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4.10. Ankunft Sydney  

Lonely Planet City Guide

Gut gelandet. Der Flug mit Lauda Air war angenehm, die Flugverbindungen mit kurzen Umsteigezeiten.

In Sydney war es sonnig und warm. Der Taxifahrer fand zunächst das Hotel nicht, setzte uns schließlich in einer Seitenstraße gegenüber ab. Wir landeten irrtümlich in einer Seniorenresidenz, bemerkten unseren Irrtum aber glücklicherweise noch bevor uns ein Zimmer zugewiesen wurde. Nach dem langen Flug und der entsprechenden Müdigkeit hätte man aufgrund unseres Allgemeinzustandes womöglich für völlig normal gehalten, dass wir ins Seniorenheim ziehen…

Im Hotel haben wir das Zimmer gewechselt, das zweite war größer, schöner und rauchen durften wir auch. Zum Abendessen ging es zu Fuß um den Hyde Park herum ins Hard Rock Café.

Das Rauchen in Pubs und Restaurants ist in Sydney nicht mehr erlaubt. Vor einem kleinen Restaurant hatten sie für die Raucher eine nette Raucherecke eingerichtet, mit bequemen Stühlen, Tisch und Aschenbecher.

5.10. Sydney

Nach einem ausgiebigen Frühstück am gut bestückten Buffet machten wir uns zu Fuß auf zum Sydney Harbour. Es tat gut, die Beine zu strecken und bis zum Circular Quay sind es nur 30 Minuten zu Fuß. Kaum dort angekommen, kauften wir uns Tickets für eine Harbour Cruise mit Captain Cook Cruises (AU$ 20/Person) und verbrachten die Wartezeit bis zum Ablegen damit, uns die Auslagen der Souvenirgeschäfte anzusehen und in der Sonne zu sitzen. Auf dem Schiff setzten wir uns aufs Oberdeck. Wir wurden eine Stunde lang durch Sydney und Darling Harbours gefahren. Wir überlegten kurz, ob wir eine Zwischenstopp machen und uns noch einmal das Aquarium ansehen sollten, aber unsere inneren Schweinhunde wollten lieber auf dem Deck in der Sonne sitzen bleiben. Eine sehr schöne und informative Tour, empfehlenswert! Hinterher bummelten wir durch The Rocks, nahmen einen Burger zu uns und schlenderten dann Richtung Hotel zurück. Auf dem Weg kauften wir uns noch neue Handys, die im Angebot waren, in einem Vodafone Shop.

Abendessen gab es wieder im HRC, die Ribs dort sind superlecker!

6.10. Sydney – Narooma

Unser Timing zum Frühstück war hervorragend: die große japanische Reisegruppe, die am Vorabend angekommen war, war gerade mit dem Essen fertig. Die junge Dame an der Rezeption des Speisesaals sah etwas gestresst aus. Im Saal selber sah es aus, als sei eine Bombe eingeschlagen: Tische und Böden waren voller Krümel, Bestecke und Servietten. Das Büffet war abgegrast. Wir tranken erst mal einen Kaffee und warteten auf das Nachfüllen der leeren Schüsseln und Körbe, was nur ein paar Minuten dauerte.

Ein sehr netter Taxifahrer, ein eingewanderter Libanese mit Verwandtschaft in Deutschland, brachte uns zum Flughafen, wo wir uns am Abflugterminal mit Trevor und Evie verabredet hatten. Die beiden saßen schon vor dem Café. Nach ausgiebiger und herzlicher Begrüßung machten wir uns auf den Weg nach Narooma, einem kleinen Örtchen ca. 350 km südlich von Sydney an der Küste. Wir nahmen uns Zeit auf dem Weg dorthin, um die Küstenlandschaft zu genießen, Fotostops und einen Lunch Stop einzulegen. Das Wetter war wieder sonnig und mild. Wir sahen schöne Sandstrände und teilweise raue Felsküste. Insgesamt ist dieser Küstenabschnitt landschaftlich sehr reizvoll, er erinnert streckenweise mit seinen grünen Hügeln an Europa.

In Narooma angekommen mussten Trevor und Evie noch ihre Klamotten aus dem bisher mit Lyn, Keith und Dot geteilten Apartment umziehen in das, in dem wir vier nun ein paar Tage verbringen sollten. Lyn und Dot hatten für uns mitgekocht und brachten unser Abendessen später rüber. Das Apartment ist schön, mit 2 Schlafzimmern, großer Küche, Fernsehecke, Bad mit Waschmaschine und einem Balkon.

7.10. Narooma & Montague Island

Trevor, Keith, Dot und wir beide fuhren mit Trevors Motorboot Richtung Montague Island Nature Reserve. Die Insel ist Narooma vorgelagert, Hauptattraktion ist eine große Seelöwenkolonie. Der Weg aus dem Hafen von Narooma heraus (und wieder hinein) ist nicht ganz einfach zu fahren, da die Einfahrt sehr eng ist. Für Trevor natürlich kein Problem, sie kommen schon seit 18 Jahren zum Fischen nach Narooma. Die See war rau, der Wind hatte 30 Knoten (ca. 60 km/h) und nahm zu. Wir wurden mehr oder weniger stark durchnässt. Claudia saß die ganze Zeit tapfer hinten und war am Ende tropfnass – trotz Regenjacke. Allerdings sitzt man hinten im Boot am ruhigsten, es war auch nicht so kalt, also ließ es sich gerade so aushalten. Leider mussten wir wegen der Verhältnisse unterwegs umkehren, um noch sicher in die Hafeneinfahrt zurückzukommen. Wegen der unruhigen See hatten wir weder Seelöwen noch Wale ausgemacht, aber einige Delfine kamen dicht an uns heran. Der Wind frischte immer mehr auf, Schauer und Sturm wurden angesagt.

Beim Anlegen fiel Keith auch noch ins Wasser, der Arme. Er nahm es gelassen und fuhr zum Apartment um sich umzuziehen. Wir drehten noch eine Runde im Hafen und legten an anderer Stelle an, wo Keith uns mit dem Auto erwartete. Dort sahen ein paar Ausflügler und ein Pelikan interessiert dabei zu, wie die Männer das Boot auf den Anhänger verluden. Claudia genoss die heiße Dusche ganz besonders! Alles in allem hatte die Fahrt aber Spaß gemacht.

