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Lonely
Planet City Guide
Gut
gelandet. Der Flug mit Lauda Air war angenehm, die Flugverbindungen mit kurzen
Umsteigezeiten.
In Sydney
war es sonnig und warm. Der Taxifahrer fand zunächst das Hotel nicht, setzte
uns schließlich in einer Seitenstraße gegenüber ab. Wir landeten irrtümlich
in einer Seniorenresidenz, bemerkten unseren Irrtum aber glücklicherweise
noch bevor uns ein Zimmer zugewiesen wurde. Nach dem langen Flug und der
entsprechenden Müdigkeit hätte man aufgrund unseres Allgemeinzustandes womöglich
für völlig normal gehalten, dass wir ins Seniorenheim ziehen…
Im Hotel
haben wir das Zimmer gewechselt, das zweite war größer, schöner und rauchen
durften wir auch. Zum Abendessen ging es zu Fuß um den Hyde Park herum ins
Hard Rock Café.
Das Rauchen
in Pubs und Restaurants ist in Sydney nicht mehr erlaubt. Vor einem kleinen
Restaurant hatten sie für die Raucher eine nette Raucherecke eingerichtet,
mit bequemen Stühlen, Tisch und Aschenbecher.
Nach einem
ausgiebigen Frühstück am gut bestückten Buffet machten wir uns zu Fuß auf
zum Sydney Harbour. Es tat gut, die Beine zu strecken und bis zum Circular
Quay sind es nur 30 Minuten zu Fuß. Kaum dort angekommen, kauften wir uns
Tickets für eine Harbour Cruise mit Captain Cook Cruises (AU$ 20/Person) und
verbrachten die Wartezeit bis zum Ablegen damit, uns die Auslagen der
Souvenirgeschäfte anzusehen und in der Sonne zu sitzen. Auf dem Schiff
setzten wir uns aufs Oberdeck. Wir wurden eine Stunde lang durch Sydney und
Darling Harbours gefahren. Wir überlegten kurz, ob wir eine Zwischenstopp
machen und uns noch einmal das Aquarium ansehen sollten, aber unsere inneren
Schweinhunde wollten lieber auf dem Deck in der Sonne sitzen bleiben. Eine
sehr schöne und informative Tour, empfehlenswert! Hinterher bummelten wir
durch The Rocks, nahmen einen Burger zu uns und schlenderten dann Richtung
Hotel zurück. Auf dem Weg kauften wir uns noch neue Handys, die im Angebot
waren, in einem Vodafone Shop.
Abendessen
gab es wieder im HRC, die Ribs dort sind superlecker!
Unser Timing
zum Frühstück war hervorragend: die große japanische Reisegruppe, die am
Vorabend angekommen war, war gerade mit dem Essen fertig. Die junge Dame an
der Rezeption des Speisesaals sah etwas gestresst aus. Im Saal selber sah es
aus, als sei eine Bombe eingeschlagen: Tische und Böden waren voller Krümel,
Bestecke und Servietten. Das Büffet war abgegrast. Wir tranken erst mal einen
Kaffee und warteten auf das Nachfüllen der leeren Schüsseln und Körbe, was
nur ein paar Minuten dauerte.
Ein sehr
netter Taxifahrer, ein eingewanderter Libanese mit Verwandtschaft in
Deutschland, brachte uns zum Flughafen, wo wir uns am Abflugterminal mit
Trevor und Evie verabredet hatten. Die beiden saßen schon vor dem Café. Nach
ausgiebiger und herzlicher Begrüßung machten wir uns auf den Weg nach
Narooma, einem kleinen Örtchen ca. 350 km südlich von Sydney an der Küste.
Wir nahmen uns Zeit auf dem Weg dorthin, um die Küstenlandschaft zu genießen,
Fotostops und einen Lunch Stop einzulegen. Das Wetter war wieder sonnig und
mild. Wir sahen schöne Sandstrände und teilweise raue Felsküste. Insgesamt
ist dieser Küstenabschnitt landschaftlich sehr reizvoll, er erinnert
streckenweise mit seinen grünen Hügeln an Europa.
In Narooma
angekommen mussten Trevor und Evie noch ihre Klamotten aus dem bisher mit Lyn,
Keith und Dot geteilten Apartment umziehen in das, in dem wir vier nun ein
paar Tage verbringen sollten. Lyn und Dot hatten für uns mitgekocht und
brachten unser Abendessen später rüber. Das Apartment ist schön, mit 2
Schlafzimmern, großer Küche, Fernsehecke, Bad mit Waschmaschine und einem
Balkon.
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7.10.
Narooma & Montague Island
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Trevor,
Keith, Dot und wir beide fuhren mit Trevors Motorboot Richtung Montague Island
Nature Reserve. Die Insel ist Narooma vorgelagert, Hauptattraktion ist eine
große Seelöwenkolonie. Der Weg aus dem Hafen von Narooma heraus (und wieder
hinein) ist nicht ganz einfach zu fahren, da die Einfahrt sehr eng ist. Für
Trevor natürlich kein Problem, sie kommen schon seit 18 Jahren zum Fischen
nach Narooma. Die See war rau, der Wind hatte 30 Knoten (ca. 60 km/h) und nahm
zu. Wir wurden mehr oder weniger stark durchnässt. Claudia saß die ganze
Zeit tapfer hinten und war am Ende tropfnass – trotz Regenjacke. Allerdings
sitzt man hinten im Boot am ruhigsten, es war auch nicht so kalt, also ließ
es sich gerade so aushalten. Leider mussten wir wegen der Verhältnisse
unterwegs umkehren, um noch sicher in die Hafeneinfahrt zurückzukommen. Wegen
der unruhigen See hatten wir weder Seelöwen noch Wale ausgemacht, aber einige
Delfine kamen dicht an uns heran. Der Wind frischte immer mehr auf, Schauer
und Sturm wurden angesagt.
Beim Anlegen
fiel Keith auch noch ins Wasser, der Arme. Er nahm es gelassen und fuhr zum
Apartment um sich umzuziehen. Wir drehten noch eine Runde im Hafen und legten
an anderer Stelle an, wo Keith uns mit dem Auto erwartete. Dort sahen ein paar
Ausflügler und ein Pelikan interessiert dabei zu, wie die Männer das Boot
auf den Anhänger verluden. Claudia genoss die heiße Dusche ganz besonders!
