner Gruppe nur noch 10 Personen übrig. Also musste er wieder
in die Höhlen zurück und die anderen 44 einsammeln. So große Gruppen
werden heute nicht mehr geführt. Vor
Jahren, als die Höhlen noch nicht touristisch erschlossen waren, gingen
zwei Paare in die Höhlen hinein und verliefen sich. Sie setzten sich in
eine der nach oben offenen Höhlen und warteten auf Rettung. Dummerweise
hatten sie niemanden Bescheid gesagt, dass sie in die Höhlen gingen, und
warteten vergebens. Die Höhle, in der sie warteten, heißt Fig
Tree Chamber, da eine Würgefeige, die oben auf dem Riff wächst, ihre
beeindruckend dicken Wurzeln bis auf den Boden der Höhle getrieben hat.
Nach zwei Nächten zog einer der Männer seine Stiefel aus und kletterte
an der Wurzeln der Würgefeige nach oben. Oben angekommen, bemerkte er zu
spät, dass er seine Stiefel besser hätte mitnehmen sollen, denn das
Gestein ist rasiermesserscharf. Er schaffte es trotzdem bis ins Dorf, wenn
auch humpelnd und mit zerschnitten Füssen. Nach der
Tour fuhren wir die paar Kilometer bis Almaden zurück, um auf dem
dortigen Campingplatz zu übernachten. Der Platz ist relativ neu, und wir
waren die einzigen Gäste. Das einzige, was wir nachts hörten, waren
grasende Rinder. Der Platz ist schön angelegt, die Besitzer sehr nett und
aufmerksam. In der Mitte des Campingplatzes steht ein ehemaliges Schulgebäude.
Im oberen Stock sind eine voll eingerichtete Küche und ein wie Wohnzimmer
eingerichtetes zweites Zimmer, die wir an dem Abend für lau nutzen
durften. Die Frauen kochten, die Männer wuschen ab. Kompliment an Trevor:
die bereits vorher saubere Küche war hinterher so sauber, dass man förmlich
von der blitzblank geputzten Edelstahlspüle geblendet wurde. Nach dem
Essen ließen wir uns zum ersten Mal in diesem Urlaub noch zum Schnacken
vor unseren Campern nieder.
123 km
einfache Gravel Road mit Creek Crossings, die entweder trocken waren oder
in denen nur noch Pfützen standen. Wir haben viele Rinder, ein paar Kängurus,
drei Wedgies (Keilschwanzadler) gesehen. Für die Strecke
haben wir zwei Stunden gebraucht, und sind an zwei Homesteads sowie einem
kleinen Tourbus vorbeigekommen. Am Kennedy Highway warteten wir auf Trevor
und Evie, die 15 Minuten später kamen. Genau, als wir die Videokamera
nicht mehr schussbereit hatten…. In Mount Surprise haben wir beide
getankt und fuhren bis Croydon weitergefahren, wo wir im Stadtpark ein
Picknick machten. In dem Park standen Holzbänke und –tische bereit, wir
wählten einen im Schatten eines Mangobaumes. Vom Zitronenbaum nebenan
haben wir vier Zitronen gemopst. Offensichtlich waren wir nicht die
ersten, denn nur noch an den oberen Ästen hingen Zitronen. Mit einiger Mühe
aber erfolgreich abgepflückt. In
Normanton machten wir eine kurze Pause im Purple
Pub auf ein Bierchen, und kauften nebenan im Mini Supermarkt ein paar
Sachen ein. Kurz entschlossen blieben wir dann doch nicht für eine Nacht
in Normanton, sondern fuhren noch die 70 km bis Karumba, unserer einzigen
Übernachtungsstation, die direkt am Gulf of Carpentaria liegt, um dort
zwei Nächte zu verbringen. Die asphaltierte Straße dorthin führte über
eine pfannkuchenflache Ebene. Wir haben drei Wallabies, ungefähr 10
Brolgas (oder Sarus Cranes - war auf die Entfernung nicht genau zu
erkennen) und drei Jabirus gesehen. Und natürlich Rinder. Nebenbei:
das größte je in Australien gefangene Leistenkrokodil wurde im Norman
River bei Normanton Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts von
einer Frau erschossen: es war männlich, 8.63 m lang und wog ungefähr 3
Tonnen. Eine lebensgroße Replik kann man in Normanton bewundern. In Karumba
Point haben wir uns nicht in, sondern neben der Sunset Tavern den
wirklich wunderschönen Sonnenuntergang
angesehen. Eigentlich wollten wir dort übernachten, aber alle
Campingplätze waren voll belegt. Also fuhren wir die 7 km nach Karumba,
wo wir noch einen großen Stellplatz bekamen, der für uns alle
ausreichend war. Übrigens mussten wir am nächsten Tag nur einen
Stellplatz und Extra-Personen bezahlen. Der Stellplatz ist eine runde
Betonplatte, genau wie die beiden direkt daneben liegenden. Zunächst
wunderten wir uns darüber, bis wir herausfanden, dass diese drei Plätze
die ehemaligen Bodenplatten von drei großen Wassertanks waren. Wir
hatten gerade noch rechtzeitig eingecheckt, um uns unsere Portion Fish’n
Chips am Grill abzuholen. Wunderbar, Evie und Claudia mussten nicht
kochen, der tagfrische Fisch war sehr lecker, die Chips (Bratkartoffeln)
handgemacht, man konnte sich etwas nachnehmen und es hat uns pro Nase nur
4 AU$ gekostet. Teller, Besteck, Getränke sowie Stühle und Tische musste
man selber mitbringen.