 

8.10. Narooma & Mogo Zoo

Wir nutzten den sonnigen, warmen Tag zur Besichtigung des Mogo Zoos. Er ist relativ klein, aber nett angelegt. Die neueste Attraktion sind weiße Löwen, noch Jungtiere. Ein Männchen und zwei Weibchen. Irgendwie passten wir auch alle sieben in den Landcruiser.

Abends ging es ab in den Golf Club zum Essen. Das mag sich edel anhören, ist es aber nicht, da Golf in Australien wirklich ein Volkssport ist. Golf Clubs in der Provinz sind so meist sehr gemütlich und familiär. Der von Narooma hat Sonderangebote fürs Abendessen, auch für Nicht-Mitglieder und ein kleines Spielcasino mit einarmigen Banditen. Das Büffet-Dinner kostete uns schlappe 10 AU$ pro Person plus Getränke. Bei der Tombola haben wir leider nichts gewonnen. Evie, Lyn und Dot versuchten noch ihr Glück an den einarmigen Banditen. Die Männer und Claudia ließen sich lieber an der Bar nieder, um die lokale Wirtschaft zu unterstützen.  

9.10. Narooma, Montague Island & Tilba

Morgens fuhren wir noch einmal zur Insel raus. Das Wetter war deutlich besser als zwei Tage zuvor, die See ruhiger und die Fahrt machte noch mal so viel Spaß! Auf dem Weg zur Insel sahen wir Delfine, einen Wal aus der Ferne (bzw. sein Blasen), viele verschiedene, uns zum größten Teil unbekannte Seevögel, fliegende Fische und auch eine paar Seelöwen auf der Fischjagd. Vor der Insel dümpelten wir dann vor uns hin, um die Seelöwen zu filmen und zu fotografieren. Man riecht sie übrigens schon eine ganze Weile bevor man an der Insel ist, bzw. ihren Kot auf ihren felsigen Ruheplätzen. Es war ein sehr schönes Erlebnis, von Delfinen begleitet und vor der Insel von Seelöwen umringt! Außerdem bekamen wir Kormorane, Pelikane und Albatrosse zu Gesicht. Und, falls Claudia sich nicht verguckt hat, Seeschwalben.

Nachmittags fuhren wir dann ein Stück die Küste Richtung Süden entlang. Bei Bermagui machten wir einen kurzen Fotostopp. Die Sonne schien zwar, aber der Wind war kalt und so fuhren wir schnell weiter. Die Steilküste dort ist sehr reizvoll, und im Wind waren die Wellen, die sich an den Felsen brachen und sie in ihre Gischt einhüllten, recht beeindruckend.

In Tilba, einem kleinen touristischen Ort abseits der Küste, konnten wir uns nicht satt sehen an den wunderschönen Holzarbeiten eines kleinen Ladens. Dort bekommt man alles: Geschirr, Souvenirs, Dekorstücke und Möbel. Alles handgearbeitet aus einheimischen Hölzern und alles massiv. Wir hätten am liebsten den ganzen Laden leer gekauft, aber dazu fehlt uns der Lottogewinn! Auch Keith konnte sich nicht los reißen.

Abends ging es wieder in den Golf Club zum 10 AU$ Büffet und Lyn gewann in der Tombola eine Meeresfrüchteplatte. Die Shrimps wurden noch am gleichen Abend verzehrt.

Mittags kamen übrigens zwei Allfarb-Loris auf unseren Balkon. Sie waren überhaupt nicht scheu und so konnten wir ein paar wunderschöne Fotos und Filmaufnahmen machen.

 

10.10. Narooma – Lakes Entrance - Port Albert

Heute hieß es vorläufig Abschied nehmen von Lyn und Keith, die wieder nach Bendigo zurückfuhren. Dot fuhr mit uns vier noch nach Port Albert in Victoria, in Trevors und Evies Ferienhaus. Das Wetter war uns mal wieder wohl gesonnen, es war warm und sonnig. Die Landschaft erinnerte teilweise an die Schweiz, saftiggrüne, hügelige Weiden mit Rindvieh bestückt. Wir nahmen uns Zeit, machten eine längere Pause in Lakes Entrance – wo Dot und Claudia beim Waten in der Brandung von einer heimtückischen Welle bis zur Hüfte durchnässt wurden. Die anderen drei kriegten sich gar nicht mehr ein und bedauerten unendlich, gerade nicht die Videokameras schussbereit gehabt zu haben. Na ja, die zwei nahmen es mit Humor, es war ja auch warm und sie trockneten schnell wieder.

In Port Albert angekommen war es bereits dunkel, so dass wir nicht mehr viel vom Ort sahen und nur noch zwecks Nahrungsaufnahme und Billardspielen in den örtlichen Pub fuhren.

Übrigens ein guter Tipp: wer gut, bodenständig und billig essen möchte, suche sich einen Pub. Die Portionen dort sind in der Regel sehr reichhaltig. Für Vegetarier ist es allerdings nichts, denn typisches australisches Pub Essen enthält nun mal viel Fleisch. In diesem Pub hatte man die Wahl zwischen einer ganzen oder einer halben Portion. Claudia nahm den halben Grillteller, der so aussah: 2 Würstchen, ein kleines Steak, ein Lammkotelett, Fritten und Gemüse. Torsten und Trevor nahmen – natürlich – die ganze Portion. Billard spielen macht halt hungrig….

 

11.10. Port Albert – Philipp Island - Bendigo

Eigentlich wollten die Männer heute fischen, aber die See spielte mal wieder nicht mit, sie war zu rau. Also fuhren wir ein wenig zum Landschafts-Sightseeing in der Gegend rum, bestaunten den einheimischen Bierflaschen-Strauch (kleiner Insider), saßen am Strand und aßen superleckere Meat Pies zu Mittag. An einem fast menschenleeren Strand waren außer uns nur noch ein Angler und seine Frau. Der Angler sprach uns an, es war ein ausgewanderter Grieche. Er hatte schon ein paar lecker aussehende Fische gefangen. Trevor hatte dummerweise seine Angeln im Ferienhaus gelassen. Außer dem Angler und seiner Frau gab es an dem Strand noch March Flies (Bremsen), aber wir hatten zum Glück Aerogard-Spray im Auto.