Alles in allem hatte die Fahrt aber Spaß gemacht.
Wir nutzten
den sonnigen, warmen Tag zur Besichtigung des Mogo Zoos. Er ist relativ klein,
aber nett angelegt. Die neueste Attraktion sind weiße Löwen, noch Jungtiere.
Ein Männchen und zwei Weibchen. Irgendwie passten wir auch alle sieben in den
Landcruiser.
Abends ging
es ab in den Golf Club zum Essen. Das mag sich edel anhören, ist es aber
nicht, da Golf in Australien wirklich ein Volkssport ist. Golf Clubs in der
Provinz sind so meist sehr gemütlich und familiär. Der von Narooma hat
Sonderangebote fürs Abendessen, auch für Nicht-Mitglieder und ein kleines
Spielcasino mit einarmigen Banditen. Das Büffet-Dinner kostete uns schlappe
10 AU$ pro Person plus Getränke. Bei der Tombola haben wir leider nichts
gewonnen. Evie, Lyn und Dot versuchten noch ihr Glück an den einarmigen
Banditen. Die Männer und Claudia ließen sich lieber an der Bar nieder, um
die lokale Wirtschaft zu unterstützen.
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9.10.
Narooma, Montague Island & Tilba
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Morgens
fuhren wir noch einmal zur Insel raus. Das Wetter war deutlich besser als zwei
Tage zuvor, die See ruhiger und die Fahrt machte noch mal so viel Spaß! Auf
dem Weg zur Insel sahen wir Delfine, einen Wal aus der Ferne (bzw. sein
Blasen), viele verschiedene, uns zum größten Teil unbekannte Seevögel,
fliegende Fische und auch eine paar Seelöwen auf der Fischjagd. Vor der Insel
dümpelten wir dann vor uns hin, um die Seelöwen zu filmen und zu
fotografieren. Man riecht sie übrigens schon eine ganze Weile bevor man an
der Insel ist, bzw. ihren Kot auf ihren felsigen Ruheplätzen. Es war ein sehr
schönes Erlebnis, von Delfinen begleitet und vor der Insel von Seelöwen
umringt! Außerdem bekamen wir Kormorane, Pelikane und Albatrosse zu Gesicht.
Und, falls Claudia sich nicht verguckt hat, Seeschwalben.
Nachmittags
fuhren wir dann ein Stück die Küste Richtung Süden entlang. Bei Bermagui
machten wir einen kurzen Fotostopp. Die Sonne schien zwar, aber der Wind war
kalt und so fuhren wir schnell weiter. Die Steilküste dort ist sehr reizvoll,
und im Wind waren die Wellen, die sich an den Felsen brachen und sie in ihre
Gischt einhüllten, recht beeindruckend.
In Tilba,
einem kleinen touristischen Ort abseits der Küste, konnten wir uns nicht satt
sehen an den wunderschönen Holzarbeiten eines kleinen Ladens. Dort bekommt
man alles: Geschirr, Souvenirs, Dekorstücke und Möbel. Alles handgearbeitet
aus einheimischen Hölzern und alles massiv. Wir hätten am liebsten den
ganzen Laden leer gekauft, aber dazu fehlt uns der Lottogewinn! Auch Keith
konnte sich nicht los reißen.
Abends ging
es wieder in den Golf Club zum 10 AU$ Büffet und Lyn gewann in der Tombola
eine Meeresfrüchteplatte. Die Shrimps wurden noch am gleichen Abend verzehrt.
Mittags
kamen übrigens zwei Allfarb-Loris auf unseren Balkon. Sie waren überhaupt
nicht scheu und so konnten wir ein paar wunderschöne Fotos und Filmaufnahmen
machen.
Heute hieß
es vorläufig Abschied nehmen von Lyn und Keith, die wieder nach Bendigo zurückfuhren.
Dot fuhr mit uns vier noch nach Port Albert in Victoria, in Trevors und Evies
Ferienhaus. Das Wetter war uns mal wieder wohl gesonnen, es war warm und
sonnig. Die Landschaft erinnerte teilweise an die Schweiz, saftiggrüne, hügelige
Weiden mit Rindvieh bestückt. Wir nahmen uns Zeit, machten eine längere
Pause in Lakes Entrance – wo Dot und Claudia beim Waten in der Brandung von
einer heimtückischen Welle bis zur Hüfte durchnässt wurden. Die anderen
drei kriegten sich gar nicht mehr ein und bedauerten unendlich, gerade nicht
die Videokameras schussbereit gehabt zu haben. Na ja, die zwei nahmen es mit
Humor, es war ja auch warm und sie trockneten schnell wieder.
In Port
Albert angekommen war es bereits dunkel, so dass wir nicht mehr viel vom Ort
sahen und nur noch zwecks Nahrungsaufnahme und Billardspielen in den örtlichen
Pub fuhren.
Übrigens ein guter Tipp: wer gut, bodenständig und billig essen möchte,
suche sich einen Pub. Die Portionen dort sind in der Regel sehr reichhaltig. Für
Vegetarier ist es allerdings nichts, denn typisches australisches Pub Essen
enthält nun mal viel Fleisch. In diesem Pub hatte man die Wahl zwischen einer
ganzen oder einer halben Portion. Claudia nahm den halben Grillteller, der so
aussah: 2 Würstchen, ein kleines Steak, ein Lammkotelett, Fritten und Gemüse.
Torsten und Trevor nahmen – natürlich – die ganze Portion. Billard
spielen macht halt hungrig….
Eigentlich
wollten die Männer heute fischen, aber die See spielte mal wieder nicht mit,
sie war zu rau. Also fuhren wir ein wenig zum Landschafts-Sightseeing in der
Gegend rum, bestaunten den einheimischen Bierflaschen-Strauch (kleiner
Insider), saßen am Strand und aßen superleckere Meat Pies zu Mittag. An
einem fast menschenleeren Strand waren außer uns nur noch ein Angler und
seine Frau. Der Angler sprach uns an, es war ein ausgewanderter Grieche. Er
hatte schon ein paar lecker aussehende Fische gefangen. Trevor hatte
dummerweise seine Angeln im Ferienhaus gelassen. Außer dem Angler und seiner
Frau gab es an dem Strand noch March Flies (Bremsen), aber wir hatten zum Glück
Aerogard-Spray im Auto.