Torsten
und Trevor haben Trevors Angeln und Zubehör eingepackt und sind nach
Karumba Point gefahren. Dort haben sie Köder gekauft, ein Boot gemietet
und haben sich ein paar Stunden lang die Zeit damit vertrieben, auf dem
Golf zu fischen. Evie und Claudia nutzten den Tag im wesentlichen dazu,
mit dem Schatten und ihren Stühlen um die Autos herumzuwandern, zu lesen,
Wäsche zu waschen und im nahegelegenen Supermarkt Brot zu kaufen. Die Männer
kamen gegen 15h00 braungebrannt, gutgelaunt, und mit drei Brassen
(breams) und einem bereits filetierten Wels zurück. Den Wels hatte
Trevor zunächst wieder ins Wasser werfen wollen, da er und Evie die nicht
mögen. Torsten hielt ihn davon ab, und der Wels rächte sich an Trevor,
indem er ihm mit einer seiner Stacheln in die empfindliche Partie zwischen
Daumen und Zeigefinger stach. Muss ziemlich schmerzhaft sein, aber die von
uns in Cairns in weiser Voraussicht gekaufte Paraderm
Plus Salbe (gegen Stiche, Sonnenbrand, etc.), leistete gute Dienste.
Trevor musste sie nur zweimal auftragen, dann waren Schmerz und Schwellung
weg. Zum
Abendessen gab es fangfrischen Fisch, von Evie zubereitete Bratkartoffeln,
Salat und die frischen, völlig unbehandelten, Zitronen aus dem Stadtpark
von Croydon. Später
fand dann die erste Weltmeisterschaft im Bierdosen-Zerdrücken statt.
Trevor gewann, aber es sollte noch ein Rückspiel geben!
Gute
Dirt Road, stellenweise ziemlich plattes Land, Rinder und Brolgas. Die
Furt des Leichhardt River ist sehr interessant: sie ist betoniert, sehr
lang (ca. 400 m) und kurvig und führt auf der unteren Ebene des
Flussbetts entlang, d.h. man kann zum größten Teil den Gegenverkehr
nicht sehen. Da die Furt komplett trocken lag, wäre das Ausweichen zum Glück
kein größeres Problem gewesen. Drüben angekommen, bogen wir nach rechts
auf einen kleinen Track ab, der uns zu einem Felsplateau oberhalb des
Flusses führte. Die Fälle sind zu dieser Jahreszeit leider trocken, aber
im Fluss stand noch
Wasser. Oben auf dem Plateau tummelten sich Wallabies, ein paar Touristen
und Hunderte von Bush Flies, deretwegen wir uns zwischendurch wieder in
den Wagen setzten und anschließend mit Aerogard einsprühten. Nach einer
guten Stunde waren Evie und Trevor immer noch nicht da, und wir begannen
uns langsam Sorgen zu machen, denn obwohl sie stellenweise mit ihrem Anhänger
nicht so schnell vorankommen konnten wie wir, hätte der Abstand
eigentlich nicht so groß sein dürfen. Also fuhren wir wieder zum
jenseitigen Ufer, damit sie uns auch ja nicht verpassen konnten. Kaum
hatten wir unseren Wagen abgestellt, kamen sie auch schon. Sie hatten
einen Platten am Anhänger, ironischerweise nicht auf der Straße selber,
sondern nach einer Pause auf dem imaginären Seitenstreifen. Da sie für
Auto und Hänger nur jeweils einen Ersatzreifen mithatten, wollten sie natürlich
ohne weiteren Aufenthalt nach Burketown fahren in der Hoffnung, dass
wenigstens das Roadhouse trotz Pfingstfeiertag auf hatte. Hatte es leider
nicht, so dass wir uns auf den Weg zur Escott Lodge, ca. 17 km außerhalb
von Burketown, machten. Der Campingplatz ist sehr nett angelegt, sehr geräumig
und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Einige Wallabies grasten auf
dem unbelegten und sehr großen Platz für Zelte. Nach Aufbau unseres
Camps fuhren Trevor, Torsten und Claudia ca. 15 km den Nicholson
River hinauf, da die Männer an einem der Angelplätze noch einmal ihr
Glück versuchen wollten. Trevor hofft noch immer auf einen Barra. Dieser Angelausflug
endete ohne Fisch, aber mit einer von Torsten hoffnungslos verhedderten
Angelschnur. Im sanften Licht
des späten Nachmittags lag der Nicholson River malerisch und friedlich
da. Sichtbar, aber sanft stieg der Pegel des gezeitenabhängigen Flusses
und bedeckte die zuvor noch trocken liegenden Sandbänke. Ein Graureiher
war erfolgreicher als Trevor und Torsten und zog zwei Fische aus dem
Wasser. Man sollte sich aber durch die Idylle nicht täuschen lassen, der
Nicholson ist bekannt für seine Leistenkrokodile, große noch dazu! Der
Boden des Campingplatzes war abends und nachts übersät von Cane Toads in
allen Größen, auch in den Waschräumen saßen sie. Ein Green Tree Frog
stach wie ein Smaragd aus der braunen Masse der Kröten hervor.
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