Spontan entschieden wir aufgrund des weiterhin angesagten rauen Seegangs noch am gleichen Tag nach Bendigo zurückzufahren, mit Abstecher nach Philipp Island zur Pinguin Parade. Das Auto war schnell beladen, das Boot blieb in Port Albert zurück.

Die Pinguin Parade in Philipp Island ist in Privatbesitz. Dort kommen jeden Abend kleine Pinguine (Fairy Penguins) an Land um zu ihren Nestern zurückzukehren. Für 16 AU$ / Erwachsener darf man sich das Schauspiel am Strand ansehen. Geboten wird: eine Beton-Tribüne ohne Sitzkissen, aber dafür mit Foto- und Filmverbot. Aufpasser sorgen wie die Schießhunde dafür, dass sich jeder an dieses Verbot hält. Für ein paar Dollar mehr gibt es auch noch Tribünen, an denen die Pinguine näher vorbeikommen. Von der Haupttribüne aus ist man nicht sehr nah an den Pinguinen dran, aber das Anlanden ist ganz niedlich, vor allem wenn sie erst mal wieder von der Brandung ein Stück ins Wasser zurückgezogen werden. Im Souvenirshop kann man dann noch einmal viel Geld loswerden für alle möglichen Souvenirs, Snacks und Fotomontagen (Du mit den Pinguinen…).

Nach der Show und einem Happen im Dorf machten wir uns dann auf den Heimweg. Um ein Uhr nachts kamen wir in Bendigo an und saßen nach Abliefern von Dot und Ausladen des Autos noch in der Küche zusammen.

 

12.10. – 17.10. Bendigo

Bendigo war und ist eine Goldminenstadt mit heute ca. 90.000 Einwohnern. Im Zentrum gibt es wunderschöne viktorianische Gebäude.

Wir nahmen teil an einer geführten Tour der Central Deborah Mine. Haben leider kein Gold gefunden, aber die Führung ist sehr interessant, oberirdisch kann man noch Gebäude besichtigen, wie die Minenarbeiter außerhalb der Mine versorgt wurden (Umkleideräume, Sanitätszimmer etc.). Unter Tage wird einem dann genau erklärt, wie Gold abgebaut wurde und welche Änderungen es im Laufe der Jahre gab. Natürlich kann man auch Gold kaufen, wenn man denn zuviel Geld hat.

Im Wesentlichen machten wir uns aber ein paar ruhige Tage mit Besuchen hier und dort, viel gutem Essen und gemütlichen Besichtigungen des Ortes.

Außerdem sahen wir Eastern Grey Kangaroos, die jeden Abend auf die gleichen Weiden in den Vororten kommen.

Einen Tag nutzten wir zu einem Ausflug nach Echuca am Murray River. Dort wurde die TV-Serie „All the Rivers Run“ (deutscher Titel ist uns leider entfallen) gedreht. Nach einem gemütlichen Bummel durch den Ort und die ehemalige Serienkulisse am Fluss mit ihren Souvenir- und Handwerksgeschäften machten wir eine Ausflugsfahrt mit der „Canberra“ den Murray runter und rauf. So ein kleiner Schaufelraddampfer hat etwas ungeheuer Gemütliches, wenn es auch direkt neben der Maschine sehr laut ist. Da das Wetter gut war, hielten wir uns auf dem Oberdeck auf und genossen die Fahrt. Dort, wo wir entlang dampften, waren die Ufer des Murray auf einer Seite teilweise sehr steil und hoch. Dort ist der Murray vielleicht 30 Meter breit und unbegradigt. Wir sahen einige kleinere Boote und am Ufer vertäute Hausboote, die man mieten kann. Sicherlich nicht die schlechteste Idee für einen gemütlichen Urlaub! Im Fluss kann man auch gut angeln.

Eine Brücke über den Murray trennt Victoria und New South Wales voneinander. Sie wurde nie offiziell eingeweiht, denn man konnte sich nicht einigen, welcher Bürgermeister welchen Ortes es nun tun sollte – beide Staaten wollten die Ehre für sich verbuchen. Irgendwann riss den Bewohnern beiderseits des Flusses der Geduldsfaden und sie benutzten die Brücke einfach. So war sie denn auf, aber wie gesagt nie offiziell eröffnet worden.

Echuca ist ein netter, kleiner, anheimelnder Ort. Tipp: für einen Snack kehre man ein in die Bäckerei (an der Hauptstraße gelegen), sowohl die Meat Pies als auch die Kuchen und der Kaffee sind hervorragend!

 

17.10. Abholung unseres 4WD in Melbourne

Trevor fuhr uns morgens nach Melbourne und führte uns dann wieder hinaus Richtung Bendigo. Wir machten einen kurzen, ungeplanten Abstecher in ein Koala Schutzgebiet bei Bendigo. Wir wussten nicht so recht, ob wir freuen oder ärgern sollten, dass wir keine Koalas sahen, denn wir hatten ja unsere Kameras nicht dabei.

Nach unserer Rückkehr wurde allenthalben fleißig verpackt, sowie Lebensmittel gekauft und verladen. Am vorherigen Tag hatten Torsten und Trevor schon den Anhänger aus seinem Schuppen geholt, Evie hatte ihn geputzt und so waren wir am Sonntagabend alle bereit zum Abflug am nächsten Morgen.

 

18.10. Bendigo – Mildura - Broken Hill (NSW)

Nachdem wir die Ortsgrenze von Bendigo hinter uns gelassen hatten, fuhr jeder sein eigenes Tempo. Als Treffpunkt war Mildura vorgesehen. Die Landschaft war nicht spektakulär, aber schön. An einem uns namentlich unbekannten Salzsee bogen wir ab. Wir waren die einzigen, die an der hölzernen Plattform waren, um ein paar Fotos zu schießen. Wir hätten auch bis ans Ufer fahren können, aber wir wollten nicht zuviel Zeit vertrödeln, immerhin mussten wir insgesamt 694 km fahren.