Spontan
entschieden wir aufgrund des weiterhin angesagten rauen Seegangs noch am
gleichen Tag nach Bendigo zurückzufahren, mit Abstecher nach Philipp Island
zur Pinguin Parade. Das Auto war schnell beladen, das Boot blieb in Port
Albert zurück.
Die Pinguin
Parade in Philipp Island ist in Privatbesitz. Dort kommen jeden Abend kleine
Pinguine (Fairy Penguins) an Land um zu ihren Nestern zurückzukehren. Für 16
AU$ / Erwachsener darf man sich das Schauspiel am Strand ansehen. Geboten
wird: eine Beton-Tribüne ohne Sitzkissen, aber dafür mit Foto- und
Filmverbot. Aufpasser sorgen wie die Schießhunde dafür, dass sich jeder an
dieses Verbot hält. Für ein paar Dollar mehr gibt es auch noch Tribünen, an
denen die Pinguine näher vorbeikommen. Von der Haupttribüne aus ist man
nicht sehr nah an den Pinguinen dran, aber das Anlanden ist ganz niedlich, vor
allem wenn sie erst mal wieder von der Brandung ein Stück ins Wasser zurückgezogen
werden. Im Souvenirshop kann man dann noch einmal viel Geld loswerden für
alle möglichen Souvenirs, Snacks und Fotomontagen (Du mit den Pinguinen…).
Nach der Show und einem Happen im Dorf machten wir uns dann auf den
Heimweg. Um ein Uhr nachts kamen wir in Bendigo an und saßen nach Abliefern
von Dot und Ausladen des Autos noch in der Küche zusammen.
Bendigo war
und ist eine Goldminenstadt mit heute ca. 90.000 Einwohnern. Im Zentrum gibt
es wunderschöne viktorianische Gebäude.
Wir nahmen
teil an einer geführten Tour der Central Deborah Mine. Haben leider kein Gold
gefunden, aber die Führung ist sehr interessant, oberirdisch kann man noch
Gebäude besichtigen, wie die Minenarbeiter außerhalb der Mine versorgt
wurden (Umkleideräume, Sanitätszimmer etc.). Unter Tage wird einem dann
genau erklärt, wie Gold abgebaut wurde und welche Änderungen es im Laufe der
Jahre gab. Natürlich kann man auch Gold kaufen, wenn man denn zuviel Geld
hat.
Im
Wesentlichen machten wir uns aber ein paar ruhige Tage mit Besuchen hier und
dort, viel gutem Essen und gemütlichen Besichtigungen des Ortes.
Außerdem
sahen wir Eastern Grey Kangaroos, die jeden Abend auf die gleichen Weiden in
den Vororten kommen.
Einen Tag
nutzten wir zu einem Ausflug nach Echuca am Murray River. Dort wurde die
TV-Serie „All the Rivers Run“ (deutscher Titel ist uns leider entfallen)
gedreht. Nach einem gemütlichen Bummel durch den Ort und die ehemalige
Serienkulisse am Fluss mit ihren Souvenir- und Handwerksgeschäften machten
wir eine Ausflugsfahrt mit der „Canberra“ den Murray runter und rauf. So
ein kleiner Schaufelraddampfer hat etwas ungeheuer Gemütliches, wenn es auch
direkt neben der Maschine sehr laut ist. Da das Wetter gut war, hielten wir
uns auf dem Oberdeck auf und genossen die Fahrt. Dort, wo wir entlang
dampften, waren die Ufer des Murray auf einer Seite teilweise sehr steil und
hoch. Dort ist der Murray vielleicht 30 Meter breit und unbegradigt. Wir sahen
einige kleinere Boote und am Ufer vertäute Hausboote, die man mieten kann.
Sicherlich nicht die schlechteste Idee für einen gemütlichen Urlaub! Im
Fluss kann man auch gut angeln.
Eine Brücke
über den Murray trennt Victoria und New South Wales voneinander. Sie wurde
nie offiziell eingeweiht, denn man konnte sich nicht einigen, welcher Bürgermeister
welchen Ortes es nun tun sollte – beide Staaten wollten die Ehre für sich
verbuchen. Irgendwann riss den Bewohnern beiderseits des Flusses der
Geduldsfaden und sie benutzten die Brücke einfach. So war sie denn auf, aber
wie gesagt nie offiziell eröffnet worden.
Echuca ist ein netter, kleiner, anheimelnder Ort. Tipp: für einen Snack
kehre man ein in die Bäckerei (an der Hauptstraße gelegen), sowohl die Meat Pies als auch die Kuchen und
der Kaffee sind hervorragend!
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17.10.
Abholung unseres 4WD in Melbourne
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Trevor fuhr
uns morgens nach Melbourne und führte uns dann wieder hinaus Richtung
Bendigo. Wir machten einen kurzen, ungeplanten Abstecher in ein Koala
Schutzgebiet bei Bendigo. Wir wussten nicht so recht, ob wir freuen oder ärgern
sollten, dass wir keine Koalas sahen, denn wir hatten ja unsere Kameras nicht
dabei.
Nach unserer
Rückkehr wurde allenthalben fleißig verpackt, sowie Lebensmittel gekauft und
verladen. Am vorherigen Tag hatten Torsten und Trevor schon den Anhänger aus
seinem Schuppen geholt, Evie hatte ihn geputzt und so waren wir am
Sonntagabend alle bereit zum Abflug am nächsten Morgen.
Nachdem wir
die Ortsgrenze von Bendigo hinter uns gelassen hatten, fuhr jeder sein eigenes
Tempo. Als Treffpunkt war Mildura vorgesehen. Die Landschaft war nicht
spektakulär, aber schön. An einem
uns namentlich unbekannten Salzsee bogen wir ab. Wir waren die einzigen, die an
der hölzernen Plattform waren, um ein paar Fotos zu schießen. Wir hätten
auch bis ans Ufer fahren können, aber wir wollten nicht zuviel Zeit vertrödeln,
immerhin mussten wir insgesamt 694 km fahren.
Vor Mildura
waren zu beiden Seiten des Highways Weinfelder, so weit das Auge sehen konnte.
Eine Winzerei nach der anderen. In dieser Gegend rechnet man als Europäer nun
wirklich nicht damit, ein Weinanbaugebiet vorzufinden. Wir kamen sogar an
„Lindemans“ vorbei. Wentworth dagegen ist bekannt als Rosenstadt. Überall
blühen Rosensträucher in allen nur denkbaren Farben.
In Mildura
fanden wir dann auch Trevor und Evie, füllten uns und unseren Wagen auf und
machten uns wieder auf den Weg. Die Straße von Mildura nach Broken Hill ist
leider, leider geteert. Die Landschaft ist trocken, mit größtenteils niedrig
wachsender Vegetation und mal mehr, mal weniger hügelig. Obwohl ein Schild
vor kreuzenden Kängurus auf den nächsten 300 km warnt, sahen wir – zum Glück!
– keines. Eine Baustelle kurz vor Broken Hill bescherte uns eine
unfreiwillige aber nicht unwillkommene Pause, da wir auf ein Leitfahrzeug
warten mussten, um uns durchzuführen. Entlang des Weges sahen wir immer mal
Schafe, Greifvögel, sowie ein paar Esel und Ziegen.
Unser Campingplatz in B.H. hat schöne große Stellplätze. Da
wir zwei nebeneinander haben wollten, standen wir auf Kies – bei den Grasplätzen
gab es nur noch einzeln verstreute Stellplätze. Nur Evie bedauerte dies
nicht. Wir schon, mussten wir doch ständig die Steinchen aus dem Profil
unserer Stiefel pulen. Die Nächte waren kalt und sternenklar. Direkt gegenüber
waren ein Gemeinschaftsgasgrill und der Swimming Pool. Zwei Mädels von
vielleicht 15-16 Jahren gingen tatsächlich so gegen 20h00 dort baden – während
wir Weicheier in langen Hosen, Schuhen und Fließpullovern da saßen.
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19.10.
Broken Hill & Silverton
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Unser Weg führte
uns zunächst ins Visitor Center, wo man uns empfahl, die Sculpture Site
anzusehen. Skulpturen in der Wüste – der Gedanke mag befremdlich klingen,
aber es ist sehr schön! Die Skulpturen stehen auf einem Hügel (den es zu Fuß
zu erklimmen gilt). Von diesem Hügel aus hat man einen schönen Blick über
die Umgebung bis Broken Hill. Die Skulpturen passen irgendwie in die raue Wüstenlandschaft.
Einige sind esoterisch angehaucht, andere stellen Tiere dar (z. B. der
Pferdekopf).
Dort oben
sahen wir auch unsere ersten lebenden Shingleback Lizards. Sie erinnern
entfernt von der Form her an die Gila Monster der USA, sind aber nicht giftig.
Allerdings sollen ihre Bisse trotzdem sehr schmerzhaft sein. Diese beiden
waren jedoch nur daran interessiert, sich vor unseren neugierigen Blicken zu
verstecken.
Danach ging
es zur Pro Hart Gallery, in der man nicht nur seine eigenen Bilder sehen und
kaufen kann. Vor dem Haus steht ein von ihm bemalter Cadillac (?), sehr
sehenswert!
Auch der
Galerie von Jack Absolom statteten wir einen Besuch ab. Seine
Landschaftsbilder Australiens gefallen uns außerordentlich gut, und wir
kauften denn auch vier Drucke. Die Originale lagen außerhalb unserer
finanziellen Möglichkeiten. Und die Drucke wurden von ihm persönlich noch
einmal signiert, er war gerade dort. Wir wählten Motive von Gegenden, in
denen wir schon selber gewesen waren.
Nach dem
Mittagessen machten wir uns auf den Weg nach Silverton, ca. 20 km außerhalb
von Broken Hill. Silverton ist eine Geisterstadt, viele Gebäude gibt es
nicht, und diese beherbergen ein paar kleine Souvenirgeschäfte. Außerdem
gibt es den berühmten Silverton Pub. Der Pub ist ein beliebter Drehort. Man
kann ihn so aufnehmen, dass es aussieht, als stünde er ganz allein mitten in
der Wüste. Für die unterschiedlichsten Filme wurde er schon
‚verkleidet’, d.h. bekam andere Namen, eine falsche Fassade aufgesetzt,
einen falschen Anbau…. Auch Mad Max II wurde dort gedreht und der Mustang
von Mad Max steht vor dem Pub.
Das alte Gefängnis
ist ebenfalls sehr interessant. Man kann nicht nur ehemalige Zellen
besichtigen und den kleinen Hof für die weiblichen Gefangenen. In den
verschiedenen Räumen und einem Innenhof sind alle möglichen Gegenstände des
täglichen Lebens aus dem 19. und 20. Jahrhundert ausgestellt. Und dort sahen
wir noch einmal zwei Shinglebacks. Auch diese verzogen sich unseren Blicken.
Shinglebacks bewegen sich recht langsam (zumindest die vier an diesem Tag
gesichteten) taten es, so dass es kein Problem war, sie zu filmen und zu
fotografieren.
Die Peter Browne Art Gallery in Silverton ist ebenfalls einen Besuch
wert. Seine gemalten Figuren erinnern an Strichmännchen, er malt
Outback-Motive.
Wir fuhren
zunächst 192 km geteerten Highway bis Yunta. Im Roadhouse holten wir uns
leckere Sandwichs zur Stärkung, bevor wir nach rechts auf die ungeteerten
Straßen abbogen. Wir hatten uns die Strecke nach Cradock (dort wieder
Asphalt) so ausgesucht, dass wir nicht die direkt Strecke nahmen, sondern
einen kleinen Schlenker gen Norden einbauten, um so lange wie möglich auf
Dreck fahren zu können. Als Treffpunkt wurde der Übergang von Dreck auf
Asphalt vereinbart. Nun ja….
Die Strecke
ist zunächst als „Major Road“ ausgewiesen, der Grader war gerade bei der
Arbeit. Im Anschluss gab es eine Strecke mit engen und steilen Flussüberquerungen.
Wir sahen ein paar Emus und hielten kurz an, um den ca. 3 m hohen Blütenstand
einer Agave zu fotografieren. Trevor und Evie schlossen auf und wir klönten
ein paar Minuten bevor es weiterging. Es gab auch ein paar Tore zu öffnen und
zu schließen. Trevor und Evie fielen langsam zurück, denn ohne Hänger waren
wir doch ein bisschen schneller.