Vor Mildura waren zu beiden Seiten des Highways Weinfelder, so weit das Auge sehen konnte. Eine Winzerei nach der anderen. In dieser Gegend rechnet man als Europäer nun wirklich nicht damit, ein Weinanbaugebiet vorzufinden. Wir kamen sogar an „Lindemans“ vorbei. Wentworth dagegen ist bekannt als Rosenstadt. Überall blühen Rosensträucher in allen nur denkbaren Farben.

In Mildura fanden wir dann auch Trevor und Evie, füllten uns und unseren Wagen auf und machten uns wieder auf den Weg. Die Straße von Mildura nach Broken Hill ist leider, leider geteert. Die Landschaft ist trocken, mit größtenteils niedrig wachsender Vegetation und mal mehr, mal weniger hügelig. Obwohl ein Schild vor kreuzenden Kängurus auf den nächsten 300 km warnt, sahen wir – zum Glück! – keines. Eine Baustelle kurz vor Broken Hill bescherte uns eine unfreiwillige aber nicht unwillkommene Pause, da wir auf ein Leitfahrzeug warten mussten, um uns durchzuführen. Entlang des Weges sahen wir immer mal Schafe, Greifvögel, sowie ein paar Esel und Ziegen.

Unser Campingplatz in B.H. hat schöne große Stellplätze. Da wir zwei nebeneinander haben wollten, standen wir auf Kies – bei den Grasplätzen gab es nur noch einzeln verstreute Stellplätze. Nur Evie bedauerte dies nicht. Wir schon, mussten wir doch ständig die Steinchen aus dem Profil unserer Stiefel pulen. Die Nächte waren kalt und sternenklar. Direkt gegenüber waren ein Gemeinschaftsgasgrill und der Swimming Pool. Zwei Mädels von vielleicht 15-16 Jahren gingen tatsächlich so gegen 20h00 dort baden – während wir Weicheier in langen Hosen, Schuhen und Fließpullovern da saßen.

 

19.10. Broken Hill & Silverton

Unser Weg führte uns zunächst ins Visitor Center, wo man uns empfahl, die Sculpture Site anzusehen. Skulpturen in der Wüste – der Gedanke mag befremdlich klingen, aber es ist sehr schön! Die Skulpturen stehen auf einem Hügel (den es zu Fuß zu erklimmen gilt). Von diesem Hügel aus hat man einen schönen Blick über die Umgebung bis Broken Hill. Die Skulpturen passen irgendwie in die raue Wüstenlandschaft. Einige sind esoterisch angehaucht, andere stellen Tiere dar (z. B. der Pferdekopf).

Dort oben sahen wir auch unsere ersten lebenden Shingleback Lizards. Sie erinnern entfernt von der Form her an die Gila Monster der USA, sind aber nicht giftig. Allerdings sollen ihre Bisse trotzdem sehr schmerzhaft sein. Diese beiden waren jedoch nur daran interessiert, sich vor unseren neugierigen Blicken zu verstecken.

Danach ging es zur Pro Hart Gallery, in der man nicht nur seine eigenen Bilder sehen und kaufen kann. Vor dem Haus steht ein von ihm bemalter Cadillac (?), sehr sehenswert!

Auch der Galerie von Jack Absolom statteten wir einen Besuch ab. Seine Landschaftsbilder Australiens gefallen uns außerordentlich gut, und wir kauften denn auch vier Drucke. Die Originale lagen außerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten. Und die Drucke wurden von ihm persönlich noch einmal signiert, er war gerade dort. Wir wählten Motive von Gegenden, in denen wir schon selber gewesen waren.

Nach dem Mittagessen machten wir uns auf den Weg nach Silverton, ca. 20 km außerhalb von Broken Hill. Silverton ist eine Geisterstadt, viele Gebäude gibt es nicht, und diese beherbergen ein paar kleine Souvenirgeschäfte. Außerdem gibt es den berühmten Silverton Pub. Der Pub ist ein beliebter Drehort. Man kann ihn so aufnehmen, dass es aussieht, als stünde er ganz allein mitten in der Wüste. Für die unterschiedlichsten Filme wurde er schon ‚verkleidet’, d.h. bekam andere Namen, eine falsche Fassade aufgesetzt, einen falschen Anbau…. Auch Mad Max II wurde dort gedreht und der Mustang von Mad Max steht vor dem Pub.

Das alte Gefängnis ist ebenfalls sehr interessant. Man kann nicht nur ehemalige Zellen besichtigen und den kleinen Hof für die weiblichen Gefangenen. In den verschiedenen Räumen und einem Innenhof sind alle möglichen Gegenstände des täglichen Lebens aus dem 19. und 20. Jahrhundert ausgestellt. Und dort sahen wir noch einmal zwei Shinglebacks. Auch diese verzogen sich unseren Blicken. Shinglebacks bewegen sich recht langsam (zumindest die vier an diesem Tag gesichteten) taten es, so dass es kein Problem war, sie zu filmen und zu fotografieren.

Die Peter Browne Art Gallery in Silverton ist ebenfalls einen Besuch wert. Seine gemalten Figuren erinnern an Strichmännchen, er malt Outback-Motive.

 

20.10. Broken Hill - Yunta - Cradock - Wilpena Pound (Flinders Ranges NP, South Australia)

Wir fuhren zunächst 192 km geteerten Highway bis Yunta. Im Roadhouse holten wir uns leckere Sandwichs zur Stärkung, bevor wir nach rechts auf die ungeteerten Straßen abbogen. Wir hatten uns die Strecke nach Cradock (dort wieder Asphalt) so ausgesucht, dass wir nicht die direkt Strecke nahmen, sondern einen kleinen Schlenker gen Norden einbauten, um so lange wie möglich auf Dreck fahren zu können. Als Treffpunkt wurde der Übergang von Dreck auf Asphalt vereinbart. Nun ja….

Die Strecke ist zunächst als „Major Road“ ausgewiesen, der Grader war gerade bei der Arbeit. Im Anschluss gab es eine Strecke mit engen und steilen Flussüberquerungen. Wir sahen ein paar Emus und hielten kurz an, um den ca. 3 m hohen Blütenstand einer Agave zu fotografieren. Trevor und Evie schlossen auf und wir klönten ein paar Minuten bevor es weiterging. Es gab auch ein paar Tore zu öffnen und zu schließen. Trevor und Evie fielen langsam zurück, denn ohne Hänger waren wir doch ein bisschen schneller.