An der
Stelle, an der die Dirt Road auf den Highway mündet, hielten wir an, um auf
Trevor und Evie zu warten, die ja nicht allzu weit zurückgefallen sein
konnten. Es war heiß, und wir wollten eigentlich die Wartezeit draußen, im
Schatten des Wagens verbringen, nahmen aber schnell davon Abstand, denn es
wimmelte nur so von Buschfliegen! So etwas hatten wir noch nicht erlebt! Also
wieder rein in den Wagen, Fenster zu und schwitzen. Torsten musste eines natürlichen
Bedürfnisses wegen dann noch mal aussteigen und stand binnen Sekunden in
einer schwarzen Wolke. Nach ca. 45 Minuten fuhren wir die Dirt Road wieder ein
Stück zurück, um die Straße jenseits der Kurve besser einsehen zu können
und stellten uns in den Schatten eines großen Eukalyptus. So langsam fragten
wir uns, wo die beiden blieben. Nach weiteren 15 Minuten entschlossen wir uns,
den Highway ein Stück in Richtung Ort zu fahren. Wir hatten noch keine fünf
Wagenlängen Teer unter den Rädern, da sahen wir rechts eine Kneipe und ein
kleines Stückchen weiter, am Straßenrand im Halbschatten – Trevor und
Evie. Sie standen auch schon seit einer Stunde dort, hatten an einer Gabelung
der Dirt Road versehentlich die linke statt die rechte Gabel genommen. So
kommen sie etwas weiter unterhalb unseres eigentlichen Treffpunktes auf den
Highway. Ein Zeitabgleich ergab dann, das sie kurz vor unserer Ankunft am
Treffpunkt dort vorbeigefahren waren…. Da hätten wir alle noch lange warten
können! Na, wir waren ja im Urlaub, aber ärgerlich war es schon – wegen
der Fliegen.
Weiter also nach Wilpena Pound. Bei Einfahrt in den Flinders Ranges NP
zahlt man an einem Büdchen seine Parkgebühr mittels Bargeld und Umschlag und
hat so einen Abriss, den man gut sichtbar aufs Armaturenbrett legen muss. Der
Campingplatz am Wilpena Pound ist sehr schön, viele Bäume, Gas-Grills,
Duschen und Toiletten. Kein Strom am Stellplatz, aber dafür ein Wasserhahn.
Die Stellplätze waren sehr gemütlich. Hinter uns war nur noch der Fahrweg,
und dahinter ein Hügel. Nachdem wir alles aufgebaut hatten, gönnten wir uns erst mal
ein Bierchen. Am Hügelhang graste ein Känguru, das sich nicht mal durch
Spaziergänger, die den Hügel herunterkamen, stören ließ. Um uns herum
zwitscherten Papageien und Sittiche. Ein Halsbandsittich landete neben unserem
Auto, um ein uns unbekanntes Unkraut zu fressen und ließ sich durch nichts
– nicht einmal durchs Blitzlicht vom Fotoapparat (es fing schon an zu dämmern)
stören.
Nach dem Frühstück
wanderten wir mit Kameras und Wasserflaschen bewaffnet zur verlassenen Hills
Homestead im Krater. Nick, den wir am Abend vorher kennen gelernt hatten,
trafen wir unterwegs – er hatte auch noch seine Gitarre dabei. Auf dem Weg
zur Homestead wurde uns ganz schön warm, aber der Lookout (halbwegs den
Kraterrand hoch) entschädigte uns: ein wunderschöner Blick über den ganzen
Krater, Sonne, eine kleine Brise, keine Fliegen! Nach einer Pause von gut
einer halben Stunde gingen wir gemütlich wieder zurück. Auf dem Rückweg kam
uns eine Gruppe älterer Aussies entgegen. Ein Stück weiter trafen wir auf
zwei alte Damen, die sich entschlossen hatten, zum Bus zurück zu gehen, da
ihnen der Weg in den Krater hinein doch zu lang wurde. Dummerweise hatte
niemand aus ihrer Gruppe daran gedacht, ihnen Wasser mitzugeben, so dass die
beiden sehr erleichtert waren, als wir auftauchten. Trevor und Evie hatten
noch Wasser übrig und gaben ihnen gleich etwas zu trinken. Sie begleiteten
dann die erschöpften Frauen langsam zu ihrem Reisebus zurück, während wir
schon einmal vorgingen, um im Shop noch ein paar Sachen einzukaufen.
Bei Rückkehr zu unseren Stellplätzen erwartete Trevor und Evie eine
nicht so schöne Überraschung: irgendwie hatten sie aus Versehen das Licht am
Auto eingeschaltet und die Batterie (an der auch der Kühlschrank hängt) war
leer. Wir gaben ihnen Starthilfe (unser Auto – Trevors Kabel) und fuhren
nachmittags mit beiden Autos zum Sacred Canyon. Innerhalb des Parks sind übrigens
alle Straßen ungeteert! Das letzte Stück vom Parkplatz aus muss man zu Fuß
gehen. So war der Plan. Leider entschied sich Trevors Autobatterie beim
Einfahren auf den Parkplatz dazu, schon wieder den Geist aufzugeben. Der Übeltäter
war diesmal eine herausgesprungene Sicherung. Wir gaben wieder Starthilfe und
folgten ihnen dann bis zum Campingplatz. Die beiden machten dann noch eine
kleine Batterieladefahrt und kehrten rechtzeitig zum Abendessen zurück.
Es gab keine
fahrtechnischen Schwierigkeiten, dafür viel Wind. Die Fahrt entlang und durch
die verschiedenen Schluchten (Banyeroo, Brachina, Parachilna Gorges) ist
wunderschön! Der Weg durch die Brachina Gorge ist besonderes malerisch. Die
Schlucht ist teilweise recht eng, die Straße windet sich entlang eines nur
zum Teil Wasser führenden Flusses. Hin und wieder fuhren wir durch größere
Pfützen hindurch, um den Fluss (oder sollte man Bach sagen?) zu überqueren.
Das Angorichina Tourist Village ist recht einfach eingerichtet. Leider gibt es
noch keine schattigen Stellplätze, denn die angepflanzten Bäume sind noch
klein. Die Stellplätze an sich (es gibt welche mit und ohne Strom) sind recht
groß, man steht auf Schotter. Der Ausblick auf die Ranges ist wunderschön!
Die Duschen
– jeweils drei an der Zahl – sind sauber, die Toiletten sind separat
nebenan, klein, aber ebenfalls sauber. Claudia machte sich sofort ans Wäsche
waschen. Besonders das Aufhängen der Wäsche war extrem unangenehm, da es
dort unzählige Fliegen gab, an der in einer leichten Senke gelegenen Wäscheleine
noch mehr als am Stellplatz. Man hatte uns erzählt, dass es dieses Jahr mehr
Fliegen gab als normal. Trevor und Evie hatten Moskitonetze, die sie über den
Kopf ziehen konnten, was zwar albern aussieht, aber sehr nützlich ist. Wir
bedauerten schnell, keine zu haben und Claudia flüchtete zwischendurch mal in
den Wagen. Die australische Buschfliege überträgt zwar keine Krankheiten,
aber zeichnet sich aus durch Hartnäckigkeit und zielsicheres Fliegen an
feuchte Körperstellen, inklusive Augen, Ohren und Nasenlöcher…. Wir kamen
uns vor wie Hollywood- oder Rockstars, die von Horden kreischender Fans
belagert werden.
Als die Wäsche
hing, machten wir einen Spaziergang ungefähr einen Kilometer entlang des
Flusses. Viel Wasser führte er nicht mehr, aber das Tal ist wirklich sehr schön.
Den langen Weg bis zu den Blinman Pools machten wir nicht, das ist eher etwas
für einen Tagesausflug, und außerdem war es sehr heiß. In einem Pool waren
ein paar Flusskrebse unterwegs, aber sie waren zu schnell für Trevors Hand,
so dass wir uns am Abend mit einem Steak zufrieden geben mussten.
Als wir zurückkamen,
richtete sich eine Familie mit drei Kindern neben uns ein, und verbrachte auch
den Abend mit uns. Vor allem Dillon, der vierjährige Sohn, mit Gipsarm, amüsierte
uns – er war alles andere als schüchtern, erzählte lange Geschichten und
philosophierte über das Leben im allgemeinen und besonderen. Er sprach jeden
an, fand dann aber irgendwie Gefallen an Claudia und stelle seinen Stuhl neben
ihrem auf. Im Laufe des Abends lernten wir dann, dass auf der ganzen Welt
Australien das schönste Land ist, mit den giftigsten Schlangen und größten
und gefährlichsten Krokodilen. Ein Krokodilzahn ist größer als der eines
Tigers!
Zwei weitere Gäste waren Phil und Allison, die später auch noch auf ein
Bierchen vorbeikamen.
Wir legten
am Morgen den schnellsten Aufbruch unseres Lebens hin, um den Fliegen
zuvorzukommen. Schade eigentlich, ohne diese Plagegeister wäre der Aufenthalt
deutlich schöner geworden, aber es scheint zum Glück die Ausnahme zu sein.
Unser Weg führte
uns durch die Parachilna Gorge nach Parachilna, von dort weiter nach Leigh
Creek, wo wir einkauften, dann nach Maree. In Maree, einem malerisch mitten in
der Wüste gelegenen kleinen Ort, gönnten wir uns Hamburgers zum Mittagessen.
Dann ging es auf den Oodnadatta Track, der in Maree beginnt. Wir würden ihn
leider nicht ganz durchfahren. Der Oodnadatta ist einfach zu fahren, er führt
über flaches bis gewelltes, trockenes Land mit wenigen Bäumen. Eines der
Highlights sind die Statuen in der Wüste („statues in the desert“). Von
Maree kommend, liegen sie linkerhand. Zu sehen sind bemalte Flugzeuge, die
senkrecht stehend verankert sind, ein Wassertank mit Hundekopf und -schwanz,
ein der Länge nach zerteilter und bemalter VW-Bus und vieles mehr. Durchaus
sehenswert, und eine gute Gelegenheit, die Beine zu strecken.
Ein
Abstecher nach links brachte uns zum „Bubbler“. Ein kegelförmiger Hügel
mit einer Quelle, die einen kleinen, kristallklaren Pool bildet. Das Wasser
kommt blubbernd aus der Erde, daher der Name. Es ist kalt, der Rand des Pools
ist bewachsen, ebenso der kleine Bach, der daraus abläuft. Mit Sicherheit ein
sehr beliebter Ort für die Wildtiere. Baden soll man darin übrigens nicht,
es wird ausdrücklich darum gebeten. Bis man den Hügel hinaufsteigt, deutet
übrigens nicht auf diese Quelle hin, die so Wundersamerweise mitten in der Wüste
entspringt.
Ein Freund
hatte Trevor das Bushcamp Coward Springs empfohlen. Dort fanden wir schöne,
schattige Stellplätze, kalte Duschen, Dunnies (Plumpsklos) und einen natürlichen
Whirlpool (von dem kleinen Fluss abgeleitet). Alles war sauber, es war sehr
ruhig, die Geräusche die wir hörten kamen vom Wind in den Bäumen und im
Schilf, und den unzähligen Galahs, Corellas und Krähen. Nach Einbruch der
Dunkelheit richtete sich ein Reiher häuslich in den Bäumen hinter unseren
Wagen ein. Riesige Motten (Flügelspannweite schätzungsweise 15 cm) besuchten
uns nachts, interessierten sich aber nur für Flüssigkeit, egal ob Wasser
oder Bier. Und natürlich gab es die allgegenwärtigen Fliegen, zum Glück ist
nicht ganz so großen Zahlen, und außerdem hatten auch wir uns in Maree
Moskitonetze gekauft.
Trevor und
Torsten wurden im Laufe des Abends von unsichtbaren Plagegeistern völlig
zerstochen.
Nun wissen
wir, wer der Feind von gestern Abend ist: Sandflies. Torsten hat allein auf
der rechten Gesichtshälfte 100 Stiche. Evie und Claudia scheinen verschont
geblieben zu sein.