An der Stelle, an der die Dirt Road auf den Highway mündet, hielten wir an, um auf Trevor und Evie zu warten, die ja nicht allzu weit zurückgefallen sein konnten. Es war heiß, und wir wollten eigentlich die Wartezeit draußen, im Schatten des Wagens verbringen, nahmen aber schnell davon Abstand, denn es wimmelte nur so von Buschfliegen! So etwas hatten wir noch nicht erlebt! Also wieder rein in den Wagen, Fenster zu und schwitzen. Torsten musste eines natürlichen Bedürfnisses wegen dann noch mal aussteigen und stand binnen Sekunden in einer schwarzen Wolke. Nach ca. 45 Minuten fuhren wir die Dirt Road wieder ein Stück zurück, um die Straße jenseits der Kurve besser einsehen zu können und stellten uns in den Schatten eines großen Eukalyptus. So langsam fragten wir uns, wo die beiden blieben. Nach weiteren 15 Minuten entschlossen wir uns, den Highway ein Stück in Richtung Ort zu fahren. Wir hatten noch keine fünf Wagenlängen Teer unter den Rädern, da sahen wir rechts eine Kneipe und ein kleines Stückchen weiter, am Straßenrand im Halbschatten – Trevor und Evie. Sie standen auch schon seit einer Stunde dort, hatten an einer Gabelung der Dirt Road versehentlich die linke statt die rechte Gabel genommen. So kommen sie etwas weiter unterhalb unseres eigentlichen Treffpunktes auf den Highway. Ein Zeitabgleich ergab dann, das sie kurz vor unserer Ankunft am Treffpunkt dort vorbeigefahren waren…. Da hätten wir alle noch lange warten können! Na, wir waren ja im Urlaub, aber ärgerlich war es schon – wegen der Fliegen.

Weiter also nach Wilpena Pound. Bei Einfahrt in den Flinders Ranges NP zahlt man an einem Büdchen seine Parkgebühr mittels Bargeld und Umschlag und hat so einen Abriss, den man gut sichtbar aufs Armaturenbrett legen muss. Der Campingplatz am Wilpena Pound ist sehr schön, viele Bäume, Gas-Grills, Duschen und Toiletten. Kein Strom am Stellplatz, aber dafür ein Wasserhahn. Die Stellplätze waren sehr gemütlich. Hinter uns war nur noch der Fahrweg, und dahinter ein Hügel. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, gönnten wir uns erst mal ein Bierchen. Am Hügelhang graste ein Känguru, das sich nicht mal durch Spaziergänger, die den Hügel herunterkamen, stören ließ. Um uns herum zwitscherten Papageien und Sittiche. Ein Halsbandsittich landete neben unserem Auto, um ein uns unbekanntes Unkraut zu fressen und ließ sich durch nichts – nicht einmal durchs Blitzlicht vom Fotoapparat (es fing schon an zu dämmern) stören.

21.10. Wilpena Pound

Nach dem Frühstück wanderten wir mit Kameras und Wasserflaschen bewaffnet zur verlassenen Hills Homestead im Krater. Nick, den wir am Abend vorher kennen gelernt hatten, trafen wir unterwegs – er hatte auch noch seine Gitarre dabei. Auf dem Weg zur Homestead wurde uns ganz schön warm, aber der Lookout (halbwegs den Kraterrand hoch) entschädigte uns: ein wunderschöner Blick über den ganzen Krater, Sonne, eine kleine Brise, keine Fliegen! Nach einer Pause von gut einer halben Stunde gingen wir gemütlich wieder zurück. Auf dem Rückweg kam uns eine Gruppe älterer Aussies entgegen. Ein Stück weiter trafen wir auf zwei alte Damen, die sich entschlossen hatten, zum Bus zurück zu gehen, da ihnen der Weg in den Krater hinein doch zu lang wurde. Dummerweise hatte niemand aus ihrer Gruppe daran gedacht, ihnen Wasser mitzugeben, so dass die beiden sehr erleichtert waren, als wir auftauchten. Trevor und Evie hatten noch Wasser übrig und gaben ihnen gleich etwas zu trinken. Sie begleiteten dann die erschöpften Frauen langsam zu ihrem Reisebus zurück, während wir schon einmal vorgingen, um im Shop noch ein paar Sachen einzukaufen.

Bei Rückkehr zu unseren Stellplätzen erwartete Trevor und Evie eine nicht so schöne Überraschung: irgendwie hatten sie aus Versehen das Licht am Auto eingeschaltet und die Batterie (an der auch der Kühlschrank hängt) war leer. Wir gaben ihnen Starthilfe (unser Auto – Trevors Kabel) und fuhren nachmittags mit beiden Autos zum Sacred Canyon. Innerhalb des Parks sind übrigens alle Straßen ungeteert! Das letzte Stück vom Parkplatz aus muss man zu Fuß gehen. So war der Plan. Leider entschied sich Trevors Autobatterie beim Einfahren auf den Parkplatz dazu, schon wieder den Geist aufzugeben. Der Übeltäter war diesmal eine herausgesprungene Sicherung. Wir gaben wieder Starthilfe und folgten ihnen dann bis zum Campingplatz. Die beiden machten dann noch eine kleine Batterieladefahrt und kehrten rechtzeitig zum Abendessen zurück.

 

22.10. Wilpena Pound – Angorichina Tourist Village

Es gab keine fahrtechnischen Schwierigkeiten, dafür viel Wind. Die Fahrt entlang und durch die verschiedenen Schluchten (Banyeroo, Brachina, Parachilna Gorges) ist wunderschön! Der Weg durch die Brachina Gorge ist besonderes malerisch. Die Schlucht ist teilweise recht eng, die Straße windet sich entlang eines nur zum Teil Wasser führenden Flusses. Hin und wieder fuhren wir durch größere Pfützen hindurch, um den Fluss (oder sollte man Bach sagen?) zu überqueren. Das Angorichina Tourist Village ist recht einfach eingerichtet. Leider gibt es noch keine schattigen Stellplätze, denn die angepflanzten Bäume sind noch klein. Die Stellplätze an sich (es gibt welche mit und ohne Strom) sind recht groß, man steht auf Schotter. Der Ausblick auf die Ranges ist wunderschön!