Wir fuhren
über William Creek nach Coober Pedy weiter. Das letzte Stück des Weges führte
uns durch ein Opalminengebiet direkt bei Coober Pedy. Durch die fehlende
Vegetation und die aufgeschütteten Hügel fühlt man sich wie in einer
anderen Welt. Der Stuart Hwy führte uns schließlich in den Ort, wo wir auf
dem Opal Inn Caravan Park eincheckten. Der Platz war fast leer, so dass wir
freie Wahl bei den Stellplätzen hatten. Wir wählten zwei im hinteren Teil,
an der Blechwand, wo uns 2 Eukalyptusbäumchen Schatten spenden konnten.
Ein kleiner
Spaziergang durch den Ort, um schon mal die Auslagen in den Opalgeschäften
betrachten zu können, dann kehrten wir in den Pub des Opal Inn ein, um zu
essen.
Auch Evie
hatten die Sandflies erwischt. Bei ihr kamen die Stiche erst heute durch. Alle
drei ermahnten sich gegenseitig immer wieder, nicht zu kratzen, und Claudia
enthielt sich gnädigerweise jeder hämischen Bemerkung.
Wir
besichtigten „Faye’s Dugout“. Faye lebte von 1961-1983 in Coober Pedy.
Sie war eine echte Pionierin und brachte so manche Annehmlichkeit in den
kleinen Ort mitten in der Wüste, z.B. die Flying Doctors, Pferderennen und
den Golf Club, um nur einige zu nennen. Ihr Credo war, nur weil man in der Wüste
lebt, müsse man nicht primitiv hausen. Sie lebt heute in Brisbane, ihr Dugout
ist der Öffentlichkeit zugänglich und noch original eingerichtet. Sie hat
sogar einen innen liegenden, kleinen Swimmingpool. Übrigens der erste in
Coober. Die Tourist Guides leben in dem Dugout (ihre Schlafzimmer sind nicht
zugänglich), führen die Leute herum, erzählen ihnen viele interessante
Details und Geschichten über Faye und über Coober. Wir waren überrascht,
wie angenehm es in diesem Dugout war. Fenster gibt es natürlich nur in
wenigen Räumen, in diesem Fall in der Küche und in dem Zimmer mit dem Pool.
Letzteres ist nur halb unterirdisch, und drinnen war es deutlich wärmer als
in den anderen Räumen. Aber in jedem Raum sind Lüftungsschächte, so dass
die Luft im ganzen Dugout frisch war. Zudem liegt die Temperatur in einem
Dugout permanent zwischen 20 und 25 Grad, ohne Heizung oder Kühlung.
Anschließend
besichtigten wir mit einer anderen kleinen Besuchergruppe noch Faye’s Mine,
die neben dem Dugout liegt. Nach der brütenden Hitze draussen erwarteten uns
im Stollen angenehme Temperaturen und erstaunlich frische Luft. Eine Eidechse
hatte sich häuslich auf einem kleinen Vorsprung in der Wand niedergelassen.
Nach ein paar Erklärungen zum Opalabbau war die Führung zu Ende. Unser
Urteil: sehr zu empfehlen!
Wir fuhren
noch einmal zu unserem Lieblings-Opalladen, dem Opal Cutter, und kauften ein
paar Kleinigkeiten. Kleinigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes, dort findet
man alles von kleinen Souvenirs zu drei Dollar bis zu wunderschönen Schmuckstücken
für mehrere Tausend Dollar.
Abends wurden wir verwöhnt, es gab Braised Steak and Vegies (Stew), von
Evie gekocht, und schmeckte superlecker!
Auch Claudia
hatte heute ein paar (10-20) Sandfly-Stiche auf den Armen. Die Dinger jucken
aber auch wirklich wie die Pest!
Die beiden
vorhergehenden Tage waren sehr heiß. Morgens begrüßte uns ein
wolkenverhangener Himmel, kühlere Temperaturen (immer noch in Shorts und
T-Shirt zu ertragen, aber trotzdem) und starker Wind.
Während der
Fahrt gab es den einen oder anderen Schauer. Die Faszination, die wir bei
unserem ersten Australien-Urlaub empfunden hatten, als wir den Stuart Hwy
fuhren, stellte sich zumindest auf diesem Stück nicht mehr ein. Das Land lag
flach bis hügelig und relativ unbegrünt unter dem bleifarbenen Himmel. Erst
mittags sahen wir immer wieder Wildblumenfelder, die sich mit ihrem kräftigen
Gelb, Blau oder Weiß von der braunroten Erde abhoben.
In Port Augusta war es kühl und stark windig, ab und zu kamen ein paar
Tropfen herunter. Abends zogen wir uns an den überdachten Gas Grill zurück.
Dort ließ es sich aushalten. Wir waren trotzdem recht früh im Bett.
Der Morgen
in P.A. war immer noch kühl und windig. Wir machten uns schnell auf den Weg,
zunächst aus der Stadt raus, dann links ab in die South Flinders Ranges.
Sobald wir in den Ranges waren, ließ der Wind nach, die Sonne kam raus und
die Temperaturen wurden angenehm. In Burra machten wir Mittagspause. Am Fluss
sitzt man sehr schön, es gibt auch Sitzbänke. Teilweise mit Schilf
bewachsenes Ufer, der träge vorbeimurmelnde kleine Fluss, und viele Wasservögel
(verschiedenen Entenarten, Gänse, Schwäne, Blässhühner). Vorher trafen wir
Phil und Allison (aus Angorichina), die schon wieder Richtung Heimat unterwegs
sind. Ja ja, das Outback ist doch kleiner, als man denkt.
In Renmark
gibt es zwei Campingplätze direkt am Murray. Wir entschieden uns für den
„Riverbend“, wo wir einen schönen großen Platz für uns fanden. Man
steht auf Gras, was nach all dem Staub ganz angenehm war. Auch hier gab es unzählige
Wasservögel. Zwei Pelikane waren auch dort, der eine machte gerade ein
Nickerchen auf einem umgefallenen Baumstamm und ließ sich durch nichts aus
der Ruhe bringen. Als wir unsere Wagen auf dem Platz abgestellt hatten und
ausstiegen, griff uns ein mutiger Gänserich an, der sein Harem schützen
wollte. Es wirkte aber nicht sehr bedrohlich, da seine Gattung, eine
Wildgansrasse, nicht größer ist als die gemeine Hausente. Trotzdem waren wir
beeindruckt. Nachdem er seinen Standpunkt klar gemacht hatte, zogen er und
seine Damen, unwillige Blicke um sich werfend, weiter.