Die Duschen – jeweils drei an der Zahl – sind sauber, die Toiletten sind separat nebenan, klein, aber ebenfalls sauber. Claudia machte sich sofort ans Wäsche waschen. Besonders das Aufhängen der Wäsche war extrem unangenehm, da es dort unzählige Fliegen gab, an der in einer leichten Senke gelegenen Wäscheleine noch mehr als am Stellplatz. Man hatte uns erzählt, dass es dieses Jahr mehr Fliegen gab als normal. Trevor und Evie hatten Moskitonetze, die sie über den Kopf ziehen konnten, was zwar albern aussieht, aber sehr nützlich ist. Wir bedauerten schnell, keine zu haben und Claudia flüchtete zwischendurch mal in den Wagen. Die australische Buschfliege überträgt zwar keine Krankheiten, aber zeichnet sich aus durch Hartnäckigkeit und zielsicheres Fliegen an feuchte Körperstellen, inklusive Augen, Ohren und Nasenlöcher…. Wir kamen uns vor wie Hollywood- oder Rockstars, die von Horden kreischender Fans belagert werden.

Als die Wäsche hing, machten wir einen Spaziergang ungefähr einen Kilometer entlang des Flusses. Viel Wasser führte er nicht mehr, aber das Tal ist wirklich sehr schön. Den langen Weg bis zu den Blinman Pools machten wir nicht, das ist eher etwas für einen Tagesausflug, und außerdem war es sehr heiß. In einem Pool waren ein paar Flusskrebse unterwegs, aber sie waren zu schnell für Trevors Hand, so dass wir uns am Abend mit einem Steak zufrieden geben mussten.

Als wir zurückkamen, richtete sich eine Familie mit drei Kindern neben uns ein, und verbrachte auch den Abend mit uns. Vor allem Dillon, der vierjährige Sohn, mit Gipsarm, amüsierte uns – er war alles andere als schüchtern, erzählte lange Geschichten und philosophierte über das Leben im allgemeinen und besonderen. Er sprach jeden an, fand dann aber irgendwie Gefallen an Claudia und stelle seinen Stuhl neben ihrem auf. Im Laufe des Abends lernten wir dann, dass auf der ganzen Welt Australien das schönste Land ist, mit den giftigsten Schlangen und größten und gefährlichsten Krokodilen. Ein Krokodilzahn ist größer als der eines Tigers!

Zwei weitere Gäste waren Phil und Allison, die später auch noch auf ein Bierchen vorbeikamen.

 

23.10. Angorichina – Coward Springs

Wir legten am Morgen den schnellsten Aufbruch unseres Lebens hin, um den Fliegen zuvorzukommen. Schade eigentlich, ohne diese Plagegeister wäre der Aufenthalt deutlich schöner geworden, aber es scheint zum Glück die Ausnahme zu sein.

Unser Weg führte uns durch die Parachilna Gorge nach Parachilna, von dort weiter nach Leigh Creek, wo wir einkauften, dann nach Maree. In Maree, einem malerisch mitten in der Wüste gelegenen kleinen Ort, gönnten wir uns Hamburgers zum Mittagessen. Dann ging es auf den Oodnadatta Track, der in Maree beginnt. Wir würden ihn leider nicht ganz durchfahren. Der Oodnadatta ist einfach zu fahren, er führt über flaches bis gewelltes, trockenes Land mit wenigen Bäumen. Eines der Highlights sind die Statuen in der Wüste („statues in the desert“). Von Maree kommend, liegen sie linkerhand. Zu sehen sind bemalte Flugzeuge, die senkrecht stehend verankert sind, ein Wassertank mit Hundekopf und -schwanz, ein der Länge nach zerteilter und bemalter VW-Bus und vieles mehr. Durchaus sehenswert, und eine gute Gelegenheit, die Beine zu strecken.

Ein Abstecher nach links brachte uns zum „Bubbler“. Ein kegelförmiger Hügel mit einer Quelle, die einen kleinen, kristallklaren Pool bildet. Das Wasser kommt blubbernd aus der Erde, daher der Name. Es ist kalt, der Rand des Pools ist bewachsen, ebenso der kleine Bach, der daraus abläuft. Mit Sicherheit ein sehr beliebter Ort für die Wildtiere. Baden soll man darin übrigens nicht, es wird ausdrücklich darum gebeten. Bis man den Hügel hinaufsteigt, deutet übrigens nicht auf diese Quelle hin, die so Wundersamerweise mitten in der Wüste entspringt.

Ein Freund hatte Trevor das Bushcamp Coward Springs empfohlen. Dort fanden wir schöne, schattige Stellplätze, kalte Duschen, Dunnies (Plumpsklos) und einen natürlichen Whirlpool (von dem kleinen Fluss abgeleitet). Alles war sauber, es war sehr ruhig, die Geräusche die wir hörten kamen vom Wind in den Bäumen und im Schilf, und den unzähligen Galahs, Corellas und Krähen. Nach Einbruch der Dunkelheit richtete sich ein Reiher häuslich in den Bäumen hinter unseren Wagen ein. Riesige Motten (Flügelspannweite schätzungsweise 15 cm) besuchten uns nachts, interessierten sich aber nur für Flüssigkeit, egal ob Wasser oder Bier. Und natürlich gab es die allgegenwärtigen Fliegen, zum Glück ist nicht ganz so großen Zahlen, und außerdem hatten auch wir uns in Maree Moskitonetze gekauft.

Trevor und Torsten wurden im Laufe des Abends von unsichtbaren Plagegeistern völlig zerstochen.

 

24.10. Coward Springs - Coober Pedy

Nun wissen wir, wer der Feind von gestern Abend ist: Sandflies. Torsten hat allein auf der rechten Gesichtshälfte 100 Stiche. Evie und Claudia scheinen verschont geblieben zu sein.