Zwei Erpel
(irgendeine Hausentenrasse), fanden Gefallen an uns, ebenso wie eine Pacific
Black Duck Ente mit ihren drei Küken. Die Entenmama führte ihre Kleinen zum
gut gedeckten Tisch und verjagte gnadenlose jeder anders gefiederte Wesen, das
sich uns oder den Kleinen auf mehr als zwei Meter näherte.
Kaum war es
dunkel, und kaum stand etwas Essbares auf dem Tisch, kamen die Possums. Fünf
Stück ließen sich von uns mit Obst füttern. Vor allem eines war ziemlich
frech, es kletterte Torsten mal den Rücken und Trevor am Bein hoch, ließ
sich auf gerade unbesetzten Stühlen nieder, und kletterte sogar auf den
Tisch. An beiden Abenden kamen die Possums, am zweiten Abend sogar eine Mutter
mit einem Baby auf dem Rücken. Filmen konnten wir nicht, dazu war es ja zu
dunkel, aber unsere Digicam machte brav Fotos. Die Possums störte das
Blitzlicht überhaupt nicht, allerdings musste man quasi ins Leere und auf gut
Glück abdrücken, da man durch den Sucher nichts sehen konnte.
Die beiden
Erpel schliefen an beiden Abenden nur ein paar Meter von unseren Wagen
entfernt auf dem Rasen. Jeden Abend, so gegen 22-23 Uhr, kamen sie quakend zu
uns rübergewatschelt, um sich ihr Betthupferl abzuholen.
Auch die Sumpfhühner holten sich tagsüber ihre Ration Brot ab, es sieht
wirklich zu witzig aus, wenn sie Essbares mit ihren ewig langen Zehen
festhalten und zum Schnabel führen! Indische Beos wollten auch ihren Anteil
haben und flogen der Einfachheit halber das Brot an, während wir es noch in
den Händen hielten.
Wir
besichtigten Bredl’s Reptile Park. Es handelt sich hier nicht um Rob Bredl,
den „barfüssigen Buschmann“, der einen Wildlife Park in Airlie Beach
(Qld) hat, sondern um seinen Bruder. Als wir ankamen, war weit und breit
niemand zu sehen. An der Kasse stand ein Schild, Besucher sollten ruhig
reingehen, er sei gerade im Park beschäftigt und würde uns schon finden. Die
Gehege liegen verstreut auf einem mit Gras bewachsenen Gelände. Zu sehen gibt
es neben Affen vieles einheimische Getier: Warane, Echsen, Schlangen, Kängurus,
Papageien, Wasservögel, Dingos…. Der Chef des Hauses war gerade dabei, die
Würgeschlangen-Gehege zu säubern und hatte eine Python draussen
‚abgelegt’. Wir unterhielten uns mit ihm und streichelten die Schlange,
die sich liebend gerne in den Schatten unter seinem Pick Up zurückgezogen hätte.
Kurze Zeit später kam eine Klasse Schulkinder, für die eine andere Python
herausgeholt wurde. Diese Python fraß gerade, so dass die Kinder nicht nur
viele Fakten über Schlangen erfuhren, sondern auch noch einer bei ihrer
Mahlzeit zusehen konnten. Wir durften auch dabei bleiben und kamen so zu
einigen schönen Fotos.
Als wir den
Park wieder verließen, stand ein junges Mädchen an der Kasse und wir
bezahlten natürlich brav.
Anschließend
bummelten wir noch ein bisschen durch die Geschäfte, kauften was fürs
Abendessen und machten uns dann wieder auf den Rückweg.
Wieder auf
dem Campingplatz angekommen, ließen wir uns gemütlich vor unseren Wagen
nieder. Nebenan baute eine junge Frau ihr Zelt auf. Trevor ging hinüber, um
mit seiner Schaufel die Hinterlassenschaften der Gänse und Enten auf ihrem
Stellplatz zu beseitigen. Dabei stellte sich heraus, dass Deirdre eine
Nachbarin von Trevors Mutter war. Trevor kannte sie schon, seit sie ein
kleines Mädchen war, aber die beiden hatten sich nicht sofort wieder erkannt.
Auch Deirdre war auf dem Weg nach Bendigo. Sie kam zum Abendessen zu uns rüber
und wir hatten einen sehr netten Abend zu fünft.
Es ist immer
wieder erstaunlich, dass bei allen drei Urlauben mit Evie und Trevor die
beiden mindestens einmal (meistens mehrfach) auf Leute aus Bendigo gestoßen
sind.
Die Fahrt
war ohne besondere Vorkommnisse. Wir fuhren zügig durch und machten nur einen
kurze Lunchpause am Ufer des Murray. In Bendigo bereiten uns Evie und Trevor
ein letztes Mal ein Aussie-BBQ mit Würstchen, Steaks, Lammkoteletts,
gebratenen Kartoffeln und Kürbis und natürlich kaltem Bier.
Zum Frühstück
fuhr Trevor extra noch zum Bäcker, um uns leckere Teilchen zu kaufen. Leider
sollte es eine Überraschung sein und so hatten wir schon Speck und Rührei
gegessen, als er zurückkam. Torsten schaffte sein Teilchen noch, Claudia aß
ihres dann später als Nachtisch auf dem Flug.
Dann hieß
es mal wieder Wagen abgeben und zum Flughafen fahren. Trevor und Evie blieben
noch bei uns, bis wir einchecken mussten.
Beim
Sicherheits-Check des Handgepäcks wurde Claudia herausgerufen: sie hatte blöderweise
noch die als Mitbringsel in Coober Pedy gekauften Brieföffner im Handgepäck.
Also: Brieföffner in den Gewahrsam eines Beamten, Umschlag und Briefmarken
kaufen, an uns adressieren, Brieföffner rein und der Beamte gab sie auf.
Zehn Tage später
kamen sie wohlbehalten bei uns zuhause an.
2005 wird es
keinen Australien-Urlaub geben, da Evie und Trevor uns in Europa besuchen
werden.
Dies war
zweifellos ein Urlaub der ganz besonderen Art, den wir auch auf ganz besondere
Weise genossen haben.
Danke,
Evie und Trevor – für Eure Freundschaft, und dafür, dass Ihr uns den
Urlaub so schön gestaltet habt.
Auch ihre
Familie hat zu dem besonderen Erlebnis beigetragen.
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