Wir fuhren über William Creek nach Coober Pedy weiter. Das letzte Stück des Weges führte uns durch ein Opalminengebiet direkt bei Coober Pedy. Durch die fehlende Vegetation und die aufgeschütteten Hügel fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Der Stuart Hwy führte uns schließlich in den Ort, wo wir auf dem Opal Inn Caravan Park eincheckten. Der Platz war fast leer, so dass wir freie Wahl bei den Stellplätzen hatten. Wir wählten zwei im hinteren Teil, an der Blechwand, wo uns 2 Eukalyptusbäumchen Schatten spenden konnten.

Ein kleiner Spaziergang durch den Ort, um schon mal die Auslagen in den Opalgeschäften betrachten zu können, dann kehrten wir in den Pub des Opal Inn ein, um zu essen.

 

25.10. Coober Pedy

Auch Evie hatten die Sandflies erwischt. Bei ihr kamen die Stiche erst heute durch. Alle drei ermahnten sich gegenseitig immer wieder, nicht zu kratzen, und Claudia enthielt sich gnädigerweise jeder hämischen Bemerkung.

Wir besichtigten „Faye’s Dugout“. Faye lebte von 1961-1983 in Coober Pedy. Sie war eine echte Pionierin und brachte so manche Annehmlichkeit in den kleinen Ort mitten in der Wüste, z.B. die Flying Doctors, Pferderennen und den Golf Club, um nur einige zu nennen. Ihr Credo war, nur weil man in der Wüste lebt, müsse man nicht primitiv hausen. Sie lebt heute in Brisbane, ihr Dugout ist der Öffentlichkeit zugänglich und noch original eingerichtet. Sie hat sogar einen innen liegenden, kleinen Swimmingpool. Übrigens der erste in Coober. Die Tourist Guides leben in dem Dugout (ihre Schlafzimmer sind nicht zugänglich), führen die Leute herum, erzählen ihnen viele interessante Details und Geschichten über Faye und über Coober. Wir waren überrascht, wie angenehm es in diesem Dugout war. Fenster gibt es natürlich nur in wenigen Räumen, in diesem Fall in der Küche und in dem Zimmer mit dem Pool. Letzteres ist nur halb unterirdisch, und drinnen war es deutlich wärmer als in den anderen Räumen. Aber in jedem Raum sind Lüftungsschächte, so dass die Luft im ganzen Dugout frisch war. Zudem liegt die Temperatur in einem Dugout permanent zwischen 20 und 25 Grad, ohne Heizung oder Kühlung.

Anschließend besichtigten wir mit einer anderen kleinen Besuchergruppe noch Faye’s Mine, die neben dem Dugout liegt. Nach der brütenden Hitze draussen erwarteten uns im Stollen angenehme Temperaturen und erstaunlich frische Luft. Eine Eidechse hatte sich häuslich auf einem kleinen Vorsprung in der Wand niedergelassen. Nach ein paar Erklärungen zum Opalabbau war die Führung zu Ende. Unser Urteil: sehr zu empfehlen!

Wir fuhren noch einmal zu unserem Lieblings-Opalladen, dem Opal Cutter, und kauften ein paar Kleinigkeiten. Kleinigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes, dort findet man alles von kleinen Souvenirs zu drei Dollar bis zu wunderschönen Schmuckstücken für mehrere Tausend Dollar.

Abends wurden wir verwöhnt, es gab Braised Steak and Vegies (Stew), von Evie gekocht, und schmeckte superlecker!

 

26.10. Coober Pedy - Port Augusta

Auch Claudia hatte heute ein paar (10-20) Sandfly-Stiche auf den Armen. Die Dinger jucken aber auch wirklich wie die Pest!

Die beiden vorhergehenden Tage waren sehr heiß. Morgens begrüßte uns ein wolkenverhangener Himmel, kühlere Temperaturen (immer noch in Shorts und T-Shirt zu ertragen, aber trotzdem) und starker Wind.

Während der Fahrt gab es den einen oder anderen Schauer. Die Faszination, die wir bei unserem ersten Australien-Urlaub empfunden hatten, als wir den Stuart Hwy fuhren, stellte sich zumindest auf diesem Stück nicht mehr ein. Das Land lag flach bis hügelig und relativ unbegrünt unter dem bleifarbenen Himmel. Erst mittags sahen wir immer wieder Wildblumenfelder, die sich mit ihrem kräftigen Gelb, Blau oder Weiß von der braunroten Erde abhoben.

In Port Augusta war es kühl und stark windig, ab und zu kamen ein paar Tropfen herunter. Abends zogen wir uns an den überdachten Gas Grill zurück. Dort ließ es sich aushalten. Wir waren trotzdem recht früh im Bett.

 

27.10. Port Augusta (S.A.) - Renmark (VIC)

Der Morgen in P.A. war immer noch kühl und windig. Wir machten uns schnell auf den Weg, zunächst aus der Stadt raus, dann links ab in die South Flinders Ranges. Sobald wir in den Ranges waren, ließ der Wind nach, die Sonne kam raus und die Temperaturen wurden angenehm. In Burra machten wir Mittagspause. Am Fluss sitzt man sehr schön, es gibt auch Sitzbänke. Teilweise mit Schilf bewachsenes Ufer, der träge vorbeimurmelnde kleine Fluss, und viele Wasservögel (verschiedenen Entenarten, Gänse, Schwäne, Blässhühner). Vorher trafen wir Phil und Allison (aus Angorichina), die schon wieder Richtung Heimat unterwegs sind. Ja ja, das Outback ist doch kleiner, als man denkt.

In Renmark gibt es zwei Campingplätze direkt am Murray. Wir entschieden uns für den „Riverbend“, wo wir einen schönen großen Platz für uns fanden. Man steht auf Gras, was nach all dem Staub ganz angenehm war. Auch hier gab es unzählige Wasservögel. Zwei Pelikane waren auch dort, der eine machte gerade ein Nickerchen auf einem umgefallenen Baumstamm und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Als wir unsere Wagen auf dem Platz abgestellt hatten und ausstiegen, griff uns ein mutiger Gänserich an, der sein Harem schützen wollte. Es wirkte aber nicht sehr bedrohlich, da seine Gattung, eine Wildgansrasse, nicht größer ist als die gemeine Hausente. Trotzdem waren wir beeindruckt. Nachdem er seinen Standpunkt klar gemacht hatte, zogen er und seine Damen, unwillige Blicke um sich werfend, weiter.

Zwei Erpel (irgendeine Hausentenrasse), fanden Gefallen an uns, ebenso wie eine Pacific Black Duck Ente mit ihren drei Küken. Die Entenmama führte ihre Kleinen zum gut gedeckten Tisch und verjagte gnadenlose jeder anders gefiederte Wesen, das sich uns oder den Kleinen auf mehr als zwei Meter näherte.

Kaum war es dunkel, und kaum stand etwas Essbares auf dem Tisch, kamen die Possums. Fünf Stück ließen sich von uns mit Obst füttern. Vor allem eines war ziemlich frech, es kletterte Torsten mal den Rücken und Trevor am Bein hoch, ließ sich auf gerade unbesetzten Stühlen nieder, und kletterte sogar auf den Tisch. An beiden Abenden kamen die Possums, am zweiten Abend sogar eine Mutter mit einem Baby auf dem Rücken. Filmen konnten wir nicht, dazu war es ja zu dunkel, aber unsere Digicam machte brav Fotos. Die Possums störte das Blitzlicht überhaupt nicht, allerdings musste man quasi ins Leere und auf gut Glück abdrücken, da man durch den Sucher nichts sehen konnte.

Die beiden Erpel schliefen an beiden Abenden nur ein paar Meter von unseren Wagen entfernt auf dem Rasen. Jeden Abend, so gegen 22-23 Uhr, kamen sie quakend zu uns rübergewatschelt, um sich ihr Betthupferl abzuholen.

Auch die Sumpfhühner holten sich tagsüber ihre Ration Brot ab, es sieht wirklich zu witzig aus, wenn sie Essbares mit ihren ewig langen Zehen festhalten und zum Schnabel führen! Indische Beos wollten auch ihren Anteil haben und flogen der Einfachheit halber das Brot an, während wir es noch in den Händen hielten.

28.10. Renmark

Wir besichtigten Bredl’s Reptile Park. Es handelt sich hier nicht um Rob Bredl, den „barfüssigen Buschmann“, der einen Wildlife Park in Airlie Beach (Qld) hat, sondern um seinen Bruder. Als wir ankamen, war weit und breit niemand zu sehen. An der Kasse stand ein Schild, Besucher sollten ruhig reingehen, er sei gerade im Park beschäftigt und würde uns schon finden. Die Gehege liegen verstreut auf einem mit Gras bewachsenen Gelände. Zu sehen gibt es neben Affen vieles einheimische Getier: Warane, Echsen, Schlangen, Kängurus, Papageien, Wasservögel, Dingos…. Der Chef des Hauses war gerade dabei, die Würgeschlangen-Gehege zu säubern und hatte eine Python draussen ‚abgelegt’. Wir unterhielten uns mit ihm und streichelten die Schlange, die sich liebend gerne in den Schatten unter seinem Pick Up zurückgezogen hätte. Kurze Zeit später kam eine Klasse Schulkinder, für die eine andere Python herausgeholt wurde. Diese Python fraß gerade, so dass die Kinder nicht nur viele Fakten über Schlangen erfuhren, sondern auch noch einer bei ihrer Mahlzeit zusehen konnten. Wir durften auch dabei bleiben und kamen so zu einigen schönen Fotos.

Als wir den Park wieder verließen, stand ein junges Mädchen an der Kasse und wir bezahlten natürlich brav.

Anschließend bummelten wir noch ein bisschen durch die Geschäfte, kauften was fürs Abendessen und machten uns dann wieder auf den Rückweg.

Wieder auf dem Campingplatz angekommen, ließen wir uns gemütlich vor unseren Wagen nieder. Nebenan baute eine junge Frau ihr Zelt auf. Trevor ging hinüber, um mit seiner Schaufel die Hinterlassenschaften der Gänse und Enten auf ihrem Stellplatz zu beseitigen. Dabei stellte sich heraus, dass Deirdre eine Nachbarin von Trevors Mutter war. Trevor kannte sie schon, seit sie ein kleines Mädchen war, aber die beiden hatten sich nicht sofort wieder erkannt. Auch Deirdre war auf dem Weg nach Bendigo. Sie kam zum Abendessen zu uns rüber und wir hatten einen sehr netten Abend zu fünft.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass bei allen drei Urlauben mit Evie und Trevor die beiden mindestens einmal (meistens mehrfach) auf Leute aus Bendigo gestoßen sind.

 

29.10. Renmark - Bendigo

Die Fahrt war ohne besondere Vorkommnisse. Wir fuhren zügig durch und machten nur einen kurze Lunchpause am Ufer des Murray. In Bendigo bereiten uns Evie und Trevor ein letztes Mal ein Aussie-BBQ mit Würstchen, Steaks, Lammkoteletts, gebratenen Kartoffeln und Kürbis und natürlich kaltem Bier.

30.10. Bendigo - Melbourne & Abflug

Zum Frühstück fuhr Trevor extra noch zum Bäcker, um uns leckere Teilchen zu kaufen. Leider sollte es eine Überraschung sein und so hatten wir schon Speck und Rührei gegessen, als er zurückkam. Torsten schaffte sein Teilchen noch, Claudia aß ihres dann später als Nachtisch auf dem Flug.

Dann hieß es mal wieder Wagen abgeben und zum Flughafen fahren. Trevor und Evie blieben noch bei uns, bis wir einchecken mussten.

Beim Sicherheits-Check des Handgepäcks wurde Claudia herausgerufen: sie hatte blöderweise noch die als Mitbringsel in Coober Pedy gekauften Brieföffner im Handgepäck. Also: Brieföffner in den Gewahrsam eines Beamten, Umschlag und Briefmarken kaufen, an uns adressieren, Brieföffner rein und der Beamte gab sie auf.

Zehn Tage später kamen sie wohlbehalten bei uns zuhause an.

2005 wird es keinen Australien-Urlaub geben, da Evie und Trevor uns in Europa besuchen werden.

Dies war zweifellos ein Urlaub der ganz besonderen Art, den wir auch auf ganz besondere Weise genossen haben. 

Danke, Evie und Trevor – für Eure Freundschaft, und dafür, dass Ihr uns den Urlaub so schön gestaltet habt.

Auch ihre Familie hat zu dem besonderen Erlebnis beigetragen.

 

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